Glückstadt : Auf den Spuren der Künstler

Eine Station des Parcours war das Atelier am Rhin.
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Eine Station des Parcours war das Atelier am Rhin.

Erstmals fand eine Atelier-Wanderung durch Glückstadt statt. Mit Erfolg: Weitere Rundgänge sollen folgen.

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17. Mai 2018, 05:00 Uhr

Üblicherweise führen Stadtrundgänge zu markanten Punkten mit Bezug zur Vergangenheit. Dagegen war der erste Atelier-Parcours in Glückstadt nur auf die Gegenwart ausgerichtet. Drei hier lebende und arbeitende Künstler öffneten ihre Ateliers für geführte Besucher.

Zum Auftakt lud Thomas Greinke zu einer viertelstündigen Meditation in die Stadtkirche ein. Dort entlockte er einem eigenartigen Saiteninstrument Klänge, die an eine indische Sitar erinnerten. Dazu ertönte hin und wieder eine Klangschale, während er aus einem Gedicht von Rose Ausländer rezitierte: „Geheimnisse reden zu mir eine lebendige Sprache.“ Alles in allem eine gelungenen Einstimmung auf den anschließend von ihm geführten Rundgang.

Wiebke Möller empfing die Gruppe in ihrem Atelier am Rhin. Ein idealer Ort für die Malerin, denn viele ihrer Bilder haben etwas mit Wasser zu tun. Auf Gemälden vom Flutsaum oder vom trocken fallenden Watt kann man „sehen“, wie der Blasentang oder der Schlamm riechen. Man meint auch das Wispern und Gluckern des zurückweichenden Wassers zu hören. Diese ganzheitlichen Eindrücke ihrer Ölgemälde baut Wiebke Möller schichtweise in Lasurtechnik auf.

Anschließend tauchte die Gruppe ab in das Artequarium von Margarete Olschowka. Hier wurden die Teilnehmer an mehrere künstlerische Ausdruckformen herangeführt: Zeichnung, Plastik, Töpfern und Installationen. Entsprechend vielfältig sind die Materialien: Papier, Stoff, Draht, Ton, Tauwerk, Fischernetze und Nylonstrümpfe. Die daraus gefertigten Objekte haben meistens etwas Zartes, Vergängliches an sich. Sie wollen nicht nur angeschaut werden, sondern ihre Körperlichkeit auch berührt oder im Luftzug bewegt werden.

Letzte Station: Das Regenbogenhaus, in dem Michael Krautzig lebt und arbeitet. Sein Schaffen verteilt sich auf drei Techniken: Malerei, Plastik und Keramik. Seine Gemälde zeigen surreale Motive in Erdfarben wie eine weithin öde Landschaft, vor welcher eine baumbewachsene Kugel schwebt.

Ebenso surreal wirken die Plastiken aus gefärbtem Beton wie Riesenköpfe, die aus dem Erdboden zu wachsen scheinen. Konkret und dekorativ sind dagegen Krautzigs keramische Gefäße. Sie entstehen nach einer 400 Jahre alten koreanischen Technik, die der Künstler während seines Aufenthalts in den USA erlernt hatte.

Mit Imbiss und Umtrunk klang der Besuch dieser drei Ateliers aus. Die Künstler und die Teilnehmer stimmten darin überein, dass in Glückstadt noch häufiger solche Atelier-Parcours stattfinden könnten. Aber mehr als zwei oder drei Ateliers pro Rundgang könnten die Aufnahmefähigkeit der Besucher überfordern. Als nächste Termine sind der 30. Juni und der 22. September vorgesehen.

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