Brokdorf : Aufatmen im Kernkraftwerk

Wird wie alle vier Jahre per Ultraschall auf Dichtigkeit überprüft: Die Brokdorfer Reaktorkuppel.
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Wird wie alle vier Jahre per Ultraschall auf Dichtigkeit überprüft: Die Brokdorfer Reaktorkuppel.

Alle Befunde bei der seit 1. April laufenden Revision sind bislang unauffällig.

shz.de von
14. April 2018, 16:23 Uhr

Er habe immer ein gutes Gefühl gehabt. Am Ende sei er aber doch erleichtert gewesen. Was bei Kraftwerksleiter Uwe Jorden für sichtbare Entspannung sorgt, dürfte bei der Belegschaft und auch sicher beim Betreiber selbst ein kollektives Aufatmen ausgelöst haben. Bei der seit 1. April laufenden Revision in dem Atommeiler an der Elbe habe es bislang keinerlei Auffälligkeiten gegeben.

Tatsächlich galt nach dem Abschalten der Anlage der erste Blick dem Wasser im geöffneten Reaktorbehälter. Bei der Revision im vergangenen Jahr hatten hier noch herumschwimmende Teilchen für Alarmstimmung gesorgt. Bei einer Überprüfung stellte sich heraus: Sechs von insgesamt 45 000 Brennstäben waren über das erlaubte Maß hinaus oxidiert. Die Folge: Fieberhafte Ursachenforschung und eine auf 177 Tage verlängerte Revision. Das, so Jorden, sei damals auch für die Belegschaft eine sehr belastende Situation gewesen.

Ganz genau weiß man bis heute nicht, was genau die Ursache für das Problem war. Umso gespannter war man auf eine erste visuelle Überprüfung. Laut Uwe Jorden seien alle in Frage kommenden Brennstäbe unauffällig gewesen.

Letzte Klarheit erhofft man sich nun bis morgen Abend. Bis dahin laufen Messungen, mit denen man jede noch so kleine Veränderung der Hüllrohre entdecken kann. Nach allem, was man bisher festgestellt habe, rechnet Jorden aber auch hier mit keinen Hiobsbotschaften. Nach den Messungen würden die Ergebnisse gutachterlich bewertet und mit der Atomaufsicht erörtert.

Behördenvertreter haben während der Kraftwerks-Auszeit eigene Büroräume auf dem Gelände bezogen und sind auch immer präsent. Einmal am Tag, immer um 14.30 Uhr, findet eine Besprechung statt. Das Gros der Mitarbeiter wird via Intranet oder Flurfunk über die wichtigsten Ergebnisse auf dem Laufenden gehalten.

Ansonsten laufe die rund 25 Millionen Euro teure Revision in routinemäßigen Bahnen. Fast 1000 wiederkehrende Prüfungen aller Art würden vorgenommen. Insgesamt seien fast 5500 Aufträge an Fachfirmen vergeben worden.

In der Spitze sind in Brokdorf derzeit bis zu 1800 Mitarbeiter im Einsatz. Einige von ihnen sind auch mit einer Aufgabe betraut, die nur alle vier Jahre ansteht: Per Ultraschall wird der Zustand der Reaktorkuppel unter die Lupe genommen. Der ursprüngliche Zeitplan kann laut Jorden nicht ganz eingehalten werden. Ursache dafür seien allerdings lediglich ein paar Schwierigkeiten im IT-Bereich. Jorden hofft, dass Brokdorf am 4. Mai wieder ans Netz kann – eventuell auch ein bisschen früher.

Mit voller Leistung werde die Anlage aber auch dann nicht gefahren. Seit der letzten Revision war das Kraftwerk auf 95 Prozent gedrosselt. Und das soll laut Jorden auch bis zur nächsten Revision im Juni 2019 beibehalten werden. Hintergrund: Im Reaktor kämen eigens für Brokdorf hergerichtete Brennelemente aus dem Kraftwerk Unterweser zum Einsatz. Von der Leistung her wolle man ähnliche Rahmenbedingungen wie dort herstellen. Jorden hofft allerdings, dass Brokdorf im Sommer nächsten Jahres wieder auf volle Kapazität gehen kann. Dann nämlich, wenn die Inspektion der Brennelemente genauso positiv ausfalle wie jetzt.

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