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Glückstadt : Auf den Spuren eines Hollywood-Stars

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vorfahre von „Fluch der Karibik“-Darsteller Geoffrey Rush wollte Stadtmusikant werden – und scheiterte

von
erstellt am 03.Mär.2016 | 17:00 Uhr

Johann Wellms? Der Name sagt kaum einem etwas. Von 1717 bis 1740 lebte der Mann, der einige Jahre bei dem Grafen von Ahlefeld in Diensten als Hofmusiker stand, in der Wilstermarsch. Er wollte mehr: Stadtmusikant in Wilster werden. Doch daraus wurde nichts. Aber sein Scheitern legte den Grundstein für die Hollywood-Karriere seines späteren Nachkommen: Geoffrey Rush – berühmt geworden als Pirat Barbossa in dem Film „Fluch der Karibik“ und Oscar-Preisträger. Denn Johann Wellms ließ im 18. Jahrhundert Frau und Kinder in Brokdorf sitzen und wanderte nach Australien aus, wo auch Rush geboren wurde.

Den Anstoß, auf den Spuren seiner Vorfahren zu wandeln, gab die australische Sendung von „Who do you think you are?“. Vor eineinhalb Jahren war ein Recherche-Team mit Rush in Glückstadt, Brokdorf und Wilster unterwegs (wir berichteten) und ging dessen Familiengeschichte auf den Grund. Auf Glückstadt kam das Filmteam, weil königliche Beamte im Wasmer-Palais Urkunden für Johann Wellms ausgestellt hatten. Wellms’ Nachfahre Geoffrey Rush nutzte die Gelegenheit für einen Abstecher für einen Besuch des Restaurants „Kleiner Heinrich“, wo er sich im Gästebuch verewigte: „With best wishes. Danke. Geoffrey Rush“.

Eine große Hilfe für das Filmteam war der gebürtige Lokstedter Mirko Soll. Der Volkskundler und Musikwissenschaftler hatte über Stadtmusikanten in Schleswig-Holstein recherchiert und promoviert. Er hatte Unterlagen zu dem Vorfahren von Rush und war bei den Aufnahmen dabei.

Begleitet und unterstützt wurde das Filmteam bei den Recherchen und der Suche nach geeigneten Lokalitäten für den Dreh seinerzeit auch von Christian Boldt, dem Vorsitzenden der Glückstädter Detlefsen-Gesellschaft und Stadtarchivar in Wilster. Boldt lud Mirko Soll jetzt ein, in Glückstadt über das Leben der Musikanten zu sprechen, ergänzt durch einen längeren Beitrag in einem der Bücher der Detlefsen-Gesellschaft. „Die Musikanten waren Profis“, erklärte Mirko Soll bei seinem Vortrag. „Sie waren ausgebildete Instrumentalisten.“ Wie bei den Handwerkern hatten sie feste Strukturen, wenn sie von den Stadtoberen als solche bestellt waren. Es gab Meister und Gesellen. Meist hatten sie sogar eine Dienstwohnung. Und sie hatten das Monopol, auf allen Festen in der Stadt aufzuspielen. Verpflichtet waren sie, in der Kirche Musik zu machen. Dazu gehörte auch „morgens, mittags und abends vom Kirchturm zu blasen“. Von den Kremper Stadtmusikanten berichtete Soll, dass sie über ein mittelmäßiges Einkommen verfügten. „Am Ende waren sie pleite.“ Das galt auch für Musikanten in anderen Städten. Denn sie mussten Personal und eine Vielzahl von Instrumenten bezahlen. Und von einigen ist bekannt, dass sie dem Alkohol verfielen. „Musikanten waren kein Kind von Traurigkeit.“

Johann Wellms hatte es nicht in den Stand der Stadtmusikanten gebracht, auch wenn er viele Bewerbungen um vakante Posten rund um Wilster geschrieben hatte. So viel ist Mirko Soll bekannt. Darüber hinaus verliert sich seine Spur zum Ende des 18. Jahrhunderts.

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