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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 11:15 Uhr

Ansturm schon am ersten Tag

vom

Vor gut 50 Jahren wurde das Freibad am Klosterbrunnen eröffnet / Zehntausende Gäste in nicht einmal drei Wochen

Itzehoe | "Wir nannten uns die Schlangenbeschwörer." Herta Gorski erinnert sich an ihre ersten Arbeitstage an der Kasse des Itzehoer Freibades. Als dieses vor 50 Jahren am 17. Juli 1963 eröffnet wurde, nahm sie die maximal 40 Pfennige Eintritt entgegen. Von der Eröffnung um 12.09 Uhr selbst allerdings bekam sie nichts mit: "Mein Dienst begann immer um halb zwei", sagt die 97-Jährige. Der Besucheransturm sei so enorm gewesen, dass die bunten Eintrittskärtchen, die rollenweise auf dem Boden lagen, in Windeseile abgerissen und verteilt wurden - daher der Titel Schlangenbeschwörer. Bereits zehn Tage nach der Eröffnung wurde der 25 000. Besucher begrüßt, weitere zehn Tage später bereits der 50 000. Badegast.

"Eigentlich sollte das Freibad erst 1964 eröffnet werden", berichtet Gorski. "Die Schwimmbecken waren zwar fertig, aber die Umkleideräume noch nicht." Jedoch sei der Sommer 1963 so heiß gewesen, dass die Stadt sich auf Drängen der Bevölkerung für die vorgezogene Eröffnung entschied. Kurzerhand wurden zwei Mannschaftszelte von der Bundeswehr entliehen, in denen sich Frauen und Männer umkleiden konnten. Sanitäre Anlagen und Personal waren noch nicht vorhanden.

Herta Gorskis Ehemann, damals bei den Stadtwerken tätig, erhielt Anfang Juli 1963 einen Anruf, ob seine Frau nicht an der Freibadkasse aushelfen könne. Zwar hatte sie nach der Flucht bis 1948 als Vorzimmerdame im Finanzamt Itzehoe gearbeitet, musste den Beruf auf Wunsch ihres Mannes jedoch aufgeben und statt dessen Kind und Wohnung hüten. Der Anruf aus dem Freibad kam ihr gerade recht: Kurzfristig, zunächst für sechs bis sieben Wochen, bezog sie ihren Halbtagsposten am Eingang. Daraus wurden schließlich 13 Jahre: An ihrem 60. Geburtstag im Jahr 1976 ging Herta Gorski in Rente.

An Besucher und Kollegen von damals erinnert sie sich genau: Mit Schwimmmeister Klaus Günther habe sie sich immer gut verstanden. An der Kasse hatte sie meist nette Kolleginnen, "einige waren aber auch unmöglich".

In der Anfangszeit machte Itzehoes damaliger Bürgermeister Joachim Schulz täglich einen Abstecher in Richtung Freibad. Auf seinem Heimweg aus dem Rathaus nach Tegelhörn schaute er nach dem Rechten und informierte sich bei Herta Gorski über den Stand der Dinge. Auch bekannte Politiker, die im benachbarten Restaurant Klosterbrunnen tagten, ließen sich einen neugierigen Blick in das neue Freibad nicht nehmen. Kein Wunder: Aufgrund seiner einmaligen Lage im Wald galt es als das schönste Schwimmstadion in Schleswig-Holstein.

Auch deshalb war es in den Anfangsjahren Schauplatz für einige wichtige Schwimmwettbewerbe, darunter Deutsche Meisterschaften und internationale Vergleichswettkämpfe. An die Deutschen Meisterschaften 1965 erinnert sich Gorski gern: "Das war das Ereignis schlechthin!" Nicht nur bekannte Schwimmer wie Holger Kirschke und Joachim Klein, sondern auch Sportreporter Harry Valerien waren zu diesem Anlass in Itzehoe. Gorski hatte die Aufgabe, ihnen anhand einer Liste ein Quartier zuzuweisen: "Ein ungeheurer Organisationsaufwand!" Ein Programmheft und ein kleiner Wandteller erinnern sie heute daran. "Den Teller gab es für alle Mitwirkenden. Zum Dank wurden wir zum Essen und Beisammensein nach Amönenhöh eingeladen - das war toll." Größere Wandteller erhielten die siegreichen Sportler als Ehrenpreise von der Stadt Itzehoe.

Auch in den Folgejahren riss der große Besucheransturm nicht ab. Monika Baum, die ab 1970 bis 2010 als Schwimmeisterin im Freibad tätig war, erinnert sich an diese Zeiten zurück: "Manchmal standen die Leute Schlange bis zum Restaurant Klosterbrunnen und fast bis zur Hauptstraße." Dann hätten auchdie Schwimmeister an der Kasse mit angepackt. "Mit einem Eimer haben wir die Leute, die Kleingeld parat hatten, abkassiert." Später habe das Bad durch die vielen kleinen Freizeitbäder in der Umgebung Konkurrenz bekommen, die Besucherzahlen sanken. Auch Handy, Computer und Co. trügen ihren Teil dazu bei, dass man sich heute eher online als zum Baden trifft, so Baum. "Freibad war für uns damals immer das Größte."

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erstellt am 12.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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