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Norddeutsche Rundschau

23. August 2017 | 16:21 Uhr

Notfallseelsorge : Auch Helfer brauchen Hilfe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Feuerwehrfrauen im Porträt: Birte Solterbeck (41) aus Heiligenstedten hilft schlimme Unfallbilder zu vergessen.

Wenn die Feuerwehr zu einem Einsatz gerufen wird, können die Kameraden oft Leben retten. Doch es gibt Situationen, in denen nur noch aufgeräumt werden kann. Leichen zwischen Trümmern bergen, wie nach der Hausexplosion in der Schützenstraße in Itzehoe, hinterlässt Erinnerungen, die bleiben und verarbeitet werden wollen.

Feuerwehrleute sehen oft schlimme Szenen, trotzdem fahren sie zum nächsten Brand wieder raus. Damit sie das können, bekommen sie Hilfe von Kameraden, wie Birte Solterbeck. Die 41-Jährige ist seit 17 Jahren Feuerwehrfrau in Heiligenstedten. Und seit neuestem engagiert sie sich als Peer (engl. Gleiche unter Gleichen) für die Psychosoziale Notfallversorgung für Feuerwehrleute im Kreis Steinburg. „Das gibt es schon länger. Nur keiner wusste davon“, erklärt sie und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Bei der Feuerwehr sind ja alles Männer.“ Dass die Feuerwehrseelsorge auch in Heiligenstedten genutzt wird, hat sie selbst angeregt. Seit 2013 sei die Fürsorge für die Seele nun fester Bestandteil ihrer Wehr.

„Wir schneiden die Leute raus, sie werden in Rettungswagen verpackt und sind weg“, beschreibt sie die Situation, mit der Feuerwehrleute umgehen können müssen. Wie es mit den Verunglückten weitergeht, wissen die Retter meist nicht. Solterbeck selbst weiß manchmal mehr als ihre Kameraden. Sie arbeitet teilzeit als leitende Arzthelferin für den kassenärztlichen Notdienst im Krankenhaus. Unterliegt jedoch der Schweigepflicht. Doch oft von Kameraden auf den Gesundheitszustand von Verunglückten angesprochen zu werden, hat ihr die Belastung für die Psyche bewusst gemacht. Sie weiß: Betroffen ist nicht nur der Helfer direkt am Opfer, sondern alle am Einsatz beteiligten vom Funker bis zum Kameraden, der die Straße absperrt. Sie alle werden in die seelsorgerischen Einsatznachbesprechungen eingebunden, die direkt im Anschluss an ein belastendes Ereignis und/ oder einige Tage später stattfinden. „Mithörer haben dort nichts zu suchen“, betont sie. Auch für die Zeitung wird keine Ausnahme gemacht. Wenn sie ans Werk geht, schließt sie vorher die Tür – Feuerwehrauto und Einsatzgerät bleiben draußen. In der Gruppe kann dann jeder aus seiner Sicht erzählen. Zunächst interessiert Solterbeck, wo jeder für sich im Einsatz positioniert war. So bekommt sie den „Hubschrauberblick“ über das Einsatzgeschehen. Sie fragt die Teilnehmenden: „Wie ging es dir dabei? Wie geht es dir jetzt?“ Das eigene Gefühl zuzulassen und im Körper verorten zu können, sei wichtig, um dann mit dem Einsatz abzuschließen. Oft ende eine Runde damit, sich gemeinsam als Mannschaft eine Belohnung zu suchen. Zum Beispiel ein Tag im Kletterpark.

Dass es nicht immer leicht ist, alte Bilder loszulassen, weiß Birte Solterbeck aus eigener Erfahrung. „Ich hab mal einen Verkehrsunfall mitgemacht. Wenn ich heute an der Stelle vorbei fahre, denke ich immernoch an diesen Einsatz“, berichtet sie von einem eigenen, prägenden Erlebnis, bei dem 18-Jährige Jugendliche verunglückt waren. Einen Kameraden habe es besonders geprägt, in einem brennenden Haus die gleichen Tapeten wie in der eigenen Wohnung zu sehen.

Die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern ist dennoch mit Begeisterung Feuerwehrfrau. Früher hat sie sich bei einem Einsatz zum „Kindertausch“ mit ihren Eltern im Gerätehaus getroffen. Mittlerweile wird sie von Lina (13) und Oke (11) voll unterstützt. „Einer kommt mit Jacke und Tasche, der andere mit den Schuhen“, erzählt sie. Zuletzt stand sie als Atemschutzträgerin beim Brand der Edendorfer Lagerhalle in der Warteschleife parat. Öfter als das Aufräumen, sei die Chance zu helfen.


>Kontakt: Feuerwehrseelsorge Kreis Steinburg, Tel. 04822/ 2026, E-Mail: kfv@iz.feuerwehrseelsorge-psu.sh, www.iz.feuerwehrseelsorge-psu.sh

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