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tätersuche : Auf der Suche nach Kuddels Mörder

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Erster Teil der Reihe im Rahmen der KrimiNordica: Experten aus der Praxis zeigen den Verlauf eines Kriminalfalls. Am ersten Abend geht es um die Ermittlungen am Tatort, die Tätersuche und die erste Vernehmung.

von
erstellt am 29.Okt.2013 | 11:48 Uhr

59 Jahre alt und mit seinem alten Rad und der Volksmusik aus dem Kassettenrekorder stadtbekannt – das ist Kurt-Hermann Zywitz. Besser gesagt: Das war er. Denn Kuddel ist tot.

Ein Rentner findet ihn früh morgens an einer Bank im Klosterhof. So startet vor vollem Haus in der Tanzschule Giesen die Reihe im Rahmen der KrimiNordica. An drei – bereits ausgebuchten – Abenden zeigen Ermittler, Mediziner und Juristen den Weg bis zum Urteil. Wie immer es auch ausfällt: „Es ist ein einmaliges Experiment, von dem wir gar nicht wissen, wo es uns hinführt“, sagt Moderator Stefan Wolter.

Blaulicht. Uniformierte Polizisten sind zuerst vor Ort, stellen massive Kopfverletzungen fest. Notarzt Dr. Holger Dörr kann nicht mehr helfen, merkt aber an: „Ich fürchte, da steckt mehr dahinter.“ Die Spurensicherung rückt an: Fingerabdrücke, Fotos, mit Klebestreifen werden Faserproben von der Kleidung des Opfers genommen. Wozu die Spuren gut sind, zeige sich erst im Laufe der Ermittlungen, erläutert Erster Kriminalhauptkommissar Siegfried Lindhorst, Leiter der Mordkommission.

Dann der Auftritt des Rechtsmediziners: Professor Dr. Klaus Püschel (kl. Foto) vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Kuddel ist noch warm, „erst ein, zwei Stunden tot“. Er findet Spuren stumpfer Gewalt und von Tritten, aber auch feine Blutungen in den Bindehäuten, Zeichen für Strangulation: „Das ist komplizierter, als wir dachten.“ Die – natürlich echten – Bestatter bringen die Leiche nach Hamburg.

Derweil berichtet Lindhorst, dass ein Anwohner spät am Abend zuvor einen Streit gehört, Schubsen und Treten gesehen hat. Die Polizei rief er nicht – Zeit für eine Mahnung: „Wer sich nicht kümmert, macht sich selbst strafbar.“

Durch die Tür auf der anderen Saalseite wird Kuddels Leiche in die Rechtsmedizin geschoben. Während seine Kollegen – unter Einsatz von reichlich Kunstblut – Hand anlegen, erklärt Püschel anhand projizierter Bilder das Vorgehen von äußerer und innerer Leichenschau. Das Ergebnis überrascht: Schläge und Tritte haben Kuddel nicht getötet. Er wurde erst Stunden später am frühen Morgen stranguliert.

Pause. Der Sektionsbericht liegt bereit, und die Ermittlungen schreiten voran. Kurz vor dem abendlichen Streit hat die Polizei den 23-jährigen Dennis Krähkel aufgegriffen, der alkoholisiert in der Innenstadt Außenspiegel abtrat. Die Polizei durchsucht die Wohnung, die er in der Brunnenstraße mit seiner Mutter bewohnt. Verdächtiges findet sich, Krähkel wird festgenommen.

Inzwischen war die Kripo auch bei Kuddels Tochter. „Völlig erschüttert“ sei diese gewesen, schildert Anke Kawald. Nun sei sie mit ihrem dreijährigen Sohn ganz allein. Der Weisse Ring wird eingeschaltet. Die Gespräche mit den Angehörigen seien die „schwierigsten Begegnungen, die wir haben“, sagt Lindhorst.

Kriminalhauptkommisar Marco Klein vernimmt Dennis Krähkel. Er sei den ganzen Abend zu Hause gewesen, sagt der 23-Jährige, den David Göttsche vom „Teatro Spectaculo“ spielt. Seine Mutter hat etwas anderes gesagt: „Die lügt!“ Doch erst muss er angesichts der Beweise die Autobeschädigungen zugeben, dann den Streit mit Kuddel. Klein zeigt ihm blutbeschmierte Turnschuhe, die in der Wohnung gefunden wurden. Krähkel: „Wissen Sie was: Ich sag’ jetzt gar nichts mehr!“

Noch etwas nahm die Polizei bei der Durchsuchung mit: einen Schal. Fasern davon fänden sich sicher am Hals des Opfers, meint Klein. Der Verdacht: Krähkel kehrte Stunden nach dem Streit zurück, um sein Opfer mundtot zu machen. Das wäre Mord. Er verlangt nach einem Anwalt – an dieser Stelle geht es heute weiter.

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