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Norddeutsche Rundschau

17. August 2017 | 14:12 Uhr

Landwirte : Auf Weltmarkt behaupten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Steinburgs Kreisvorsitzender Peter Lüschow und Geschäftsführer Peter Mau-Hansen im Gespräch über das Schwerpunktthema beim Kreisbauerntag.

Am Donnerstag kommen die Landwirte aus Steinburg zu ihrem Kreisbauerntag zusammen. Ab 10 Uhr steht im Colosseum in Wilster die Entwicklung des Weltmarktes sowie sein Einfluss auf die Einnahmen und Ausgaben der Landwirte in der Region im Mittelpunkt. Der Kreisvorsitzende Peter Lüschow (61) und Geschäftsführer Peter Mau-Hansen (63) machen im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich, wie wichtig die Auseinandersetzung mit diesem Thema für Steinburger Landwirte ist.

Warum konzentrieren Sie sich auf das Thema „Weltmarkt“?
Lüschow: Wir haben das Thema „Wie funktioniert der Weltmarkt und wie gehen wir als Steinburger Bauern damit um?“ gewählt, weil wir meinen, dass der Weltmarkt in den letzten Jahren immer größeren Einfluss auf unsere Produktion hat. Dazu haben wir lange überlegt, welche Referenten wir für das Thema nehmen.

Sie haben mit Sebastian Hess und Ernst-Walter Meyer zwei Hauptreferenten gewählt, die von sehr verschiedenen Ansätzen ausgehen. Warum?

Lüschow: Wir erwarten interessante Vorträge, die das Thema komplex angehen. Professor Dr. Sebastian Hess von der Christian-Albrechts-Universität Kiel wird auf die Bedeutung des Weltmarkts und die Zusammenhänge in allen landwirtschaftlichen Bereichen eingehen. Ernst-Walter Meyer, Lehrer und ein anerkannter Berater vom Berufsbildungszentrum Bad Segeberg, wird sich in seinem Referat darauf konzentrieren, wie sich die Bauern darauf einstellen müssen.

Also Vorträge, die auch durchaus eine Menge Diskussionsstoff bergen dürften?

Mau-Hansen: Sicher. Hintergrund unserer Themenwahl ist schließlich die Preissituation der letzten Jahre. Für Milch, Getreide und Schweinefleisch sind die Preise extrem niedrig. Und die Situation in vielen Betrieben stark belastet. Der Weltmarkt ist ein preisbestimmender Faktor, Landwirte müssen wissen, wie sie sich als Einzelbetrieb darauf einstellen sollten, damit Preis-Täler sie nicht ihrer Existenz berauben.

Ist es tatsächlich der Weltmarkt, der für Preise und Existenzen bestimmend ist, oder sind es nicht eher die Auswirkung politischer Entscheidungen?

Lüschow: Sicher ist die Politik ein zusätzlicher Faktor, aber den größten Einfluss hat doch der Mark. Da inzwischen alle Agrarmärkte weltweit verflochten sind, werden unsere Preise in starkem Maße durch die Entwicklungen an den Weltmärkten bestimmt.

Aber in Ländern um uns herum und in Übersee wird auch der Ruf nach der Rückkehr zum eigenen Markt laut. Wie beurteilen sie die Entwicklung?

Lüschow: Die Renationalisierung in Teilen Europas und den USA halte ich für die Landwirtschaft nicht unbedingt gut. Ich bin ein Freund des freien Handels. Und sehen Sie sich die weltweiten Warenströme an: Wer hier Mauern hochzieht, benachteiligt nur sich selbst. Denn die Warenströme werden sich als Antwort beispielsweise auf hohe Zölle ändern. Darum ist es wichtig, weltweite Kontakte zu halten und sich nicht abzuschotten.

Mau-Hansen: Man muss dazu festhalten, dass in Deutschland und in den anderen europäischen Ländern in einigen Produktbereichen so viel produziert wird, dass es im Binnenmarkt allein nicht vermarktet werden kann. Werden Grenzen dicht gemacht, betrifft das auch landwirtschaftliche Produkte. Der Weltmarkt bleibt wichtig, deshalb müssen wir uns verstärkt darum kümmern.

Und worauf muss sich der Landwirt einstellen?

Lüschow: Auch in Zukunft wird es Preisschwankungen geben. Die Frage ist, wie sich hiesige Bauern darauf einstellen und absichern können. Hochpreise abschöpfen und in Niedrigpreis-Phasen die Hand aufhalten, wird auf Dauer nicht gehen.

Mau-Hansen: In den letzten 20 bis 30 Jahren hat die Beratung häufig empfohlen, sich auf bestimmte Bereiche zu spezialisieren. Seit zwei Jahren wächst der Zweifel, dass die Fixierung auf ein Produkt noch Sinn macht. Dort wo möglich, können ein zweites oder mehrere Standbeine große Preisschwankungen besser ausgleichen.

Welche Perspektive kann man vor dem Hintergrund denn speziell jungen Landwirten nennen?

Lüschow: Auf dem Kreisbauerntag in Wilster werden wir auch hier etwas zu bieten haben. Wir freuen uns, dass Niels Bartels aus Kellinghusen vom Verein für landwirtschaftliche Fortbildung zu Beginn Gastredner sein wird. Er wird über Chancen und Risiken des Weltmarktes aus Sicht der Junglandwirte sprechen. Es lohnt sich also für alle Steinburger Landwirte, am Kreisbauerntag teilzunehmen.


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erstellt am 14.Feb.2017 | 04:45 Uhr

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