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Krimi Nordica in Itzehoe : Auf Tätersuche im Internet der Dinge

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bei der Krimi Nordica geht es auch um Cyberkriminalität: Marco Klein, Leiter der Mordkommission bei der Bezirkskriminalinspektion Itzehoe, Ermittelt mit anderen Experten bei "Kuddels Erben".

Die Geschichte ging um die Welt: Bei der Ermittlung in einem Mordfall in Bentonville im US-Bundesstaat Arkansas aus dem November 2015 wollte die Polizei eine Zeugin besonders gern hören: Alexa. Der Lautsprecher „Amazon Echo“ des Online-Versandhändlers wird mit der Stimme gesteuert und spielt auf Befehl Musik ab, beantwortet Fragen, tätigt Anrufe oder gibt Nachrichten wieder. Für den Speicher des Geräts interessierten sich die Ermittler brennend. Der Angeklagte, der in der Sache auf „nicht schuldig“ plädierte und angab, zur Tatzeit geschlafen zu haben, hatte ein solches Gerät in seiner Wohnung stehen.

Die digitale Ermittlungsarbeit nimmt immer mehr zu, sagt Marco Klein, seit 2014 Leiter der Mordkommission bei der Bezirkskriminalinspektion Itzehoe. „Früher gab es in der Regel nur ein Festnetztelefon pro Haushalt, heute hat jedes Familienmitglied mindestens ein Handy und nutzt Apps und Internettelefonie. Das Feld ist riesig geworden – und steigt weiter rasant.“

Schon seit mehr als zehn Jahren ist Klein neben der herkömmlichen analogen Ermittlungsarbeit auch mit der Auswertung digitaler Spuren vertraut. Erstmals konnte er eine dieser Methoden bei einer Serie von Raubüberfällen auf eine Tankstelle anwenden: Nach dem zweiten Überfall dort stellten die Ermittler fest, dass in beiden Fällen eine Rufnummer in derselben Funkzelle auftauchte. „Wir haben dann zwei Tage hin und her ermittelt, um schließlich rauszufinden, dass es sich nicht um das Mobiltelefon des Täters handelt, sondern um ein Modul, das die Stromzählerstände an den Zapfsäulen übermittelt hat“, erinnert sich Klein. Gefasst wurde der Täter aber trotzdem – von einem mobilen Einsatzkommando, als er die Tankstelle ein drittes Mal überfallen wollte.

Die analoge Ermittlungsarbeit stehe noch immer im Mittelpunkt, sagt der Kriminalist. Doch während es früher vor allem darum ging, Fingerabdrücke und Fußspuren zu sichern sowie Tatorte mit der Kamera auf Schwarz-weiß-Filmen festzuhalten, gibt es heute deutlich mehr Möglichkeiten: Handys, Fitnessarmbänder, Fernseher, Autos – aus fast allem lassen sich Daten ziehen. Aufgrund dieser Datenflut muss aber noch zielgerichteter ausgewertet werden, um weiterhin schnell zu sein. „Zwar ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass brauchbare Daten dabei sind“, sagt Klein. „Allerdings besteht die Schwierigkeit darin, das passende kriminalistische Puzzlestück zu entdecken. Dazu kommt das Problem, dass die Daten sehr flüchtig sind.“ Und die Gesetzeslage verbietet es den Kommunikationsunternehmen, Daten über einen längeren Zeitraum zu speichern.

Um digitale Ermittlungsarbeit geht es auch bei der dritten (und bereits ausverkauften) Auflage von „Kuddels Erben“ im Rahmen des Krimifestivals Krimi Nordica am 6. und 9. November. „Muckimaus trifft Seelenmann“ heißt es in dem Fall, den Klein zusammen mit dem Publikum und weiteren Experten zu lösen hat. Neben dem Kripo-Beamten sind unter anderem Klaus Püschel, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin am UKE Hamburg, Arno Deister, forensischer Psychiater und Chefarzt des Zentrums für Psychosoziale Medizin am Klinikum Itzehoe, die Strafrechts-Fachanwälte Christoph Heer und Jürgen Osbahr sowie Dietmar Wullweber, Vizepräsident am Landgericht Itzehoe, bei den Veranstaltungen dabei.

Dating-Plattformen sind in diesem Jahr das Thema. Diese werden dem Opfer bei Kuddels Erben zum Verhängnis. Chatrooms, anonyme Identitäten, das Darknet – all das könnte eine Rolle spielen. In der Ermittlungsarbeit bei dem fiktiven Kriminalfall werden die neuesten technischen Möglichkeiten vorgestellt, Tatorte aufzunehmen, neue forensisch-medizinische Verfahren, die herkömmliche Obduktionen unterstützen sollen und eben die Ermittlungsarbeit in Bezug auf die Auswertung von technischen Geräten.

Der Fall mit dem „Amazon Echo“ in Bentonville ist übrigens noch nicht vollständig aufgeklärt. Nachdem der Konzern sich zunächst geweigert hatte, die Audio-Daten herauszugeben, wurden sie mittlerweile doch an die Polizei übergeben. Der Angeklagte selbst hatte dem zugestimmt. Etwas anderes aber ist umso sicherer: Der Fall um Kuddels Erben wird spätestens am 9. November gelöst sein.

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