Arbeit in der Apotheke: "Bunt und hochspannend"

Ruhige Hand gefragt: Stefanie Müller prüft eine Flüssigkeit mit Hilfe von Becher- und Reagenzglas. Foto: fotos: hinz
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Ruhige Hand gefragt: Stefanie Müller prüft eine Flüssigkeit mit Hilfe von Becher- und Reagenzglas. Foto: fotos: hinz

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19. Januar 2011, 11:31 Uhr

Itzehoe | In unserer Serie stellen wir Menschen an ihrem Arbeitsplatz vor und erklären, was zu ihren Aufgaben gehört und wie man den Beruf erlernen kann. Heute: Die Apothekerin.

Die "Wohlfühl-Apotheke" im Itzehoer Holstein-Center von Anja Möller (43) befindet sich auf dem neuesten Stand der Technik. Bei der Apothekerin gehen neben dem pharmazeutischen Fachwissen auch kaufmännische und logistische Tätigkeiten Hand in Hand. In ihrer Apotheke befindet sich auch der in Itzehoe einzigartige "Kommissionierautomat" mit dem Namen "Mach 4", mit dem hinter den Kulissen vor allem die verschreibungspflichtigen Arzneimittel überwacht und in kürzester Zeit für den Kunden verfügbar gemacht werden.

"Ich habe ihn 2006 eingeführt und das nicht eine Sekunde lang bereut", sagt sie. Denn 20 Prozent der Arbeitszeit seien vorher durch das Laufen der Mitarbeiter zur Schublade verbraucht worden. Nun wird dies computergesteuert. "Wir gehen nicht mehr vom Kunden weg, was eine bessere Beratung ermöglicht." Es werden nur noch die ersten paar Buchstaben des Medikaments in den Computer eingegeben. Es folgt eine Liste mit in Frage kommenden Präparaten in den vorrätigen Größen und Mengen. "Dann müssen wir das Medikament nur noch anklicken." Ein Greifarm holt das Medikament aus seinem Fach und wirft es durch einen Schacht in die Ausgabe. "Aus der Ausgabe brauchen wir es dann nur noch herauszunehmen und dem Kunden zu überreichen." Das dauert 45 Sekunden. Der Automat kann bis zu 10 000 Packungen erfassen. Er hat sie zuvor eingescannt, und anhand des Strichcodes weiß er, wo sie liegen. "Das ist ein schöneres Arbeiten für alle Beteiligten, das Ressourcen einspart."

Statt Schubladen zu befüllen, können sich die Angestellten nun den Kunden widmen. Statt 20 Schubladensäulen gibt es nur noch zwei für die größeren Packungen, die nicht in die Greifarm-Vorrichtung hinein passen. Nur einen Wunsch hätte die Apothekerin jetzt noch: "Es wäre noch besser mit einem elektronischen Rezept."

Dass eine Apotheke nicht einfach nur Medikamente abgibt, sondern im Zusammenwirken unterschiedlicher fachlicher Bereiche erfolgreich ist, lässt sich hier gut darstellen. Mitarbeiter in drei Sparten führen in ihrer Apotheke die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder zusammen. Die Inhaberin hat in Regensburg Pharmazie studiert. Mit dem Schwerpunkt Naturheilkunde führt sie ihr Geschäft nun bereits seit zehn Jahren. Apothekerin zu sein, sei eine hochspannende Angelegenheit, findet sie, denn sie gehe in ihrer Leitungsfunktion auch mit stark wirksamen Medikamenten um, habe für die Arzneimittelsicherheit zu sorgen, trage Verantwortung für Patienten und Mitarbeiter und ist zugleich Vollkauffrau. "Ich treffe in meiner übergeordneten Funktion die schwierigen Entscheidungen, ich schule meine Mitarbeiter, und manchmal gibt es Grenzfälle zu entscheiden." Durch Abwägen mit Fachwissen und Menschenverstand könne sie Leben retten, und das sei auch schon mehrmals geschehen. Das Interessante an dem Beruf sei aber, "dass er so bunt ist, dass wir auf vielen Feldern agieren, die zur Gesunderhaltung dienen. Das menschliche Miteinander macht am meisten Spaß."

Außer Anja Möller gibt es noch weitere approbierte Apotheker, Pharmazeutisch-Technische Assistenten (PTA), Pharmazeutisch-Kaufmännische Angestellte (PKA) sowie einen Azubi. Die Warenwirtschaft wird von der Chefin selbst und dem kaufmännischen Zweig der Angestellten gewährleistet, die die gesamte Ware kalkulieren müssen. "Wir prüfen, was eingekauft werden muss, woher wir es beziehen und wie wir es erhalten, aber auch was herausgeht und wie viel es ist." Außerdem legt sie viel Wert auf Innovationen, besucht dafür auch Messen. "Ich frage mich permanent: Was gibt es Neues, und wie kann ich es in unserem Sortiment unterbringen?", beschreibt sie.

Ein weiteres Feld ist die Warenpräsentation, die Frage, wie Verkaufsraum und Schaufenster aussehen sollen. "Das ist saisonal bedingt unterschiedlich." So bestimmen Erkältungspräparate im Winter, Sonnencreme und Allergiemittel im Sommer das Bild. "Zur Weihnachtszeit stehen Wellness- und Körperpflege-Produkte sowie Geschenkartikel im Mittelpunkt."

Die Pharmazeutisch-Technischen Angestellten (PTA) sind hingegen wissenschaftlich ausgebildete Fachkräfte, die sich bei den Arzneimitteln gut auskennen. "Sie führen beispielsweise die Eingangsprüfung durch", erklärt die Chefin. Stoffe, die die Apotheke weiter verarbeitet, seien zwar schon vom Zentrallabor überprüft worden, aber: "Wir prüfen sie noch einmal: Ist es wirklich Calciumchlorid? Und ist Kamille tatsächlich im Tee enthalten?" Für den nötigen chemischen Test hat die Apotheke ein eigenes Labor. "Ein Dioxinskandal wäre hier kaum möglich." So werden mit den geprüften Stoffen die Rezepturen angefertigt, die der Arzt verschrieben hat, es werden Salben angerührt mit einem automatischen Gerät oder auch per Hand. Einen großen Teil bilden Eigenrezepturen, die gemäß ihrem Schwerpunkt aromatherapeutisch wirken können oder aus individueller Kosmetik bestehen, die hier ohne Mineralöle, Konservierungsstoffe oder Emulgatoren auskommt. "Das ist natürlicher, verträglicher und speziell an die Bedürfnisse angepasst." Naturmedizin aus ätherischen Ölen herzustellen und auch ein bisschen alchimistisch zu wirken, sei ja der ureigenste Job des Apothekers, so Anja Möller. Die Mitarbeiter könnten auch prüfen, ob ein Kunde dringend zum Arzt müsse. "Wir können Blutzucker, Blutdruck und Cholesterin messen, die uns Anhaltspunkte geben."

Zusätzlich zum herkömmlichen Angebot hat sie weitere Schwerpunkte herausgebildet: Haut, Kosmetik und Schönheit, Prävention und Wellness fließen in ihr Angebot ein. "Wir beraten entsprechend und aktualisieren unser Sortiment ständig."

Auch Fettreduktion mit Ultraschall werde bei ihr angeboten. "Ich bin gerne modern aufgestellt, weil ich Spaß habe, neue Dinge zu entdecken." Demnächst ist Anja Möller neben ihrem Apothekerinnendasein noch in einer weiteren Mission unterwegs: "Ich habe eine einjährige Ausbildung als ,Glücks-Coach absolviert und werde ab jetzt das Glück lehren."

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