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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 18:57 Uhr

Auf der Suche nach einer Lösung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Pastor Stefan Egenberger unterstützt das Bemühen der Politik, die Zuwanderungsdynamik zu bremsen, um die Integration zu meistern

von
erstellt am 21.Jan.2016 | 17:04 Uhr

„Wir stehen nicht auf einer Seite, sondern müssen alle Menschen im Blick haben – diejenigen, die da sind und die, die neu kommen.“ Mit diesen Worten beschreibt Pastor Stefan Egenberger die aktuelle Situation der Menschen in Glückstadt nach den Ereignissen der Silvesternacht in Köln. Er ist besorgt, dass sich die Stimmung gegenüber den Flüchtlingen in der Stadt verändern könnte. „Wir stehen vor einer extrem schwierigen Aufgabe, für die man Geduld aufbringen muss.“

Das Flüchtlingsproblem müsse politisch gelöst werden. „Im Libanon und in der Türkei wurde lange versäumt, die Strukturen und die Lebensbedingungen für die Flüchtlinge zu verbessern. Nachdem den syrischen Flüchtlingen im Libanon die Unterstützung von gerade einmal 22 Euro pro Monat gestrichen wurde, haben sich viele auf den Weg nach Deutschland gemacht.“

Auch der Pastor unterstützt das Bemühen der Politik, die Zuwanderungsdynamik zu bremsen, um die Integrationsaufgabe meistern zu können. Es sei richtig gewesen, die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Balkan einzuschränken und Ähnliches jetzt in Bezug auf die Flüchtlinge aus dem Magreb zu unternehmen.

Egenberger warnt aber auch vor Pauschalisierungen und einfachen Antworten: „Die Grenzen dicht zu machen, ist jedenfalls keine Lösung. Wer das erzählt, belügt die Bevölkerung.“ Die Menschen würden sich doch nur deshalb auf die lebensgefährliche Flucht über das Mittelmeer begeben, weil sie zuhause schlechterdings keine Perspektive mehr hätten. Daran müsse sich etwas ändern.

Aber Egenberger spürt auch, dass es zunehmend nachvollziehbare Sorgen und Fragen gibt, wie die Integration gelingen kann. Bisher ist nach seiner Meinung die Aufnahme von Flüchtlingen in Glückstadt gut gelungen, geradezu vorbildlich. „Man sieht im Stadtbild schon viele Menschen, die aus der Erstaufnahmeeinrichtung in der ehemaligen Kaserne kommen, aber sie stellen keine Bedrohung dar.“ Er ist froh, dass die Einrichtung so langsam wächst, dadurch sei die Aufgabe besser zu organisieren. Gut findet der Glückstädter auch, dass die Polizei in der Flüchtlingsunterkunft vor Ort ist, denn dadurch können Konflikte schnell geregelt werden. „Beim Zusammenleben von so vielen Menschen auf engem Raum gibt es zwangsläufig Konflikte, aber es darf nicht passieren, dass man sich am Neuendeich nicht mehr sicher fühlt.“

In der Erstaufnahme ist die Langeweile für Egenberger das größte Problem. „Da wollen wir uns auch als Kirchengemeinde mehr engagieren.“ Die allermeisten Flüchtlinge würden so schnell wie möglich mit der Integration anfangen wollen: Sie möchten Deutsch lernen, ihre Kinder zur Schule schicken und eine Arbeit bekommen. Eine sinnvolle Beschäftigung ist der Schlüssel für eine gelingende Integration. Wichtig ist für Egenberger, dass die Menschen miteinander in Kontakt kommen, um mehr voneinander zu erfahren.

Mut macht ihm, wenn er sich an Begegnungen zwischen Glückstädtern und Flüchtlingen erinnert: „Wenn man sich Zeit für die Geschichten des anderen genommen hat und sich zugehört hat, dann habe ich bisher immer sehr positive und auch berührende Reaktionen erlebt.“ Auch dabei will sich die Kirchengemeinde noch mehr engagieren. „Wir wollen uns öffnen, aber auch die Probleme klar benennen. Nur durch den Dialog können unsere Werte und Gesetze vermittelt werden.“

Für Stefan Egenberger ist es wichtig, die Bevölkerung dabei mitzunehmen. Er wünscht sich wieder eine Informationsveranstaltung für die Bürger, wie sie bereits im vergangenen Jahr in der Stadtkirche vom Land und der Stadt durchgeführt wurde. Außerdem ist für ihn wichtig, dass möglichst viele Bürger Zugang zu der Landesunterkunft erhalten, um sich das Leben vor Ort anzuschauen. „Wenn die Menschen sehen, wie engagiert und professionell die Mitarbeiter in der Erstaufnahme arbeiten, dann wird auch das Vertrauen zurückgewonnen werden. Mir gibt das große Hoffnung, dass wir diese große Herausforderung meistern werden.“

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