Deutschlands wohl ältester Organist : Auch am 100. Geburtstag an der Orgel

Walter Wieben – ein alter Pianist mit jungen Fingern,
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Walter Wieben – ein alter Pianist mit jungen Fingern,

Nach kurzer Krankheit sitzt in Oelixdorf Wilhelm Wieben wieder an seinem Instrument. Jetzt gab es vor einem staunenden Publikum sein Jahresabschlusskonzert. Wieben ist 99 Jahre alt, im April wird er 100.

shz.de von
21. November 2013, 17:12 Uhr

„Ich freue mich, dass ich trotz des hohen Alters immer noch musizieren darf“, sagte der 99-jährige Walter Wieben in seiner Begrüßung. Sein Konzert in der St. Martin-Kirche hatte der ehemalige Kantor und Organist unter das Motto gesetzt: „Bahnt einen Weg unserem Gott.“ Und so hieß auch eines seiner Klavierstücke, eine Komposition von Lothar Kosse in einer Bearbeitung von ProJoe. Zwischen Werken von Johann Sebastian Bach, Karl Philipp Emanuel Bach, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Georg Benda und Dieter Falk las Pastor Helmut Willkomm einfühlsame Texte. Ursula Gänzle, Ilse Gänzle und Annemarie Stoll, drei Damen aus Hohenlockstedt, unterstützten Walter Wieben mit vier Gesangseinlagen. Sie seien auf seinen besonderen Wunsch gekommen, erzählten sie; denn: „Er gibt jede Woche bei uns im Heim ein Klavierkonzert.“ Als Zugabe hatte sich Wieben für eine Komposition von Edvard Grieg entschieden: Hochzeitstag auf Troldhaugen. „Das habe ich früher mal gespielt. Ob ich es jetzt noch kann, weiß ich nicht.“ – Aber er konnte es! - Walter Wieben habe „die alte Musik mit jungen Fingern“ gespielt, so Pastor Willkomm in seinem Schlusswort. Dafür dankte das Publikum mit einem lange anhaltenden, herzlichen Applaus. Die Kollekte des Abends wurde zur Finanzierung eines Schulkonzeptes in Ghana erbeten, das durch die St. Martin-Gemeinde seit Jahren unterstützt wird.

„Fünf Minuten vor hundert gibt er noch ein Konzert“, staunte Elfi Horn-Boatey. Und mit ihr staunten auch die übrigen Besucher in der Oelixdorfer St. Martin-Kirche. Denn Walter Wieben erlitt im Februar einen Unfall, verbunden mit längerem Krankenlager. Monatelang fühlte er sich nicht mehr in der Lage, richtig Klavier zu spielen. „Aber seit einiger Zeit geht es wieder“, freut sich der ehemaligen Kantor und Organist, der am 6. April des nächsten Jahres sein 100. Lebensjahr vollendet. „Das ist ein Sonntag, da muss ich Orgel spielen“, lächelt er verschmitzt.

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