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Norddeutsche Rundschau

20. September 2017 | 05:53 Uhr

Arbeiten hinter Gittern

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mit 26 Mitarbeitern ist die Justizvollzugsanstalt Itzehoe die kleinste des Landes – für Beamte wie für Häftlinge eine besondere Situation

shz.de von
erstellt am 01.Jun.2017 | 05:00 Uhr

Hinter den Mauern sitzen Diebe und Betrüger, Räuber und Gewalttäter. Ganz unscheinbar liegt sie da, zwischen Polizei-Hochhaus und Amtsgericht: An der Bergstraße in Itzehoe befindet sich die kleinste Justizvollzugsanstalt (JVA) Schleswig-Holsteins. Selbst einigen Itzehoern ist nicht bewusst, dass sich in ihrer Stadt ein Gefängnis befindet – das mit seiner mehr als 140-jährigen Geschichte zudem das älteste im Land ist. „Viele haben vielleicht auch deswegen den Beruf im Strafvollzug gar nicht auf dem Zettel“, vermutet Verena Serger, Leiterin der JVA Itzehoe. Wenn es Vorstellungsgespräche mit potenziellen Berufsanfängern im Vollzugsdienst gibt, kämen diese oftmals von weiter weg.

Ähnlich ging es auch Sven Petersen. „Früher wusste ich selbst nicht, dass es bei uns eine Justizvollzugsanstalt gibt“, sagt der gebürtige Itzehoer. Inzwischen arbeitet der 39-Jährige seit mehr als zehn Jahren an der Bergstraße 5 – „und das gern“, wie er betont. Während die beiden größten Gefängnisse im Land fast 600 (JVA Neumünster) beziehungsweise 400 Haftplätze (JVA Lübeck) haben, so geht es in Itzehoe mit 32 Plätzen vergleichsweise familiär zu. „Jeder bekommt von allem sehr viel mehr mit“, sagt Verena Serger.

Die 36-Jährige hat vor knapp neun Jahren die Leitung der JVA Itzehoe übernommen. Zuvor war sie in Lübeck,  kennt deswegen die Unterschiede zwischen den unterschiedlich großen Gefängnissen besonders gut. Beispielsweise seien die Besuchstermine für alle Beteiligten in Itzehoe deutlich angenehmer, sagt sie. Während es in größeren Gefängnissen oftmals Räume gibt, in denen mehrere Häftlinge nebeneinander Besuch empfangen, ist es in Itzehoe nur ein Gefangener zurzeit. „Gerade für Kinder ist das schöner, sie nehmen das hier gar nicht als Gefängnis wahr.“

Außerdem sei die Itzehoer JVA für ihr gutes Essen bekannt. Anderswo müssen sich die Gefangenen zu Beginn ihrer Haft für Wurst oder Käse zum Frühstück entscheiden – in Itzehoe können sie jeden Tag aussuchen, was sie essen möchten. „Diese Wahlmöglichkeit ist schon ein Luxus hier. Dadurch fliegt aber auch nicht so viel aus dem Fenster.“

Viele Häftlinge wollen deswegen auch gern im kleinsten Gefängnis des Landes bleiben – auch wenn der Platz natürlich begrenzt ist. Von den 32 Haftplätzen – seit 1966 sind ausschließlich Männer in der JVA Itzehoe untergebracht – sind 28 Untersuchungs- und vier Strafhaftplätze. Die meisten Insassen werden also nach einigen Wochen wieder verlegt, bei den restlichen wird genau ausgewählt, wer hineinpasst. Eine Ausbildung oder ein Schulabschluss können Häftlinge in Itzehoe nicht machen. Wer aber bereit ist anzupacken, der hat auch größere Chancen: Arbeitskraft – in der Küche, in der Kleiderkammer oder sonstiges handwerkliches Geschick – können immer gebraucht werden.

Auch für die Mitarbeiter bringt die Tätigkeit an der JVA Itzehoe einige Besonderheiten mit sich. „Im Prinzip ist der Job zwar überall gleich“, sagt Sven Petersen. Nur übernimmt hier jeder Mitarbeiter auch mal die Aufgabe eines anderen. „Jeder muss hier alles machen können, dadurch ist kein Tag gleich.“

Nur für die Gefangenen wird versucht, möglichst viel Routine in den Alltag zu bringen. „Geregelte Abläufe sind auch Teil der Resozialisierung“, sagt Petersen. Um 7 Uhr wird geweckt und die obligatorische Lebendkontrolle durchgeführt. Gefrühstückt wird in der Zelle, anschließend gibt es Zeit für Sport sowie eine Freistunde im Hof. Zwischendurch wird gearbeitet und es besteht die Möglichkeit, Besuch zu empfangen oder mit dem Anwalt zu sprechen. Das Mittagessen wird um 11.30 Uhr wieder im Haftraum eingenommen, Abendessen um 16.30 Uhr. Davor oder danach besteht außerdem die Möglichkeit, Mithäftlinge zu treffen – beispielsweise, um ein Fußballspiel im Fernsehen zu sehen. Ab 20.30 Uhr geht es zurück in die Zelle. Und jede Tätigkeit wird zwischendurch von den Mitarbeitern der JVA begleitet. „Deswegen sind auch die Begriffe Schließer und Wärter unpassend“, sagt Verena Serger. „Es gehört heute so viel mehr zum Job dazu.“

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