Streit um Kreishaus : Asbest hinter Bollhardt’scher Fassade

Hinter diesen Mauern lauert die Asbestgefahr. Aus beschädigtem Wandputz können sich gefährliche Fasern lösen.
Hinter diesen Mauern lauert die Asbestgefahr. Aus beschädigtem Wandputz können sich gefährliche Fasern lösen.

Mitarbeiter dürfen keine Bilder mehr an die Wand hängen. Und: Um Kampf um ein mögliches Bürgerbegehren verordnet Kiel der Verwaltung Neutralität.

shz.de von
15. November 2013, 05:00 Uhr

Aus dem Kreishaus wird es künftig keine Empfehlung mehr gegen Unterschriften für das Bürgerbegehren zum Fassadenerhalt geben. Die Verwaltung reagiert damit auf entsprechende Hinweise aus dem Innenministerium. Hintergrund ist die in der Öffentlichkeit kritisierte Info-Kamapgne. Gemeinsam hatten Kreis und der gesamte Kreistag eine Maxi-Postkarte auf den Weg gebracht. Dort wird über die Pläne zum Verwaltungsneubau informiert – und, dass ein Erhalt alter Fassaden das ganze Projekt 2,3 Millionen Euro teurer mache. „Bitte unterschrieben Sie nicht!“ heißt die Empfehlung für die Steinburger.

Informieren dürfen Verwaltung und Politik, aber keine Abstimmungsempfehlungen geben, heißt es aus Kiel. „In amtlicher Eigenschaft dürfte das nicht zulässig sein“, so die wörtliche Auskunft aus der Landeshauptstadt. Der Kreis sei daher gebeten worden, „künftig von dem Aufruf abzusehen“.

Laut Kreisdezernent Dr. Friedrich Stork trägt man dem auch Rechnung. Der Aufruf werde von ausgehängten Plakaten entfernt – auch, so fügt er hinzu, wenn man durchaus auch anderer Rechtsauffassung sein könne. „Wir werden das akzeptieren.“

Ungemach ganz anderer Art droht derweil hinter der Fassade des Bollhardt’schen Gebäudes. Wie jetzt bekannt wurde, ist der alte Wandputz mit gefährlichen Asbeststoffen verseucht. Das war bei Stichproben für ein Schadstoffkataster entdeckt worden. Bei den Mitarbeitern hatte diese Nachricht zunächst offenbar auch für einige Verunsicherung gesorgt. Laut Dr. Friedrich Stork hätten aber Raummessungen ergeben, dass keinerlei Gefahr bestehe – solange man den Wandputz nicht anfasst. In einer hausinternen Mitteilung werden die Mitarbeiter denn auch darauf hingewiesen, dass „es unter keinen Umständen zu einer Beschädigung des Wandputzes kommen darf, da sonst Asbestfasern freigesetzt werden“. Wörtlich heißt es weiter: „Selbst ein Bild aufhängen muss zukünftig unterbleiben.“ Man darf also nicht einmal einen Nagel in die Wand schlagen. Alle Arbeiten müssten „unter erhöhtem Staubschutz erfolgen und nur nach Rücksprache mit dem Bauamt“. Dr. Stork bestätigt den Sachverhalt. Offenbar sei ein entsprechender Werkstoff früher eingesetzt worden. Er sieht darin einen der Gründe für Kostensteigerungen für das Kreishaus-Projekt. Sanierung oder Abriss könnten nur unter ganz besonderen Sicherheitsvorkehrungen erolgen. „Da kommt locker ein sechsstelliger Betrag zusammen.“

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