zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

18. November 2017 | 22:31 Uhr

Musik : Auf Augenhöhe mit dem Publikum

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Musiker und Zuhörer feiern die sechste lange Glückstädter Nacht des Jazz. Alle sechs Spielorte gut besucht.

Voll, eng und toll – so lässt sich die sechste Glückstädter Nacht des Jazz am Sonnabend mit drei Worten umschreiben. Alle sechs Auftrittsorte waren sehr gut besucht, so dass später hinzu kommende Gäste die Jazz-Größen entweder nur außerhalb des Sichtfeldes oder stehend auf Fluren beziehungsweise in Nebenräumen genießen konnten.

Den Auftakt der Jazznacht bildete wieder die Big-Band der Musikschule Glückstadt. Diese trat im Stucksaal des Wasmer-Palais in der Königstraße auf. Zeitgleich begann im Detlefsen-Museum am Fleth der Auftritt von „The Art of Organ“. Die drei Musiker spielten zunächst entspannt und lockend mit ruhigen Saxophonklängen sowie leisem Schlagzeug – ähnlich wie in alten Krimis. Schwungvoll ging es weiter, wobei Dirk Piezunka am Saxophon mit einem starken Solo beeindruckte. Gegenüber in der Bücherstube von Renate Meyer begann fast pünktlich der Auftritt des Basspoeten Axel Burkhardt. Fast pünktlich deshalb, weil der Künstler gerade in heimeliger Atmosphäre vor 25 Besuchern loslegen wollte und plötzlich weitere 20 Gäste ohne Sitzplatz in der Bücherstube standen. Improvisation war angesagt und so räumte Renate Meyer flink einige Bücher beiseite, um Sitzgelegenheiten zu schaffen. Trotz dieser Unruhe zeigte sich Axel Burkhardt gut gelaunt. Selbst führte er dies auf seine neuen Socken zurück, auch wenn es sich laut Verpackungsaufdruck „39 – 45“ wohl um „Weltkriegssocken“ handeln würde. In seinem ersten Lied hieß es „Guten Tag, guten Weg“, wobei Burkhardt zunächst mit dem Wörtchen „gut“ spielte, um dann über „nicht schlecht“ bei Karl-Theodor zu Schlechtenberg landete. Viel Spaß hatten die Gäste auch bei dem Lied „Der Landarzt Paulchen Kuhn verspeist gern Huhn“ und dem Song „Wie wurde ich Gedankenschwanger?“.

Zum Bersten voll war es erwartungsgemäß im Restaurant Der Kleine Heinrich. Etliche Gäste blieben deshalb von vornherein vor dem Gasthaus stehen und genossen im Freien bei offener Tür und kühlen Getränken die Bluesband 21 Twenty. Die sorgten auf ihrer kleinen Bühne für beste Stimmung, wobei das Publikum mitsang und klatschte.

Vor dem Hintergrund des 400. Stadtjubiläums ging es im Ratssaal des Rathauses mit dem Johanna-Lohde-Quartett dänisch zu. Als Höhepunkt gesetzt, führte die im Retro-Look auftretende gleichnamige Sängerin perfekt deutsch sprechend bei bester Akustik durch eine spannende Mischung aus klassischen Interpretationen von Jazz-Standards und eigenen Kompositionen. Den Schlussakzent des Abends mit einem Ticket und sechs Bands bildete schließlich ab 20.30 Uhr das aus Leo Volskiy, Joachim „Igor“ Gerth und Martin Thissen bestehende Leo-Volskiy-Trio im Glückstädter Ratskeller. Am Ende dürften Nicola Kremer und alle Mitstreiter von „Jazz in Glückstadt“ als Veranstalter des nur dank Sponsoring der Sparkasse Westholstein ermöglichten Jazzabends rundherum zufrieden gewesen sein. Man hat den Jazz in all seinen Spielarten und so wie er vielleicht am schönsten ist, genießen können: Auf Augenhöhe mit dem Publikum.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen