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Flüchtlinge : Arztpraxis im Torhaus der Kaserne

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Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Mediziner aus Glückstadt und Umgebung wollen Versorgung der Flüchtlinge sicherstellen. Tägliche Sprechstunden geplant.

Die ersten Flüchtlinge sollen demnächst in der ehemaligen Kaserne aufgenommen werden. Eines ist bereits organisiert: Die ärztliche Versorgung übernehmen Ärzte aus Glückstadt, Wewelsfleth und Herzhorn. Die Organisation liegt in den Händen des niedergelassenen Arztes Hans-Christoph von Zezschwitz und Michaela Haack vom Klinikum Itzehoe. Sie ist zuständig für Arzthelferinnen, die in Glückstadt aushelfen sollen.

Der Ärztliche Direktor des Klinikums Itzehoe, Dr. Michael Kappus, hatte die Ärzte am Dienstagabend über die Rahmenbedingungen informiert. Und er hatte in dem Gespräch klar dargelegt, dass das Klinikum Itzehoe die Hilfe der niedergelassenen Mediziner braucht. Denn vom Klinikum werden bereits die Einrichtungen in Kellinghusen und Itzehoe mit betreut. „Deshalb sind wir in der freiwilligen Pflicht“, sagt Hans-Christoph von Zezschwitz. „Zwei Drittel der Sprechstunden können wir abdecken“, sagt er zu dem freiwilligen Engagement der niedergelassenen Ärzte. Hilfe haben auch bereits Mediziner zugesagt, die bereits im Ruhestand sind. Unter ihnen sind neben anderen auch die ehemalige Glückstädter Klinik-Chefin Sibylle Lindenberg, der Kremperheider Allgemeinmediziner Burghard Hoffmann, der Glückstädter Kinderarzt Reinhard Hetzer und Christian Kramm-Freydag aus Herzhorn.

Im Torhaus der Kasernenanlage soll jetzt eine Arztpraxis eingerichtet werden. Geplant ist zunächst, dass die Sprechstunden täglich am Nachmittag stattfinden. „Auch am Sonntag, damit die Patienten nicht ungezielt ins Krankenhaus gehen“, erklärt von Zezschwitz.

Zum einen geht es um die Behandlung von akuten Fällen, zum anderen um Erstuntersuchungen. Letztere werden einen großen Teil ausmachen, sagt Internist und Hausarzt Klaus Heinrich Heger. Neben der Untersuchung auf ansteckende Krankheiten gehe es auch darum, die Menschen zu impfen. „Ein Röntgengerät wird von der Bundeswehr bereit gestellt“, sagt Heger.

Was ein Problem sei, so der Glückstädter, sei die Dokumentation der Krankheiten, die weitergegeben werden müsste. Dies werde noch geklärt. Er selbst hat als Arzt bereits in der Landesunterkunft in Kellinghusen ausgeholfen als dort die ersten Flüchtlinge kamen.

Ein weiteres Problem, das von Zezschwitz anspricht: Es gab bisher zu wenig Unterstützung von Ministerien und Behörden. Dies habe Michael Kappus bei dem Ärztetreffen angesprochen. Er habe gesagt, dass es ohne das hohe Engagement der ehrenamtlichen Helfer bisher nicht hätte laufen können. Für von Zezschwitz ist klar: „Wir müssen es gemeinsam anfassen.“ Und es sei ein hohes Maß an Flexibilität erforderlich.

Einer der ersten, der sich bereit erklärte zu helfen, ist der Glückstädter Hautarzt Stefan Schröpfer. Denn zum Beispiel sei die ansteckende Krätze ein Problem. „Die Hautmilben kursieren auch bei unseren jungen Leuten.“ Meist werden sie über die Benutzung von Betten übertragen. „Krätze ist typisch für Massenunterkünfte“, weiß Schröpfer. Auch sei Tuberkulose ein Thema.

Stefan Schröpfer kennt die Räume der Kaserne. Er war dort von 1982 bis 1985 als Truppenarzt bei der Marine tätig. „Mir tun die Menschen einfach leid“, sagt er zu seiner Motivation zu helfen.

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erstellt am 15.Okt.2015 | 08:00 Uhr

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