Tiere am Deich : Anonyme Drohung gegen Schäfer

Fühlen sich zu Unrecht angegriffen: Bernd und Sabine Kröger, sowie Simon Stahljohann (rechts).
Fühlen sich zu Unrecht angegriffen: Bernd und Sabine Kröger, sowie Simon Stahljohann (rechts).

Knappes Gras bedeutet keine Hungersnot – trotzdem gibt es zum Teil heftige Vorwürfe. Dabei ist für die Schafe am Deich gesorgt.

shz.de von
24. Juli 2018, 05:06 Uhr

„Sie müssen unbedingt Ihre Schafe füttern. Das ist Tierquälerei. Ich werde das Kreisveterinäramt und die Polizei informieren. Wenn nichts passiert, werde ich die Schafe vom Deich wegholen.“ Diesen anonymen Anruf bekam am Sonntag die Schäferei von Bernd und Sabine Kröger aus Neuendorf. Die Krögers haben insgesamt rund 1000 Mutterschafe und einen Teil davon auf dem Elbdeich zwischen Kollmar und Glückstadt laufen. In diesem Deichabschnitt stehen die Schafe besonders unter Beobachtung. Auch beim Ordnungsamt der Amtsverwaltung Horst-Herzhorn hatten sich besorgte Passanten gemeldet, die auf die Not der Schafe hingewiesen hatten.

Mutterschafe und Lämmer getrennt

Doch Bernd Kröger konnte Entwarnung geben: „Die Schafe haben geblökt, weil wir am Donnerstag der vergangenen Woche die Lämmer abgenommen und auf eine andere Weide gebracht haben.“ Auf dem Deichland zwischen Kollmar und Bielenberg mit etwa 20 Hektar laufen 170 Mutterschafe. Die bisher dazugehörigen 300 Lämmer wurden jetzt von den Mutterschafen getrennt. „Das ist normal in dieser Zeit, denn die Lämmer brauchen keine Muttermilch mehr. Außerdem führt das zur Entlastung des knappen Grasaufwuchsen am Deich“, erklärt der 55-jährige Schäfer.

Dennoch bereitet ihm die Hitzewelle selbst Sorgen. Auf dem Deichgelände gibt es bereits braune, verbrannte Stellen, insbesondere im Bereich des Bielenberger Hafens. Dort liegen die Schafe oft über Nacht und können deshalb gut von Passanten und Strandbesuchern beobachtet werden. Das Blöken am Wochenende ließ vermuten, dass die Schafe Hunger und Durst haben. Bei der anhaltenden Hitze ist Wasser noch wichtiger als das Gras.

Nicht alle Tränken sind zu sehen

„Es gibt in dem Deichabschnitt drei Tränkstellen, von Bielenberg bis Glückstadt gibt es vier. Aber die sieht man nicht, da sie auf der Landseite des Deichfußes liegen“, erklärt Bernd Kröger. Beim Deichneubau ist dort eine Wasserleitung verlegt worden, die für die Tränken genutzt werden kann.

„Schafe sind genügsam, bei dieser Hitze fahren sie ihren Stoffwechsel zurück und brauchen weniger Futter, da sie jetzt keine Lämmer mehr säugen. Und die Wolle schützt sie vor der großen Hitze, denn unsere Tiere sind schon im Januar geschoren worden und haben jetzt wieder ein dickes Wollkleid.“

Bernd Kröger hat sich selbst an die Kreistierärztin und die Polizeistation gewandt, um aufzuklären und zu deeskalieren. „Es ist noch genügend Gras da, denn das Landesamt für Küstenschutz hat dieses Jahr das lange alte Gras extra nicht gemulcht. Die Grasnarbe ist jetzt so kurz, wie sie für den Küstenschutz optimal sein soll.“

„Der Deich sieht besser aus als in den Vorjahren“

Sein Berufskollege Simon Stahljohann aus Neuendorf ergänzt: „Der Deich sieht dieses Jahr besser aus als in den Vorjahren. Jetzt fressen die Schafe auch die Schattengräser und Krautecken. Und die Lämmer haben trotzdem mehr Fleisch angesetzt als letztes Jahr.“

Der 30-jährige Landwirt hat 550 Mutterschafe zwischen Kollmar und dem Krückausperrwerk laufen. Auch er berichtet von aufgebrachten Anrufern: „Die Leute denken, dass wir uns nicht um unsere Schafe kümmern. Und im Ton schlagen einige über die Stränge. Das ist schon Psychoterror. Die haben keinen Bezug zur Tierhaltung und kein Verständnis für die Landwirtschaft.“

Er weiß, dass die Schafe genügend versorgt sein müssen. „Wenn die Witterung so bleibt, werde ich Schafe zum Schlachten verkaufen müssen.“ Das Zufüttern ist für ihn keine Option, denn im Pachtvertrag mit dem Landesamt für Küstenschutz ist das Füttern im Außendeichgelände untersagt, um an den Fressstellen die Deichnarbe nicht durchzutreten. Aber vielleicht gibt es dieses Jahr eine Ausnahme. Er rät Anwohnern davon ab, mit Äpfeln und Gemüseresten die Schafe zu füttern. „Wenn die Schafe das mitbekommen, werden sie unruhig und beim unkontrollierten Laufen in der Herde können sie die Menschen in Gefahr bringen.“

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