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Norddeutsche Rundschau

22. November 2017 | 13:52 Uhr

Soziales Jahr : Atemberaubendes Bolivien

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

4000 Meter über dem Meeresspiegel sind Ausflüge in die Salzwüste oder zum Titicacasee für Rieke Gripp aus Krempe eine echte Herausforderung.

Rieke Gripp (19) aus Krempe packte im September 2016 die Koffer, um ein freiwilliges soziales Jahr in einem bolivianischen Kinderhilfswerk zu absolvieren. In unregelmäßigen Abständen berichtet die Abiturientin des Glückstädter Detlefsengymnasiums nun über ihre Abenteuer aus Südamerika – dieses Mal über Ausflüge mit Atemnot.

Den meisten kommt bei dem Gedanken an Reisen in Südamerika als erstes Brasilien, Argentinien oder Peru in den Kopf. Aber auch in Bolivien gibt es tolle Reiseziele und vor allem viel unberührte Natur. Das Land ist etwa dreimal so groß wie Deutschland, hat aber achtmal weniger Einwohner.

Eine Station meines Jahresurlaubs war La Paz, Regierungssitz und inoffizielle Hauptstadt Boliviens. Die Stadt liegt knapp 4000 Meter über dem Meeresspiegel und ist sehr hügelig, weshalb ich die ersten Tage aufgrund des geringen Sauerstoffgehalts der Luft mit Kopfschmerzen und Atemnot zu kämpfen hatte. Von La Paz aus kann man schöne Tagesausflüge unternehmen, zum Beispiel nach Tiwanaku (wörtl. „Setz dich nieder, kleines Lama“), der wichtigsten Prä-Inka-Ausgrabungsstätte in Bolivien. Tiwanaku war einst ein Zentrum für Kultur und Religion und existiert seit 1500 vor Christus.

Von La Paz aus reiste ich zum Titicacasee, dem höchstgelegenen schiffbaren Gewässer der Welt, das zwischen Peru und Bolivien liegt. Der Name des Sees kommt ursprünglich aus der indigenen, in Bolivien noch weit verbreiteten Sprache Aymara von den Worten titi = Puma und kaka = grau. Am Titicacasee ist auch die bolivianische Marine angesiedelt, denn Bolivien verlor 1884 in einem Krieg gegen Chile 120  000 Quadratkilometer Land und damit den Meereszugang, hat dies aber noch immer nicht verwunden und hält daran fest, dass dieser ihnen zusteht. Deshalb ist die Marine eben auf dem Titicacasee stationiert.

Eine weitere historisch bedeutende Stadt Boliviens ist Potosí am Fuße des Berges Cerro Rico (Reicher Berg), dessen Silbervorkommen Potosí im frühen 17. Jahrhundert zu einer der größten Städte der Welt machte. Rund acht Millionen Zwangsarbeiter kamen in Potosí zu Tode, sie wurden trotz der dünnen Luft zu Schwerstarbeit unter riskanten Bedingungen angetrieben. Heute gibt es nur noch wenig Silber im Berg, trotzdem sind die meisten abhängig von der Arbeit in den Minen. Aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen und des niedrigen Technologie- und Sicherheitsniveaus liegt die Lebenserwartung der Arbeiter bei knapp 45 Jahren. Trotz eines Verbots arbeiten auch viele Kinder und Jugendliche in den Minen.

Das beliebteste Touristenziel in Bolivien war mein letzter Punkt auf der Reise: „Salar de Uyuni“. Der Salar ist mit 12  000 Quadratkilometern die größte Salzwüste der Welt. In der Regenzeit ist die bis zu 30 Meter dicke Salzkruste mit Wasser bedeckt, was sie zu einem riesigen Spiegel macht. In der Wüste gibt es weder Tiere noch Pflanzen, Ausnahme ist eine kleine „Insel“, auf der bis zu 120 Jahre alte Kakteen wachsen. Mit dem Jeep fuhren wir zu von Flamingos bewohnten Lagunen, heißen Quellen und Geysiren. Diese drei Tage in einer unbeschreiblichen Landschaft haben mich überzeugt, dass Bolivien eines der Länder ist, die man in Südamerika unbedingt bereist haben sollte.


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