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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 07:01 Uhr

Auf MAN-Kosten zum Oktoberfest

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

von
erstellt am 23.Aug.2015 | 14:38 Uhr

Zum 25. Bauernmarkt gibt es eine Sternfahrt nach Wilster mit den ältesten Schleppern aus den Landgemeinden. Wir stellen die historischen Traktoren und ihre Besitzer vor. Heute: Heinz Nagel aus Landscheide.

Hier und da eine kleine Beule, sonst ist der alte MAN–Schlepper noch bestens in Schuss. Und für den Fototermin springt die 25-PS-Maschine auch sofort an. Das war nicht immer so. Als Heinz Nagel in den 1950er Jahren mit dem bei einem Wilsteraner Landmaschinenhändler erstandenen nagelneuen MAN auf dem Hof der Familie in Flethsee erschien, hätten ihn viele Nachbar-Landwirte noch „für verrückt erklärt“. Wenige Jahre nach Kriegsende – auch Heinz Nagel war noch gar nicht so lange aus französischer Kriegsgefangenschaft zurück – erleichterten motorisierte Landmaschinen erst nach und nach die schwere Arbeit.

Anfangs wurden Pferdefuhrwerke noch durch aus heutiger Sicht Kleintraktoren ersetzt. Auf dem Hof Nagel tat ein alter Deutz, der zuvor von einem Schrottplatz in Hamburg geholt worden war, seinen Dienst. „Dann haben wir einen Güldner gekauft, der war aber auch schnell zu klein“, erinnert sich der heute 88-Jährige. Schließlich kam der MAN mit „satten“ 25 Pferdestärken auf den Hof. „Gleich am Anfang hatten wir Probleme mit dem Anlassen“, weiß Heinz Nagel noch genau um die Kinderkrankheiten des markentypisch grünen Schleppers vom Typ 2L3. Einmal habe er zum Weizen fahren vom Hof gewollt, als es einen lauten Knall gegeben habe. Monteure der Hamburger MAN-Niederlassung rückten an, Nagel bekam schließlich einen Austauschschlepper und sein Fahrzeug wurde zurück ins Werk nach München gebracht. „Dann die Sensation: Ich sollte persönlich in die Reklamationsabteilung des Werkes kommen“, erinnert sich Nagel an ein Telegramm von MAN. In den 1950 Jahren mal eben aus der Wilstermarsch nach München, dürfte damals nicht alltäglich gewesen sein.

Gemeinsam mit einem Vertreter des Wilsteraner Lieferanten fuhr Nagel im Opel Olympia nach Bayern – „wo wir dann sehr nett empfangen worden sind“. Zufällig, so schmunzelt der Landscheider, war da auch gerade Oktoberfest. Entsprechend gaben die beiden Besucher aus der Marsch vor Ort die Devise aus: „Heute ist Oktoberfest, morgen reden wir über den Trecker.“

Von einem der MAN-Bosse seien sie dann sogar noch nach Schwabing eingeladen worden. „Da habe ich zum ersten Mal so ein gebratenes Hendl (Hähnchen) gegessen.“

Der Schlepper bekam derweil einen größeren Anlasser und auch eine stärkere Batterie handelte Nagel noch raus. Und für die Leute von MAN gab es eine klare Ansage: „Wenn der nicht vom Waggon fährt, geht der gleich wieder zurück. Mein Cousin ist Bahnhofsvorsteher in Wilster.“ Der Schlepper rollte dann aber per Lkw zurück in die Marsch, wobei unterwegs an irgendeinem niedrigen Brückenbauwerk noch das Verdeck abhanden kam.

Richtig im Einsatz war der MAN dann aber nur kurze Zeit. Dann kam ein noch größerer Traktor auf den Hof. Gehegt und gepflegt – auch dank seiner gut ausgestatteten und akkurat aufgeräumten Werkstatt – hat Heinz Nagel den MAN aber bis heute. In der warmen Jahreszeit wird er für Mäharbeiten aus der Halle geholt, im Winter zum Schnee räumen. „Dafür habe ich extra ein großes Schild gebaut, das ich mit der Hydraulik vom Mähwerk bewegen kann.“ Heinz Nagel weiß sich eben bei allen Fragen rund um den alten Schlepper selbst zu helfen.

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