Archiv in Itzehoe : Archiv mit wertvollen Urkunden

Die Stapelrechtsurkunde von 1260 ist an eine großformatige Bestätigungsurkunde des dänischen Königs aus dem 17. Jahrhundert geheftet. Hier zeigt Archivleiterin Kirsten Puymann eine originalgetreue Reproduktion.  Fotos:Albrod
1 von 2
Die Stapelrechtsurkunde von 1260 ist an eine großformatige Bestätigungsurkunde des dänischen Königs aus dem 17. Jahrhundert geheftet. Hier zeigt Archivleiterin Kirsten Puymann eine originalgetreue Reproduktion. Fotos:Albrod

Das gemeinsame Archiv der Stadt Itzehoe und des Kreise Steinburg bewahrt Akten aus mehreren Jahrhunderten auf.

shz.de von
12. Oktober 2018, 16:24 Uhr

Die Spuren des Archivs des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe reichen bis nach Amerika: Dort hat die Glaubensgemeinschaft der Mormonen ihren Sitz, die mit dem „Family-Se-arch“-Katalog“ eine Datenbank im Internet geschaffen hat, in der Angaben zu Familien weltweit eingestellt sind. Dort sind – streng nach gesetzlichen Vorgaben – auch die Daten aus den Personenstandsunterlagen aus dem Kreis Steinburg zu finden. „Wir konnten 2010 die Zweitbücher der Standesämter im Kreis übernehmen“, erläutert Kirsten Puymann, die seit Bildung des Gemeinschafts-Archivs 1985 für die Bestände zuständig ist. „Als die Mormonen anfragten, haben wir nach vorheriger Prüfung zugestimmt.“ Ein halbes Jahr lang hat ein Ehepaar aus Utah über 170 000 Aufnahmen von den Geburts-, Heirats- und Todeseinträgen gemacht, die seit diesem Jahr im Internet stehen. „Seither haben Anfragen zur Familienforschung vor allem aus dem Ausland stark zugenommen.“


Wertvolle Urkunden

Die geschichtliche Sammlung besteht aus zwei Bereichen: dem Stadtarchiv Itzehoe und dem Kreisarchiv Steinburg. Das Itzehoer Stadtarchiv lässt sich bereits seit dem Jahr 1525 nachweisen. Das erste Mal geordnet wurde dieser Bestand Mitte des 18. Jahrhunderts. „Dafür“, so Kirsten Puymann, „waren traditionell Lehrer zuständig.“

Zu den ältesten Dokumenten, die sich im Stadtarchiv befinden, gehören die Stadtgründungsurkunde von 1238 und die Stapelrechtsurkunde aus dem Jahr 1260, die der Stadt Itzehoe ein Vorkaufsrecht bei den Waren einräumte, die störaufwärts transportiert wurden. Im Stadtarchiv liegen ein wertvoller Urkundenbestand von 1238 bis 1400 und die Unterlagen der Stadtverwaltung ab dem 17. Jahrhundert.

Die Geschichte des Kreisarchivs ist wesentlich jünger. Sie beginnt im Jahr 1958. Auch hier war es ein Lehrer, der ehrenamtlich die Akten betreute. „Es ist beeindruckend, was er alles gesammelt hat“, so die Archivleiterin. „Er hat viele Überlieferungen aus den Schulen und die Gemeindeakten aus dem gesamten Kreisgebiet gesammelt und so die Grundlage des Kreisarchivs geschaffen“, sagt Puymann. Die Schulunterlagen bilden einen umfangreichen Bestand, aus dem sich seit dem 18. Jahrhundert die Anfänge der Schulen auf den Dörfern ablesen lassen. „Dazu kommen die Schulchroniken, die immer auch auf die Umstände der Zeit und das Leben im alten Dorf eingehen.“

Das gemeinsame Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe ist im Historischen Rathaus am Marktplatz untergebracht.
Das gemeinsame Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe ist im Historischen Rathaus am Marktplatz untergebracht.

Neben der Überlieferung aus den kommunalen Verwaltungen des Amtes Steinburg und des Kreises Steinburg werden hier die Unterlagen des Kreises ab 1950 aufgehoben, ergänzt um Sammlungen von Schulen, Gilden, Deich- und Sielverbänden oder von Privatleuten.


Schatzsuche auf dem Dachboden

„Private Sammlungen sind das Extra, das die Archive zusätzlich zu den Informationen aus den Verwaltungsakten mit Leben füllt“, erklärt Puymann. Hier ist das Industriearchiv des einstigen Zementwerks Alsen in Itzehoe, das 1982 stillgelegt wurde, ein Beispiel. „Ich habe ehemalige Arbeiter der Fabrik zu ihrer Geschichte befragt, dabei gab es interessante Ergebnisse.“ Aber auch Poesiealben, Plakate oder Zeitungsbestände, die auf Mikrofilm vorliegen liefern Geschichte. Eine schöne Ergänzung ist auch das Familienarchiv einer regionalen Kapitäns-Dynastie oder die Sammlung des Itzehoer Fotografen Arthur Zachger von 1940 bis 1970. Die Archivleiterin ist auch schon selber fündig geworden. Als sie eine Anfrage zu dem ehemaligen Erziehungsheim Schloss Heiligenstedten bekam, fand sich der Bestand des Kreisgesundheitsamtes von 1933 bis 1945, der später wissenschaftlich aufgearbeitet wurde, auf einem Dachboden. Neben der Mitarbeit an dem jährlich erscheinenden Steinburger Jahrbuch des Heimatverbandes des Kreises Steinburg hat sie zu unterschiedlichen Veröffentlichungen recherchiert, so zur ersten Ärztin des Kreises Steinburg oder zur Herkunft der weiblichen Straßennamen im Kreis.

Vielfältige Öffentlichkeitsarbeit

Kirsten Puymann sieht es auch als Aufgabe des Archivs, Daten und Fakten aus den Archivdokumenten für die Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen und so das Image der Archive zu entstauben. Als Geschenk zu Jubiläen oder Geburtstagen bietet das Archiv Zeitungsseiten aus diversen Zeitungen an, die in eigens angefertigter Zeitungsleiste überreicht werden können. Ein Stadtplan von Itzehoe zeigt auf der Rückseite die historische Stadtanlage, es gibt Kalender mit historischen Fotos, Ansichtskarten zu bekannten regionalen Persönlichkeiten und viele Veröffentlichungen, die auch in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Itzehoer Geschichte entstehen.

Schüler werden in einer Kooperation zwischen Archiv und Schule mit einer Mittelalter-Rallye in die Geschichte ihrer Stadt geschickt, die sowohl im Archiv mit geeigneten Materialien unterlegt ist als auch mit Besuchen an historischen Stätten untermauert wird. „Schon Kinder sehen auf diese Weise, dass Geschichte erlebbar ist“, sagt Puymann.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen