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Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 16:26 Uhr

Glückstadt : Auf Umwegen zum Vikariat

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bunter Lebenslauf und verliebt in den Norden: Glückstädter Kirchengemeinde bildet Mirjam Kull (45) als neue Theologin aus

Aus einer Schatztruhe holt Mirjam Kull bunte Glaskugeln und verteilt sie an die Schüler der vierten Klasse der Grundschule in Herzhorn. „Das sind Diamanten, genauso wie ihr“, erklärt sie. „Jeder von euch ist etwas Wertvolles mit besonderen Gaben. Überlegt mal, welche besonderen Fähigkeiten ihr habt. Und was könnt ihr tun, um daraus etwas zu machen?“ Mit dieser Einführung beginnt der Religionsunterricht, in dem es um das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden aus dem Lukas-Evangelium geht. Gleichnisse und biblische Erzählungen mag sie besonders gern. „Damit kann man die Herzen berühren - und die Grundschüler arbeiten toll mit.“

Seit Jahresbeginn ist Mirjam Kull Vikarin der Kirchengemeinde Glückstadt. Im Rahmen ihrer zweiten Ausbildungsphase zur Pastorin gehört der Religionsunterricht dazu. Nächste Woche bekommt sie Unterrichtsbesuch von ihrem Seminarleiter bei einer Lehrprobe, danach muss sie eine Hausarbeit schreiben. Die Ausbildung im Vikariat dauert zwei Jahre und fünf Monate und schließt mit dem zweiten Examen ab. Danach kann sie auf eine freie Stelle innerhalb der Nordkirche zugewiesen werden. Bis dahin gibt es noch viel zu lernen und zu erfahren. Einmal pro Woche treffen sich die Vikare mit ihrem Mentor in einem Studienzirkel. Daneben gibt es themenbezogene Blockwochen in Ratzeburg. In ihrem Ausbildungsseminar ist Mirjam Kull die älteste Teilnehmerin. Sie ist bereits 45 Jahre und hat beruflich bisher außerhalb der Kirche gearbeitet.

Aufgewachsen ist Kull in einem Dorf mit 350 Einwohnern in der Nähe von Heidelberg. In ihrer Jugend hat sie sehr viel Sport gemacht und als Ausgleich Lust am Lesen und Schreiben gewonnen. Durch die gelebte Gemeinschaft im Dorf und durch ihre Mutter, die als Grundschullehrerin auch Religion unterrichtet hat, wuchs ihr Wunsch auf das Theologiestudium. Nach der Schule studierte sie dann in Heidelberg und in Tübingen und schloss ihre Ausbildung mit dem ersten Staatsexamen ab. Anstatt das Vikariat in einer Kirchengemeinde anzuschließen, ging Mirjam Kull nach Berlin: „Ich wollte in die Großstadt und neue Erfahrungen sammeln.“ Es hat sich dann ergeben, dass sie für mehrere Sozialverbände und Vereine im Bereich von Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit arbeiten konnte und sich selbstständig machte. Ehrenamtlich war sie nebenbei in der Telefonseelsorge tätig. In den 2000er Jahren sattelte sie noch einmal um und war angestellt bei einer Firma für medizinische Geräte. Als Außendienstmitarbeiterin betreute sie den Bereich von Flensburg bis Dresden. Bei ihren vielen Fahrten wuchs der Wunsch, in den Norden zu ziehen und ihre Theologieausbildung mit dem Vikariat zu ergänzen.

Vor einem Jahr hat sie sich bei der Nordkirche beworben, im Juli des letzten Jahres zog sie nach Glückstadt. „Ich wollte an der Elbe leben und nicht zu weit von Hamburg entfernt sein“, begründet die Vikarin ihre Wohnortwahl. Bis zum Beginn ihrer Anstellung bei der Kirche hat sie dann bei einem freien Träger in Hamburg mit Flüchtlingen gearbeitet, um mit ihnen Deutsch zu lernen und sie fit für den Job zu machen.

Dass Glückstadt nun auch ihr Ausbildungsort geworden ist, darüber freut sich Mirjam Kull sehr. „Das sollte wohl so sein. Ich kann meine Arbeitszeit jetzt dem widmen, was mir wichtig ist. Dabei werden mir meine bisherigen Erfahrungen helfen, denn ich kenne auch schwierige Situationen. Heute bin ich reifer und erlebe Probleme bewusster.“ An der kirchlichen Arbeit mag sie besonders die Seelsorge, Taufgottesdienste und Andachten in der Natur und die Betreuung von Geflüchteten. Nach ihrem halbjährigen Einsatz an der Grundschule wird sie in Glückstadt zunehmend mit Aufgaben betreut. Von Pastor Stefan Egenberger wird sie in dieser Zeit angeleitet. „Ich habe es hier gut getroffen, denn in Glückstadt ist viel los und ich kann durch die Zusammenarbeit mit drei Pastoren viel lernen.“ Sie ist neugierig auf das breite Spektrum der Gemeindearbeit, um dann ihren eigen Schwerpunkt zu entwickeln. Dazu hat sie in den nächsten zwei Jahren genügend Zeit.

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