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„Argumentieren haben wir schon mal drauf“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Aufgeregt arbeiten sich nach und nach die Schüler der 10b aus der Gemeinschaftsschule Wilster in den Konferenzsaal der Grundschule und haben Großes vor. Als sie den Saal betreten, bricht nicht gerade Erleichterung aus: Rund zwanzig Referendare sitzen erwartungsvoll am Rand des Raumes, um dem Geschehen zuzusehen.

„Hier muss die Ökologische Partei sitzen!“ Alles ist genau durchgeplant, denn nichts soll schief gehen. Geplant ist ein Planspiel von Rainer Papke, das möglichst realitätsnah eine Debatte nachahmen soll, um den Schülern zu zeigen, wie z.B eine Stadtratssitzung verlaufen könnte.

Schon Tage vorher bereiteten sich die Schüler auf ein Thema vor, gründeten Parteien und entwickelten Argumente, sogar ein Bürgermeister wurde gewählt. Dass das Thema „Skaterpark in Wilster zum Wirtschaftsaufschwung“ genug Diskussionsstoff bietet, wird schon in den ersten Minuten der Debatte klar.

Die drei Parteien, die sich als die Ökologische Partei, die Soziale Partei und die Freie Union präsentierten, bringen von Anfang an gut durchdachte Argumente. „Wilster würde wieder aufleben und mehr Touristen anziehen“ „Aber wie soll das finanziert werden?“

Direkt nachdem der Fraktionssitzende jeder Partei allgemein zum Thema Stellung genommen hat, beginnt die lebhafte Diskussion der Schüler. Bringt eine Partei ein Argument, so versucht die andere sofort dieses wieder zu entkräften. Jedem fällt auf, wie gelassen die Schüler nach und nach werden. Nachdem die anfängliche Zögerlichkeit von den Schülern gefallen ist, wird eine freie und mutige Diskussion geführt. Alle sind angeregt, etwas zur Debatte beizutragen. Anhand der Mimik der Zuschauer wird deutlich, dass sie Gefallen an dem Schauspiel finden.

Ein Argument der Freien Union bringt Belustigung in die Runde. Ein Mitglied sagt, durch den Skaterpark würden mehr Jugendliche nach Wilster gelockt und aufgrund der Empörung der Ökologischen Partei fügt er ergänzend hinzu: „Nein, wir wollen keine Senioren vertreiben!“ Die Luft geht aus der Debatte scheinbar nicht raus, denn die Beiträge der Partei werden immer hitziger. Auch der Bürgermeister, der während der ganzen Debatte absolut sicher und authentisch das Geschehen leitet, bringt Kommentare, die zur weiteren Diskussion anregen, aber auch zum Schmunzeln veranlassen. Mit den Worten „das ganze Leben ist ein Kompromiss“ verkündet er dem Saal eine Moral, die die Gemüter noch gelassener macht.

Am Ende der Debatte will jedoch die Mehrheit keinen Kompromiss, der Antrag wird abgelehnt. Das Hauptargument ist, dass sich Wilster nur weiter verschulden würde. Auch jetzt fällt noch auf, wie sehr sich die Schüler in die Rolle hinein versetzten. „Das war gelebte Fraktionsdisziplin!“, so ein Beobachter. Auch die positive Rückmeldung, direkt nach der Debatte vom Redakteur Volker Mehmel lässt die Schüler erstrahlen: „Wenn jede Stadtratssitzung so ablaufen würde, wäre ich froh.“ Und er betont nochmal, dass er schon bei vielen dabei war, dass er das zurecht behaupten kann. Stolz geht die 10b nun zurück zur Schule.

Auch von Rainer Papke, der das Planspiel für den Wirtschaft-Politik-Unterricht, aber auch für die Referendare in die Wege leitete, gibt es am nächsten Tag erfreuliche Worte zu hören: „Ein größeres Erfolgserlebnis kann ein Lehrer nicht haben!“ Das bestätigt nochmals alle Schüler, dass es gut ist, aus sich raus zu kommen und die Vorbereitung sich gelohnt hat.

Die Frage, was er sich bei dem Planspiel erhoffte, beantwortet er mit den Worten: „Euklid hat Recht, wenn er sagt ,Lehrer sollten nicht Fässer abfüllen, sondern Feuer entfachen!’“. Durch das Planspiel gehen beim Schüler Berührungsängste zur Politik verloren, was auch die Schüler bestätigen: „ Was bringt es uns, stur auswendig zu lernen, wenn wir nicht durch Erfahrung verstehen, wie es im wirklichen Leben abläuft?“ Das größte Ziel des WiPo-Unterrichts in etwas anderer Form ist es, Schüler dazu anzuregen, sich auch im späteren Leben mutig an der Politik zu beteiligen. „Also argumentieren haben wir auf jeden Fall schon drauf!“ finden die Schüler, die das Planspiel positiv in Erinnerung behalten werden.

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erstellt am 19.Feb.2015 | 18:01 Uhr

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