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Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 05:56 Uhr

Archiv : Auf den Spuren der Ahnen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hohenlockstedter forschte im Archiv der Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf nach seiner Ur-Oma

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2016 | 12:15 Uhr

Seine Zeitreise führte direkt ins Tabu. Warum niemand über die Herkunft seiner Urgroßmutter sprach – der Hohenlockstedter Klauspeter Damerau deckte es jetzt auf. Im Archiv des Kirchenkreises in Wrist kam er auf die Spur ihrer Herkunft. Und wurde darüber zum leidenschaftlichen Ahnenforscher.

„Meine Urgroßmutter war 1872 unehelich geboren, und mehr gab es dazu nie zu sagen“, erzählt Damerau, dessen Urgroßvater in seiner Kinderzeit noch lebte. Doch damit gab sich der pensionierte Polizist nicht zufrieden: Zwei Jahre lang wühlte er in seiner Vergangenheit, durchsuchte die Mikrofilme der Taufregister und Heiratsbücher. Die Spur der Ur-Urgroßmutter führte nach Berlin und sogar nach Amerika – sehr ungewöhnlich für eine junge Frau in der damaligen Zeit. Und schließlich kam heraus: Dameraus Urgroßmutter war aus einer Affäre mit einem adeligen Offizier aus dem „ersten preußischen Garderegiment zu Fuß“ entstanden, der im Jahr 1872 nach dem deutsch-französischen Krieg im Holsteinischen seinen Genesungsurlaub machte. „Sie war ihrem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten“, erzählt Damerau. Kurzentschlossen schrieb er dessen Nachkommen an – eine Antwort erhielt er jedoch nie.

Verschlungene Lebenswege, unverhoffte Wiedersehen, gut gehütete Geheimnisse: Das Kirchenkreisarchiv in Wrist – nur auf den ersten Blick eine langweilige Amtsstube – ist sehr oft sehr nah am Menschen. Für so manchen Hobby-Ahnenforscher wurde die eigene Geschichte plötzlich wieder lebendig. So ergeht es auch Klauspeter Damerau, dem schnell die Zeit wegrennt. Nur noch diese eine Spur, nur noch dieser kleine Eintrag. Dann ist wirklich Schluss. Doch wenn der nächste kleine Baustein gefunden ist, folgen unweigerlich die nächsten Fragen. Die müssen doch noch beantwortet werden.

Die Recherche kann schnell zur Sucht werden: „Man will immer wieder ein bisschen mehr erfahren“, sagt Damerau, der auch die Geheimnisse der Ahnen seines Urgroßvaters lüftete. Bei ihm wurden es 50 Besuche in Wrist. Mit Erfolg: Seine Ahnenreihe lässt sich jetzt durchgängig bis zum Dreißigjährigen Krieg nachvollziehen. Jetzt, so meint der 65-Jährige, sei das Ende gefunden.

Ob es dabei bleibt? Denn die regionale und die Kirchengeschichte, erzählt der Pensionär, fessele ihn doch ziemlich. Vielleicht geht es doch noch weiter. Denn, so findet Klauspeter Damerau: „Das Kirchenkreisarchiv ist für die Geschichts- und Ahnenforschung die beste Adresse.“ Und manchmal auch weit und breit die einzige, um auf Spurensuche zu gehen.



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