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Auch der Sportminister kam zum Händeschütteln

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erstellt am 12.Aug.2013 | 03:59 Uhr

KELLINGHUSEN | Schnelle Worte der Superlative fallen, wenn die Mädchen der VfL- Fußballfrauenmannschaft über ihre Afrika-Reise berichten: "Cool, super, immer wieder gerne." Eben zurückgekehrt, stecken die Kreisliga-Kickerinnen schon wieder in blau-weißen Trikots und erwarten den Anpfiff auf heimischem Rasen.

Ausführlicher von der zweiwöchigen Tansania-Begegnung berichtet Anne Bahr. Eine Verletzung hält die 25-jährige vom Spielfeld fern. Allein über die fünf spannenden sportlichen Begegnungen in unterschiedlichen Landesteilen Tansanias könnte sie buchstark erzählen. Vom kräftezehrenden Fight mit spielstarken Nationalspierinnen in Daressalam, den streng muslimischen Fußballmädchen auf Sansibar und der Spielfreude der Schülerinnenauswahl in Mrimbo. Und natürlich von einem Riesenpaket anderer Eindrücke aus dem ostafrikanischen Land. "So viele gastfreundliche, offene Menschen - wir fühlten uns wie auf Händen getragen", schwärmt Bahr. Doch zurück zum Bahnhof in Wrist, wo für die Mannschaft und ihre Betreuer das Afrikaabenteuer startete.

Lediglich Reiseleiter und Rafiki-Chef Oliver Zantow sowie Trainer Marcus Wack galten als kundig, alle anderen hatten den Kontinent vor der von Bingo-Lotto und dem Kirchlichen Entwicklungsdienst (KED) geförderten Begegnung noch nicht betreten. Rund 30 Stunden später dann der Kontrast zur gewohnten Kleinstadtidylle: Ankunft in der Millionen-Metropole Daressalam am Indischen Ozean. Lärm, Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit schlugen den Schleswig-Holsteinerinnen entgegen. "An Wäschetrocknen war nicht zu denken," sagt Bahr. Den hohen Temperaturen des Regierungssitzes an der tansanischen Ostküste konnten die Kickerinnen mit regelmäßigen Sprüngen ins Wasser entfliehen. Ihr Hotel lag direkt an der Küste.

Nicht entkommen konnten sie im ersten Freundschaftsspiel dem starken Team der Sayari Queens mit sieben Nationalspielerinnen. Angesichts des fußballerischen Highlights war die 9:1-Niederlage aber kein Thema. Nach dem Spiel sahen sich die jungen Frauen von Fernseh- und Presseleuten umringt. Prompt entdeckten sie sich später im East African TV und in Printmedien wieder "Sogar in den Nachbarländern Ruanda und Kenia wurde über das Spiel berichtet", so Bahr. Gefeiert wurde der Auftritt auch als Premiere: Die Störstädterinnen traten als erste deutsche Frauenfußballmannschaft in Tansania gegen heimische Teams an.

Nicht nur bei den tansanischen Spielerinnen, die sie im Laufe der Reise kennen lernten, stellten die VfL-Frauen eine große Natürlichkeit und Herzlichkeit fest. Wo immer der Mannschaftsbus stoppte, wurden die "Wazunga" (Weißen) mit großen Interesse empfangen und konnten schnell vielfältige Kontakte knüpfen. Auf Sansibar bemühte sich sogar der Sportminister persönlich zum Händeschütteln. Auch in der deutschen Botschaft sowie in der Universität von Daressalam wurden die jungen Frauen und ihr Anliegen der Völkerverständigung und der Förderung des Frauen- und Mädchenfußballs mit offenen Armen willkommen geheißen. Respekt zollen die Kellinghusenerinnen den zum Teil hochklassig spielenden Afrikanerinnen. "Auch auf Plätzen mit kniehohem Gras wird mit großer Begeisterung gekickt", sagt Bahr. Tränen flossen, als sie einer Keeperin Handschuhe überließen.

Aus der fernen Heimat mitgebracht hatten die VfL-Mädels außerdem einen Koffer prall gefüllt mit Sportausrüstung. "Alles gebraucht, gespendet von Privatleuten vom VfL und vom SC Itzehoe." Neben der Stärkung des tansanischen Frauenfußballs blieb Zeit für Safarierlebnisse mit Rafiki-Vertreter Gilbert Towo. "Wir hatten Glück und haben hautnah Elefanten und sogar Geparden gesehen", schildert Bahr unvergessliche Tier- und Natureindrücke. "Zuhause" in Mrimbo besuchte die Mannschaft die Kiumako-Bildungseinrichtung, bestaunten den von Rafiki initiierten Schulbau und traten für das Projekt "Ein Baum für jeden Schüler" ein.

Auf einem kommunalen Gelände pflanzte jede der VfL-Sportlerinnen einen kleinen Baum. Gehegt und gepflegt werden die Gewächse zukünftig von den persönlichen tansanischen Patinnen. Zum Abschied wurde in Mrimbo mit dem Schmaus einer geräucherten Ziege groß Party gemacht - Anlass dazu bot außerdem das zehnjährige Bestehen der Rafiki-Partnerschaft. Für eine weitere Vertiefung der deutsch-tansanischen Freundschaft sorgen möglicherweise zwei VfL-Spielerinnen mit Interesse an Lehramts- und Verwaltungs-Praktika in den Bildungseinrichtungen in Mrimbo.

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