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Arbeitsmarkt : Aufbruchstimmung im alten Bahnhof

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Steinburg Sozial kauft Gebäude von der Stadt Wilster. Sozialkaufhaus und Kompostierung mit erweiterten Angeboten an zentralem Standort.

shz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 07:16 Uhr

Seit mehr als 25 Jahren betreiben Steinburg Sozial und ihr Vorgänger „Jugend und Beruf“ am Bahnhof von Wilster eine Kompostierung von Bioabfällen. Jetzt hat die gemeinnützige Gesellschaft das Gebäude von der Stadt Wilster gekauft. „Wir sind in einer richtigen Aufbruchstimmung“, freut sich vor allem Betriebsstättenleiter Marcus Gruber, der seit gut 25 Jahren an dem Standort Arbeitsprojekte betreut und in dieser Zeit das ständige Auf und Ab am eigenen Leib miterlebt hat. Mit dem Erwerb der Immobilie nimmt nicht nur die Verwertung von kommunalen Grünabfällen wieder Fahrt auf. Auch das Sozialkaufhaus „alt & wert“ wird im wahrsten Sinne aufgemöbelt.

Bis zu zehn Teilnehmer werden am und im Bahnhof in Projekten auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. Aktuell sind acht Plätze besetzt. Hinzu kommt die Unterstützung durch drei ehrenamtliche Helfer. An Betätigungsfeldern mangelt es nicht. Der Kompost aus der Bioabfallverwertung erfreut sich, so Gruber, nicht nur bei Tomatenzüchtern größter Beliebtheit. In dem Arbeitsprojekt sind überwiegend suchterkrankte und suchtgefährdete, aber auch psychisch labile und zudem langzeitarbeitslose Menschen beschäftigt. Im Angebot sind unter anderem Beschäftigungen im „Garten der Begegnung“ und im Büro. In der Kreativwerkstatt fertigen die Teilnehmer Nisthilfen, Futterhäuser und Insektenhotels, die hier auch zum Verkauf angeboten werden. Mitten im Umzug befindet sich das Sozialkaufhaus, das vom benachbarten Klosterhof in das Bahnhofsgebäude verlagert wird. Hier gibt es Möbel und Haushaltsgegenstände für Kunden mit schmalem Geldbeutel oder auch für Liebhaber. Alle Gegenstände kommen aus Spenden, die während der Öffnungszeiten (aktuell Montag bis Donnerstag jeweils von 9 bis 15 Uhr) abgegeben werden können. Größere Teile werden vom Abhol- und Lieferservice auch direkt beim Spender abgeholt. Die Auswahl in den Bahnhofs-Verkaufsräumen ist groß, noch mehr Möbel stehen in einem externen Lager zur Verfügung.

„Wir wollen uns an dem Standort in Wilster langfristig sozial engagieren“, kündigt Heinrich Deicke als Geschäftsführer von Steinburg Sozial an, einer Gesellschaft, die inzwischen unter dem Dach der Diakonie zuhause ist. Die jetzige Aufbruchstimmung erklärt Deicke auch mit einer Vereinbarung mit dem Jobcenter über die Einrichtung von zehn Plätzen für Arbeitsgelegenheiten (AGH) und einem neuen Vertrag mit dem Kreis Steinburg für Maßnahmen im Rahmen der Eingliederungshilfe.

„Wichtig ist, dass diese Menschen wertgeschätzt werden“, freut sich Bürgermeister Walter Schulz, dass die über viele Jahre gewachsenen Strukturen in Wilster nicht nur erhalten bleiben, sondern noch ausgebaut werden. Die Stadt und auch das Amt, so weiß er, würden von dem Angebot im Sozialkaufhaus gerne Gebrauch machen, wenn Menschen in Not geraten sind. Heinrich Deicke betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Projekte für den betroffenen Personenkreis gerade auch in Zeiten sinkender Arbeitslosenzahlen.

Gesellschafter Bernd Hannemann erinnert dabei auch an die wechselvolle Geschichte von Steinburg Sozial, einer Gesellschaft, die aus dem Zusammenschluss von Jugend und Beruf und der ökumenischen Schuldnerberatung gebildet wurde. Mit dem Diakonischen Werk Altholstein, freut sich Hannemann, habe die Gesellschaft einen Träger, der insbesondere für soziale Arbeit steht. Mit bewährten und neuen Angeboten will sich Steinburg Sozial nun im Bahnhof von Wilster endgültig und dauerhaft etablieren. Neben dem Sozialkaufhaus und der Bioabfallkompostierung betreibt die Gesellschaft in Itzehoe die offene Ganztagsschule und die Schulkindbetreuung sowie die Bahnhofsmission und in Itzehoe, Glückstadt und Kellinghusen die Schuldnerberatung. Am Standort Wilster gibt es neben den Teilnehmern an Arbeitsprojekt fünf feste Mitarbeiter, darunter zwei Vollzeitkräfte.

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