zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 20:56 Uhr

Prozess : Appelle an einen Serien-Einbrecher

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Einbrüche bei Apotheken, einem Gasthof und einem Pizzadienst. Dafür muss ein 41-jähriger Itzehoer jetzt ins Gefängnis – und soll in dieser Zeit Hilfsangebote nutzen.

von
erstellt am 06.Sep.2013 | 05:00 Uhr

Als er zwölf Jahre alt war, musste der Itzehoer ins Heim. Seinen Eltern war das Sorgerecht entzogen worden. Nun ist er 41 – doch viel besser ist sein Leben seither nicht geworden. Nach einer Serie von Einbrüchen hat das Amtsgericht ihn nun erneut hinter Gitter geschickt.

Die Taten beging er zwischen Ende März und Ende Mai dieses Jahres. Mit Steinen schlug er Scheiben ein an einer Apotheke in der Viktoriastraße, einer Gaststätte am Bahnhof, einem Pizzadienst am Dithmarscher Platz und einer Apotheke im Oelmühlengang. Die Beute: Geld, insgesamt rund 550 Euro, in einem Fall soll der Angeklagte auch eine Packung Viagra mitgenommen haben, was er abstritt. Hinzu kam die Unterschlagung eines hochwertigen Samsung-Handys, gefunden im Prinzeßhofpark.

Der 41-Jährige gab die Taten zu: Er sei wegen Drogen- und Alkoholkonsums in Geldnot gewesen. Ob er immer sein Taschenmesser dabei gehabt habe, wisse er nicht. So lautete die Anklage, die Strafdrohung ist dann höher. Deshalb plädierte Staatsanwalt Dr. Jan-Hendrik Schwitters für dreieinhalb Jahre Haft. Verteidiger Urs-Erdmann Pause verwies darauf, dass das Gesetz eigens für das weniger gefährliche Schweizer Taschenmesser einen minder schweren Fall vorsehe. Das Schöffengericht schloss sich an. Urteil: zwei Jahre Haft.

Direkt nach dem letzten Einbruch im Oelmühlengang am 29. Mai, den die Alarmanlage beendet hatte, war der Itzehoer geschnappt worden. Er hatte in der Apotheke ein Schreiben mit seiner Adresse in der Brunnenstraße verloren, an den anderen Tatorten hatte er Blutspuren hinterlassen. Ein Hilfeschrei?, fragte sich der Vorsitzende Richter Dominik Mardorf.

Allerdings fiel es dem Angeklagten immer schwer, Unterstützung anzunehmen, so die Bewährungshelferin. Der Grund aus ihrer Sicht: „Wir sind Teil der Justiz.“ Die Hauptschule verließ er ohne Abschluss, eine Ausbildung hat er nicht: „Die meiste Zeit war ich ja in Haft.“ Kaum war er 14 und damit strafmündig, begann seine Karriere vor Gericht. 25 Vorstrafen kamen seither zusammen, meistens wegen Diebstahls. Vor einigen Jahren schien er Fuß zu fassen: Er heiratete, ein Sohn wurde geboren, Arbeit fand er im Hamburger Hafen. „Irgendwann stand die Scheidung an, da bin ich wieder rückfällig geworden“, sagte der 41-Jährige.

Seit der Festnahme sitzt der Angeklagte in Haft, dort habe er Kontakt zur Drogenberatung. Eine Drogentherapie – die er bereits zwei Mal abgebrochen hat – empfahl die Bewährungshelferin. Richter Mardorf äußerte die „große Bitte“, die Hilfe während der Haftzeit anzunehmen, auch zur Vorbereitung auf ein Arbeitsleben. „Sonst kommen Sie für immer geringere Anlässe immer länger ins Gefängnis – das hat keine Perspektive.“ Auch jetzt wird es bei zwei Jahren Haft nicht bleiben. Weil Bewährungszeiten widerrufen werden, kommen am Ende nach Mardorfs Schätzung dreieinhalb Jahre zusammen – wie von der Staatsanwaltschaft beantragt.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen