Anlieger bleiben hart: Birken müssen weg

Bürger schimpfen auf Politik und setzten sich weiter für schrittweise Birkenabholzung ein. Foto: Tietje-Räther
Bürger schimpfen auf Politik und setzten sich weiter für schrittweise Birkenabholzung ein. Foto: Tietje-Räther

Bäume verursachen gesundheitliche Beschwerden und Schäden an Häusern

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20. Mai 2011, 08:10 Uhr

KELLINGHUSEN | "Schrecklich." Mit einem einzigen Wort beschreibt Ines Bismark die Situation in der Lornsenstraße. Gelb-grüne Pollen von zahlreichen großen Birkenbäumen dringen derzeit durch alle Ritzen, verschmutzen Häuser, Fenster, Gartenmöbel und Autos. Schlimmer noch: Mit jedem Atemzug gelangen sie in Bronchien und Lunge und verursachen gesundheitliche Beschwerden.

Nicht nur Ines Bismark kämpft mit Großpackungen von Zellstoffstüchern gegen Triefnase und tränende Augen. Über eine lästige Pollenallergie klagt auch Annemarie Steffens. "Wir müssen unsere Fenster fest geschlossen halten", schimpft die Seniorin. Die meisten Anwohner aus dem Wohngebiet Beseler Allee, Lornsen- und Preußer Straße leiden unter den Birken und wollen sie lieber heute als morgen weg haben. "Es ist ja bekannt, dass die Pollen im Laufe der Jahre immer aggressiver geworden sind", weiß Anlieger Norbert Krafft. Nicht verstehen können Bürger, weshalb zuständige Politiker sie ohne Not weiter leiden lassen. Noch dazu vor dem Hintergrund einer von der Politik initiierten Anwohner- Umfrage mit eindeutigem Votum gegen die Bäume (wir berichteten). "Wenn rund 90 Prozent der Anwohner wollen, dass die Bäume weg kommen, dann ist die Kommunalpolitik gefordert", pflichtet Dieter Hahne (CDU) bei.

Der Vorsitzende vom Umweltausschuß steckt beim Ortstermin ordentlich Schelte von empörten Bürgern ein. Die Politentscheidung sei eine Frechheit den Wählern gegenüber, lassen Anwohner ihrem Unmut freien Lauf. Von Partein- und Wählergemeinschaften postulierte Werte wie Transparenz und Bürgernähe entpuppen sich in ihren Augen als leere Wahl-Floskeln.

Hahne sind die Hände durch einen mehrheitlichen Umwelt-Beschluss gebunden. In seinem Ausschuss wurde das Thema zurück in die Verwaltung verwiesen. "Dabei wollte doch niemand Kahlschlag mit der Kettensäge machen", sagt Hahne. Keiner der Bürger kann nachvollziehen, weshalb die Birken den Verantwortlichen so lieb - und mit Blick auf die angerichteten Schäden - auch so teuer sind.

Dass sie keinen historischen Allee-Anspruch haben, können die älteren unter den Anliegern bezeugen. Die ehemals vorhandene Ahornallee sei nach Kriegsende komplett abgeholzt und verfeuert worden, wissen sie. Erst 1949 seien als Ersatz die Birken angepflanzt worden. Seither stellten die Bäume fast rund ums Jahr unter Beweis, dass sie in die freie Landschaft, nicht aber an den Straßensaum gehören. Neben der Last der Dreckentsorgung - "jährlich rund 25 Schubkarren auf eigene Kosten" - beschert Hausbesitzern mit wenig Vorgarten vor allem das weit verzweigte flache Wurzelwerk Ärger. "Es verstopft das Kanalsystem und schlängelt sich sogar unter Fundamente."

Ein solcher Fall habe in der Lornsenstraße 9 gerade wieder kostenträchtig saniert werden müssen. "Soll die Stadt doch einmal anfangen die Bordsteine zu senken", regen die Anlieger mit Blick auf extrem hohe Kantsteine und holperige Fußwege an. Vielleicht würden die Politiker angesichts der roten Zahlen im Etat dann ja ihre Meinung ändern.

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