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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 08:35 Uhr

Wirtschaft : Anstich mit ernsten Untertönen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bockbiersaison im Dithmarscher Brauhaus in Marne eröffnet. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer stellt sich bei diesem Anlass Kritik an der Infrastruktur der Westküste.

Es hat die Farbe von dunklem Bernstein, bringt 7,8 Volumenprozent ins Glas und ist maximal bis Weihnachten erhältlich: Das Dithmarscher Urbock, von dem Braumeister Hans Senff 160 000 Liter produzierte. Gestern Abend eröffnete Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer vor geladenen Gästen aus Wirtschaft und Politik im Marner Brauhaus die Bockbiersaison 2014. Sein Urteil, nachdem er den Zapfhahn mit drei wohldosierten Schlägen ins Holzfass getrieben hatte: „Super. Ein schönes Bier.“ Der Minister outete sich als Genießer von Bock. Es war sein erster Anstich und in seiner Rede hatte Meyer nur kurz auf Schützenhilfe von Kreispräsident Hans-Harald Böttger gehofft. Den Schlegel musste er schon alleine führen.

Etwas überrascht war Meyer über die am Rande der fröhlichen Veranstaltung im rappelvollen Karlskeller des Brauhauses ernsten Töne. Auch wenn er keine Bierzeltrede nach bajuwarischem Vorbild halten wollte, hatte er seine Worte für diesen Abend doch anders gewählt. Aber schon beim Eintreffen musste Meyer feststellen, dass Kieler Regierungsmitglieder in Dithmarschen bei solchen Anlässen nicht nur auf ungeteilten Frohsinn hoffen dürfen. Denn im Kontrast zu den fröhlichen Drehorgelklängen vor dem Brauhaus hatten sich vis-a-vis Mitglieder der Friedrichskooger Initiative Hafen – Zukunft postiert. Sie wollten sich nicht „vermeyern“ lassen, forderten den Minister zum Gespräch. Reinhard Meyer ging darauf ein, ließ erkennen, dass er die Sorgen angesichts der vom Land beschlossenen Hafenschließung ernst nehme und kündigte möglichst bald Gespräche an. Er halte an dem touristischen Projekt „Erlebnishafen“ fest, betonte der Politiker auch gegenüber Bürgermeister Roland Geiger. Denn das biete Perspektiven.

Ernst ging es im Karlskeller weiter. Heides Ehrenbürger, Altmarktmeister Heinrich Schultz, eröffnete die Feier zum Anstich und kündigte an: „Das Bier wird teurer – wenn die Straßen nicht besser werden!“ Eine Aussage, die Brauerei-Geschäftsführer Norbert Luchs mit Fakten unterlegte. Fehlende West-Ost-Verbindungen im Land, eine überlastete B5 und das Nadelöhr Hamburg machten es nicht leicht, den Gerstensaft zu den Kunden in Norddeutschland zu bringen. Die Transportzeiten auf der Straße seien mittlerweile unkalkulierbar für die Spedition. Funktionierende Logistik bei mieser Infrastruktur aufrecht zu erhalten sei für alle Beteiligten eine Herausforderung. Auch finanziell. „Das geht irgendwann zu Lasten unserer Kalkulation.“ Und dies vor dem Hintergrund eines bundesweit seit Jahren rückläufigen Marktes.

Reinhard Meyer stimmte zu, dass viele Straßen im Land in üblem Zustand seien. „Da haben wir mindestens 20 Jahre gepennt“, nahm er seine Amtsvorgänger mit in die Verantwortung. „Wir haben zu wenig gemacht.“ Zaubern könne auch er nicht. Deshalb sei Geduld gefragt. Denn: „Das wird nicht von heute auf morgen zu reparieren sein.“ Und noch etwas bekannte der Minister: Landespolitik in Kiel müsse das Thema „Westküste" viel ernster nehmen.

Den Marner Brauherren bescheinigte Meyer, das richtige Konzept zu verfolgen und „Dithmarscher“ als regionales Produkt zu vermarkten. Im Bodenständigen der Marke liege die Stärke. Wie es auch laufen könne, zeigten namhafte Brauereien, die inzwischen von internationalen Braukonzernen geschluckt worden seien, dabei ihre Identität verloren hätten und nun austauschbare Produkte seien. Nicht umsonst könne die Marner Privatbrauerei Karl Hintz sich seit 130 Jahren erfolgreich als Familienbetrieb behaupten.

Am Ende gab es für den Gast aus Kiel doch noch Gelegenheit sich das frische Bock schmecken zu lassen.

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erstellt am 30.Okt.2014 | 17:03 Uhr

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