Anmeldungen: Im Zweifel nicht zur Gemeinschaftsschule

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13. März 2018, 05:00 Uhr

Fast 320 neue Fünftklässler sind an den drei Gymnasien der Stadt angemeldet worden (wir berichteten). Die Schere zu den Gemeinschaftsschulen ist weiter aufgegangen: 219 Anmeldungen wurden bis zum Stichtag verzeichnet, gleichmäßig verteilt auf Klosterhofschule (75), Gemeinschaftsschule am Lehmwohld (71) und Wolfgang-Borchert-Schule.

Festzuhalten ist: Insgesamt wurden an beiden Schularten 535 Schüler und damit fast 50 weniger als im Vorjahr angemeldet. Ein weiterer möglicher Grund für den Unterschied: die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren. „Es mag sich daraus erklären, dass für viele Eltern vielleicht ein gymnasialer Bildungsabschluss in erreichbarere Nähe gerückt ist“, sagt Andreas Arndt, Leiter des Amtes für Bildung. „Wir haben damit gerechnet“ – denn das Prognoseprogramm des Landes hatte die Kehrtwende zu G9 bereits berücksichtigt.

Für WBS-Leiter Sven-Eric Leisner steht fest: „Es ist ein deutliches Votum, das Eltern da abgegeben haben.“ Die Entwicklung sei nach der G9-Entscheidung absehbar gewesen und bestätige die Befürchtungen: „Im Zweifel geht die Entscheidung nicht zur Gemeinschaftsschule“, weiß er aus vielen Gesprächen mit Eltern. Es habe genügend Vorschläge gegeben, aber sie hätten bei den Entscheidern auf allen Ebenen kein Gehör gefunden.

„Dramatisch“ findet Leisner die Gesamtentwicklung nach 117 Neuzugängen im Vorjahr. Allerdings kamen knapp 30 von ihnen zur WBS, weil sie an der Klosterhofschule keinen Platz bekommen hatten. Dort verzeichnet Leiter Gerd Freiwald einen Einbruch der Anmeldungen um 40 Prozent. „Am meisten wurde als Grund genannt, dass viele Eltern im letzten Jahr eine Absage erhalten haben.“ Er betrachtet die Zahlen eher gelassen, zumal sie mit Vorsicht zu genießen seien: Aus dem Umland kämen viele auf die Gymnasien, aber nicht auf die Gemeinschaftsschulen, weil es diese auch wohnortnah gebe.

Ganz ähnlich sieht es bei der Gemeinschaftsschule am Lehmwohld aus: „Mehr wäre auch nicht gegangen in Anbetracht dessen, was auf uns zukommt“, sagt Leiter Hans-Joachim Sohrt. Gemeint sind umfangreiche Bauarbeiten in Sachen Brandschutz – und er freut sich, dass die Schule trotz dieser Aussichten attraktiv sei: „Ich habe Schlimmeres befürchtet.“ So sei sie nicht nur eine Auffangstation für die Schüler, die nicht aufs Gymnasium gehen. Wie die Kollegen auch betont Sohrt die besondere Rolle bei der Aufnahme von Zugewanderten und bei der Inklusion: „Das ist das, was man in der Idealvorstellung von einer Gemeinschaftsschule auch erwartet.“

Die Anmelde-Situation bringe eine Entlastung für diese Schulen, sagt Amtsleiter Arndt. Die Kapazitäten reichten, bestätigen die Schulleiter, wobei Leisner an der WBS gleich mit vier Klassen plant, seine Kollegen mit drei. Alle rechnen im Laufe der Zeit mit weiteren Zugängen von den Gymnasien. „Das Telefon klingelt zum Halbjahr ständig“, berichtet Freiwald. Doch in der 6. oder 7. Klasse müssten die Schüler abgewiesen werden, was auch Sohrt bestätigt: „Im Prinzip sind wir ausgelastet. Später gibt es dann wenig Aufnahmekapazität.“

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