Landwirtschaft : Auf Gummi-Ketten durch die Marsch

Übergabe (von rechts): Robert Klaus (Produktmanager, Hersteller Case IH), Johannes Hellmann (Verkäufer Meifort), Martin und Rolf Schuldt, Thorsten Ebken und  Horst Kühn.
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Übergabe (von rechts): Robert Klaus (Produktmanager, Hersteller Case IH), Johannes Hellmann (Verkäufer Meifort), Martin und Rolf Schuldt, Thorsten Ebken und Horst Kühn.

Jetzt in Dägeling übergeben: Innovativer Mähdrescher soll Süderauer Landwirte in der Erntezeit unabhängiger machen. Mit Laserauge durch die Ackerfurchen.

shz.de von
11. Juni 2014, 16:45 Uhr

Große landwirtschaftliche Maschinen sind auf den Straßen im Kreis Steinburg im Sommer keine Seltenheit, aber in der diesjährigen Erntezeit dürfte mancher Autofahrer in der Krempermarsch zweimal hinschauen, was ihm da gerade begegnet ist: Beim Landmaschinenhändler Meifort in Dägeling wurde erstmals ein neuer Mähdrescher mit Raupenantrieb an drei Landwirte aus Süderauerdorf übergeben.

„Unser Ziel ist es, die Ernte möglichst schnell bei möglichst guter Qualität einbringen zu können. Durch den schlagkräftigen neuen Drescher hoffen wir, viel Zeit sparen zu können“, erklärt Martin Schuldt.

Der 33-jährige Landwirt, der die riesige Erntemaschine gemeinsam mit seinem Vater Rolf Schuldt und Albert Köhler gekauft hat, plant mit dem Mähdrescher von insgesamt 320 Hektar Ackerland Weizen, Raps, Gerste und Triticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen) abzuernten. Den Getreidebauern ist es wichtig, unabhängig von Lohnunternehmen ihre Ernte mit eigenen Maschinen einfahren zu können.

„Bei den Dreschern haben viele Lohnunternehmen in den vergangenen Jahren Kapazitäten abgebaut, weil mehr Häcksler für Milchbetriebe und Biogasanlagen benötigt werden. Für uns könnte es zum Problem werden, wenn nicht sofort passende Maschinen verfügbar wären“, sagt Schuldt.

Der Raupenantrieb soll dabei helfen, den optimalen Zeitpunkt für die Ernte nutzen zu können. „Die Gummi-Ketten verteilen die Last der Maschine viel besser als große Reifen und ermöglichen es, so den Acker zu befahren, wenn das Getreide zwar reif, aber der Boden für herkömmliche Maschinen noch zu feucht ist und Reifen große Schäden verursachen würden“, erläutert Thorsten Ebken, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Meifort, die Vorteile des ungewöhnlichen Antriebssystems. Durch den bodenschonenden Antrieb wird beim Getreideanbau ein Arbeitsschritt eingespart, weil die Verdichtung nach der Ernte nicht maschinell wieder aufgebrochen werden muss. „Der Treibstoffverbrauch ist niedriger, was nicht nur die Kosten senkt, sondern auch die Umwelt schont“, so Ebken.

Aufgrund der günstigeren Gewichtsverteilung belastet der Raupenantrieb auch die Straßen weniger als herkömmlichen Reifen und sorgt dafür, dass die Maschinen nicht immer breiter werden. Horst Kühn, Technischer Leiter bei Meifort: „Durch die größere Auflagefläche der Raupen in der Länge können sie in der Breiter deutlich schmaler sein als Reifen und verteilen das Gewicht trotzdem auf mehr Fläche.“ Darüber hinaus sorgt der Raupenantrieb laut Kühn auch für bessere Bremseigenschaften des über 17 Tonnen schweren und auf der Straße bis zu 20 Kilometer pro Stunde schnellen Mähdreschers.

Der innovative Antrieb ist nicht die einzige technische Neuerung, von der sich die Landwirte aus Süderauerdorf mehr Effizienz bei der Ernte erhoffen. Neben einem besonders schonenden Verfahren zur Trennung von Korn und Ähre im Mähdrescher verfügt die neue Erntemaschine auch über ein so genanntes „Laserauge“, dass dem Fahrer hilft, exakte Spuren zu fahren und die neun Meter Breite des Schneidwerkes ohne Überlappungen optimal auszunutzen. „Wir sind gespannt, wie gut das funktioniert“, sagt Martin Schuldt.

„Ob das Laserauge viel bringt, hängt von der Flächengröße ab. Auf unserem größten Stück mit 57 Hektar macht es sicher einen spürbaren Unterschied. Auf kleineren Flächen, wo häufiger gewendet werden muss, bringt die Technik weniger.“ Ab Mitte Juli wollen der Landwirt und seine Partner ihren neuen Drescher zuerst bei der Ernte der Gerste einsetzen.

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