Appetit auf regionales Gemüse wecken

Erklärt die eigens für ihn angefertigte, bodenschonende Technik seines Traktors: Peter-Hermann-Hinrichs (re.).
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Erklärt die eigens für ihn angefertigte, bodenschonende Technik seines Traktors: Peter-Hermann-Hinrichs (re.).

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27. August 2010, 07:48 Uhr

Schmedeswurth | Seit 1770 ist der Hinrichs-Hof in Schmedeswurth in Familienbesitz. Gestern besuchte Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf den bäuerlichen Betreib, um sich über den Gemüseanbau und die Direktvermarktung eines großen Teils der Erzeugnisse über den Hofladen zu informieren. Der Hof ist einer von zehn vergleichbaren Betrieben in Dithmarschen. Hintergrund für das Interesse der Ministerin: Anke und Peter Hermann Hinrichs beteiligen sich an der Aktion "feinheimisch", bei der es um Werbung für regionale Erzeugnisse geht. Darüber wurde am Nachmittag im St. Michler "Landhaus Gardels" diskutiert.

"Der Verbraucher soll erkennen, was es an regionaler Qualität gibt", erklärte Rumpf die Kampagne "feinheimisch". Zugleich stellte sie fest, dass der Gemüseverzehr rückläufig sei. Am Geldbeutel des Konsumenten könne das nicht liegen, so die Politikerin. Gemüse sei nach wie vor ein preiswertes Nahrungsmittel. Und vor allem gesund.

Dies ist auch ein wichtiger Faktor bei der Produktion von Kartoffeln, Möhren, Kohl und anderen Gemüsen auf dem Hof im Marner Nachbarort. Peter-Hermann Hinrichs setzt nicht auf Riesenerträge, sondern baut seine Erzeugnisse auf vergleichsweise übersichtlichen Parzellen an - immer so viel, wie sich auch verkaufen lässt. Was gerade angeboten wird über den Großhandel und den Hofladen, über den inzwischen ein Drittel abgesetzt wird, gibt die Saison vor. Hinrichs ist kein Bio-Bauer, aber dicht dran. Er befasst sich mit Erkenntnissen von Greenpeace, setzt Dünger ein, der auch im vollbiologischen Anbau verwendet wird, und Pflanzenschutzmittel da, wo es nötig ist. Und er sagt: "Man sollte auch mal zurückblicken, gucken, was die Älteren gemacht haben." Das sei ja nicht grundsätzlich falsch gewesen. "Wir verfügen heute in der Landwirtschaft über gute technische Möglichkeiten", betont er. Zuweilen entwickelt der Schmedeswurther Landwirt auch eigene Ideen, etwa wenn es um Ausstattung für seinen Trecker geht, die er beim Hersteller nicht bekommt. GPS-Steuerung und andere Dinge seien sicherlich gut, so Hinrichs, aber erstmal gehe es um den Anbau, die Verantwortung auch für den Boden. So reduziert er den Reifendruck und hat sich ein spezielles Geschirr anfertigen lassen, um auf dem Acker das Erdreich so schonend wie möglich zu behandeln. Denn ihm komme es nach der Ernte besonders auf eines an: "Qualität und guter Geschmack."

Ein Ziel, das Juliane Rumpf gefällt: "Ich finde es toll, dass die Vielfalt, die Sie anbieten, auch angenommen wird und sich die Mühe lohnt." Den Hinrichs-Hof an der B5 bezeichnete sie als "Musterbetrieb". Denn er zeige, dass sich der Aufwand lohne, so zu arbeiten. "Das begreifen inzwischen Viele", erklärte Rumpf, "gerade im Verbund mit dem Direktvertrieb."

Um den kümmert sich in dem Familienunternehmen Anke Hinrichs. Angefangen habe alles vor 23 Jahren mit einer Kohlkiste an der Hofeinfahrt, in der einiges Gemüse angeboten wurde, berichtet sie. Vor rund zehn Jahren fiel der Entschluss, den Pferdestall zum Laden umzubauen. Dort werden neben den eigenen Erzeugnissen auch fremde Produkte angeboten: Schinken etwa, Eier oder Äpfel. Aber alles, betont Peter-Hermann Hinrichs nur von Erzeugern, die man persönlich kenne. So dass auch hier der Verbraucher auf die einwandfreie Qualität vertrauen könne.

Ein Verbundsystem, das die Ministerin als sinnvoll bezeichnete: "Diese Zusammenarbeit von Hofläden wollen wir stärken."

Gestärkt werden solle auch die Werbung für regionale Erzeugnisse. Ein gutes Beispiel dafür seien neben der "Genusspartie Schleswig-Holstein" auch Veranstaltungen wie die Dithmarscher Kohltage. Der Verbraucher bevorzuge regionale Produkte, die sich unter dem Dach des "made in Schleswig-Holstein" auch touristisch vermarkten ließen. Hier bestehe noch großes Potenzial.

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