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Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 23:53 Uhr

Aufnahmestopp bei „50 plus on ice“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ältere Generation fegt mit Begeisterung durch die Eissporthalle / Wer noch mitmachen will, muss erst einmal auf die Warteliste

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2015 | 16:18 Uhr

Ein Abend im Elbe Ice Stadion (EIS) in Brokdorf: Die Eishockeyspieler geben wieder alles, da kommt ein langer Pass, ein Spieler geht durch, nimmt den Puck an und versenkt ihn mit einem gekonnten Dreh-Schuss im Tor. Das Besondere an dieser Szene: Hier sind alle Akteure älter als 50 Jahre, der älteste ist 76. Sie jagen dem Puck so motiviert nach wie eh und je. Nun war wieder Saison-Auftakt für die Eishockey-Mannschaft „50 plus on ice“, gegründet vor fünf Jahren von Hans-Werner Speerforck, um den älteren Spielern ihr eigenes Tempo zu ermöglichen und den Spaß am Sport noch bis ins hohe Alter beizubehalten.

Mittlerweile besteht das Team aus 25 Mitspielern, 18 davon sind mindestens bei jedem Training auf dem Eis. „Wir sind so gut belegt, dass ich einen Aufnahmestopp machen musste“, so der Gründer. „Denn wenn es zu viele sind, können nicht alle spielen. Wir haben eine Warteliste, auf der wir weitere Interessenten aufnehmen.“

Die wenigsten kommen aus Brokdorf, manche aus Heide oder Elmshorn, einige aus der Wilstermarsch, aus Itzehoe und Glückstadt. Der sportliche Leiter Jan Bolten aus Itzehoe teilt die Teams am Trainingsabend ein. Sie spielen zum Schutz vor Verletzungen in voller Montur – mit Helm, Gesichts-Gitter-Schutz, Bein-, Arm- und Schulterpolstern. Und sie haben auch drei Frauen in ihren Reihen.

Eine davon ist Christine Scheer (62) aus Rosskopp, die seit vier Jahren mittrainiert. „Das ist ganz schön anstrengend“, sagt sie, „aber positiv anstrengend. Denn ich will nicht auf dem Sofa sitzen bleiben. Die körperliche Bewegung und das Spielen machen ja gerade den Spaß aus.“ Sie spielt im Team alle Positionen. „Ich habe schon früher mit den Kindern bei der Baggerkuhle draußen Eishockey gespielt“, erzählt sie. Von Zeit zu Zeit schießt sie nun auch mal ein Tor. „Alle sind nett und freundlich, es wird sich nicht gegenseitig umgelaufen.“ Ab und zu geht sie nun auch mit ihren zwei Enkeln am Sonntag zum Schlittschuhlaufen.

Der älteste Mitspieler ist Thies Piening (76) aus Krempermoor. „Ich trage die Schlittschuhe von Kindheit an“, erzählt der ehemalige Landwirt. „Wir waren nach dem Krieg die ,Moorhaie' und haben mit selbst geschnitztem Stock gespielt. Sobald das Eis hielt, waren wir da.“ Später ist er auch mit Frau, Kindern und Enkeln auf dem Eis gewesen. „Als das hier in der Eishalle los ging, habe ich sofort mitgespielt.“ Seine Söhne sind mittlerweile auch in Brokdorfer Eishockeymannschaften aktiv, einer von ihnen leitet sogar eine davon.

Thies Piening ist körperlich gut in Schuss und engagiert. Im Sommer ist er auf Radtouren unterwegs. Darüber hinaus macht er zwei Mal in der Woche Gymnastik, spielt Basketball und Fußball und läuft im Winter auch Ski. „Und ich baue noch an Häusern mit.“ Deshalb habe er eine gute Kondition. „Ich bleibe dabei, solange es geht.“ Er spielt meist hinten, wo man nicht mehr ganz so viel laufen muss und genießt es, wenn hinterher alle noch bei einem Bierchen zusammensitzen.

Mannschaftskollege Peter Langer-Langmaack (63) ist durch Zufall dazu gestoßen: „Ich bin früher immer Schlittschuh gelaufen und dabei einmal auf einen Eishockeyspieler getroffen, der mir von der Mannschaft erzählte.“ Nun ist er schon im vierten Jahr dabei. „Ich habe mit 58 wieder regelmäßig angefangen zu trainieren.“ Gewöhnen musste er sich aber an die Montur, denn die hat Gewicht und beeinträchtigt die Sicht. „Die hatten wir auf dem Teich vorher natürlich nicht, sondern nur eine Wollmütze auf.“ Hier gehe es sehr diszipliniert zu. „Ich freue mich riesig, an jedem Dienstag Abend dabei sein zu können“, sagt er. Er mache regelmäßig morgens Liegestütze, 150 am Stück. „Das ist gut für den Oberkörperaufbau und gibt Kraft. Die merke ich auch, wenn ich spiele.“ Um den Bewegungsablauf beim Eishockey auch über den Sommer beizubehalten, schnallt er sich Rollschuhe unter.

Mit fünf Jahren schon erlernte Mitspieler Johannes Schwartkop (71), Landwirt aus der Blomeschen Wildnis, das Schlittschuhlaufen hinter einem Schlitten. „Damals waren die Winter noch richtig kalt“, erzählt er. „Mit sieben Jahren habe ich fast jeden Tag auf einer Kuhle in Glückstadt Eishockey gespielt, wo ich auch zur Schule gegangen bin.“ Nach der Lehrzeit ist er mit 20 Jahren ab 1975 in die Gruppe „Moorhaie“ hinein gerutscht. Mit ihr ging es alle vier Wochen im Bus bis nach Niedersachsen in eine Eishalle nach Harsefeld zum Eishockeyspielen. „Da waren wir immer erst zwischen 2 und 3 Uhr zu Hause“, erzählt er. „Das war anstrengend, aber es ging – jahrzehntelang.“

Als sie in Brokdorf die Mannschaft für die Älteren gegründet haben, ist er dort eingetreten, „denn mit den Jungen kann ich nicht mehr mithalten. Ich bin froh, dass ich das überhaupt noch kann und bin jedes Mal dabei.“ Er spielt am liebsten im Sturm. „Aber wenn wir nur fünf sind, muss man alles machen. Da wird jeder gebraucht.“ Kleinere Blessuren gebe es immer mal, „aber es ist nicht so ein rauer Sport, wie man denkt, und man ist gut gepolstert“, sagt er und schlägt zum Beweis mit dem Eishockey-Schläger gegen seine Beinpolsterung.


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