Telemann-Oper Orpheus : Antiker Mythos in barocker Pracht

Amüsante Episoden: Levente György überzeugte als Unterweltherrscher Pluto.
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Amüsante Episoden: Levente György überzeugte als Unterweltherrscher Pluto.

Es war eine besondere Aufführung, die das Theater für Niedersachsen Hildesheim im Theater Itzehoe zeigte – eine Gastrezension von Kantorin Dörthe Landmesser.

shz.de von
03. Februar 2018, 08:00 Uhr

Dem begeisterten Publikum im gut gefüllten Theater Itzehoe bot sich mit der Aufführung von Georg Philipp Telemanns Oper „Orpheus oder Die wunderbare Beständigkeit der Liebe“ ein märchenhaftes Schauspiel.

Allein die Tatsache, dass eine Barockoper im gut recherchierten Barockstil zur Aufführung kommt, ist bereits eine Besonderheit. Aus Anlass des Telemann-Gedenkjahrs 2017 hat das Theater für Niedersachsen Hildesheim sich dieser Thematik angenommen und sie bis ins kleinste Detail umgesetzt. Telemann (1681-1767) wirkte 46 Jahre als „director musices“ in Hamburg und ist mit mehr als 3600 verzeichneten Werken einer der produktivsten Komponisten der Musikgeschichte. Darunter fallen auch die Kompositionen von 20 Opern. Trotzdem tauchen Opernaufführungen von Telemann selten im Spielplan auf.


Bühnenbild schafft barockes Ambiente

Daher ist es umso bemerkenswerter, dass das Theater für Niedersachsen Hildesheim sich auf dieses Experiment eingelassen hat. Dafür engagierte es die belgische Regisseurin und Choreografin Sigrid T’Hooft, eine Spezialistin für die historisch informierte Aufführungspraxis barocker Opern. Bereits das Bühnenbild – im Prinzip der barocken Guckkastenbühne angelegt – versetzte die Zuschauer in ein passendes Ambiente. Die Darsteller, Sänger ebenso wie Tänzer, agierten in prachtvollen, ausdrucksstarken Kostümen. Auch die Spielweise war barock: Der Körper der Darsteller wendete sich immer dem Publikum zu, Mimik und festgelegte barocke Handgesten unterstützten das Spiel. Dadurch ergab sich ein stimmiges Gesamtbild, dass durch die barocke Instrumentierung des Orchesters unterstützt wurde.

Neben dem Cembalo und den Blockflöten stach besonders die Theorbe – ein Lauteninstrument – in der Solobegleitung des Orpheus heraus. Der bekannte Mythos um Orpheus, dem es durch die Musik gelingt, seine Geliebte Eurydicke aus der Unterwelt zu befreien, wird von Telemann um eine zentrale neue Figur erweitert, die der Königin Orasia, einer „femme fatale“, eindrucksvoll dargestellt von Siri Karoline Thornhill.

Peter Kubik, der Darsteller des Orpheus, konnte leider nur als Schauspieler auftreten, da er stimmlich indisponiert war. Dafür sprang kurzfristig Zak Kariithi ein, der den Gesangspart am Rand der Bühne souverän meisterte. Auch wenn die Oper fast drei Stunden dauerte, so war es doch sehr kurzweilig. Rezitative, Arien – zum Teil, je nach Stil, auch auf italienisch oder französisch – barocke Tanzeinlagen und Chorstücke wechselten sich ab. Besonders der zweite Akt, der die Unterwelt mit ihrem Herrscher Pluto, herrlich dargestellt von Levente György, zum Thema hat, bot so einige amüsante Episoden. Ein durch und durch bezaubernder Opernabend mit einem Genuss für alle Sinne.



>Das Theater für Niedersachsen Hildesheim gibt am 24. März ein weiteres Gastspiel in Schleswig-Holstein in Neumünster im Theater in der Stadthalle.

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