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Stiftung Mensch : Aufstieg bis in den ersten Arbeitsmarkt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

50 Jahre Stiftung Mensch in Meldorf: Erfolgsbilanz ihrer vielseitigen Betreuungs- und Bildungsarbeit für Menschen mit Handicaps.

Werkstattläden in Heide und Büsum, ein Elektro-Recyclinghof in Brunsbüttel, ein Bioland-Hof in Epenwöhrden, die Buchbinderei, Lederverarbeitung und Weberei im Alten Pastorat in Meldorf, der Marschenpark in Meldorf mit den Manufakturen Tischlerei und Strandkorb sowie der Abteilung für Garten- und Landschaftsbau – diese und weitere Einrichtungen der Stiftung Mensch in Dithmarschen sind Eckpfeiler der gelungenen Integration von Menschen mit Handicaps. Hinzu kommen zahlreiche Wohnprojekte. In kaum einem anderen Landkreis in Schleswig-Holstein finden sich an so vielen Orten Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen wie in Dithmarschen. Dieses hohe Maß an Integration wurzelt in der Gründung der Beschützenden Werkstatt in Meldorf durch die Lebenshilfe, Kreisvereinigung Süderdithmarschen im Jahr 1964. Dieses Jubiläum wird Donnerstag gefeiert.

Aktuell arbeiten in diesem in seiner Art einzigartigen Unternehmen 653 Menschen mit Behinderungen an den verschiedenen Projekten. 59 Prozent von ihnen müssen Tag für Tag nach einem festen Fahrplan zur Arbeit geholt und wieder heim in ihre häusliche Umgebung gebracht werden – ein Rhythmus, der ganz eigenen Regeln folgt.

Jan-Wilhelm Schütt als Geschäftsführer für den Bereich Arbeit und Karola Wischmann für den Bereich Soziales erläuterten im Vorfeld des Jubiläumsfestes die Besonderheiten dieses mittlerweile als Stiftung geführten Betriebes. Die Dimensionen sind beachtlich: So machen sich die Mitarbeiter in aktuell 22 Gewerken an ihre Aufgaben. Die Liste der Auftraggeber umfasst 100 Namen, wobei jährlich bis zu 15 gehen und neue in selber Zahl hinzukommen – eine Fluktuation, die den Veränderungen in der Wirtschaft insgesamt geschuldet ist. Beispiele, die diese dokumentieren, gibt es reichlich. So schnitten in den glorreichen Zeiten der Produktion Meldorfer Fenster, die über Velux international vermarktet wurden, die Mitarbeiter die Dichtungen zurecht. Längst übernahmen das Roboter, und Velux produziert auch nicht mehr in Meldorf. In den ehemaligen Fabrikhallen werden heute von den Mitarbeitern Produkte der Schokoladenindustrie konfektioniert und versandfertig gemacht.

Jan-Wilhelm Schütt weist ausdrücklich auf die hohe fachliche Kompetenz der Mitarbeiter hin, die von den hohen Hygienestandards in der Lebensmittelproduktion bis zum starken Maschinenpark für den Landschaftsbau reicht. Sie verfügen nicht nur über Scheine zum Bedienen von Gabelstaplern und Kettensägen, sondern können als Anlagenfahrer auch die Maschinen in der Tischlerei bedienen.

Doch die Automatisierung hat ihre natürlichen Grenzen im eigentlichen Auftrag der Stiftung Mensch: die Bildung und Betreuung der Menschen entsprechend ihrer persönlichen Fähigkeiten und Handicaps. So hatte die Stiftung Mensch kürzlich bei Ausschreibungen einer Hausverwaltung Pech, weil ein Hausmeister-Service mit einer automatischen Heckenschere anrückte. „So eine Maschine bei uns würde den eigentlichen Sinn unserer Arbeit konterkarieren“, stellt Jan-Wilhelm Schütt klar. Die Handarbeit der Gärtner-Teams bleibt wesentlicher Faktor.

Fünf Mitarbeitern gelang in diesem Jahr der Wechsel auf den ersten Arbeitsmarkt – Idealziel aller Maßnahmen. 13 weitere haben Lohn und Brot in ausgelagerten Arbeitsplätzen gefunden.

Gesucht sind in allen Werkstätten Aufträge, die in Kleinserien mit Wiederholungsfaktor abgearbeitet werden können. „Die können durchaus komplexer Natur sein“, sagt Schütt.

>Info: www.stiftung-mensch.com

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