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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 17:46 Uhr

Verkehr : Anlaufpunkt für viele Pendler

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Geschichte des Wrister Bahnhofs reicht bis ins Jahr 1840 zurück.

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2015 | 05:02 Uhr

Der Bahnhof in Wrist – seit Jahrzehnten ein Knotenpunkt für Pendler in der Region. Und durch die Parkplatzprobleme im Ort, die Diskussion um eine Verlängerung der Bahnstrecke nach Kellinghusen und durch die jetzt erfolgte Aufnahme des Zugverkehrs durch die Nordbahn nach Hamburg-Altona wieder stark in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Dabei fing es einmal ganz klein an – vor 175 Jahren. Der damalige Herrscher in Schleswig-Holstein, der dänische König Christian VIII., gab im Jahre 1840 die Planungen der ersten Eisenbahnstrecke in Schleswig-Holstein in Auftrag. Am 18. September 1844 wurde die „Christian VIII. Ostseebahn“, die von Altona über Elmshorn, Wrist und Neumünster nach Kiel führte, eröffnet. Zunächst wurde sie von der über Aktienkäufe privat finanzierten „Altona-Kieler Eisenbahngesellschaft“ betrieben, wurde aber 40 Jahre später in die „Königlich Preußische Eisenbahn-Direktion Altona“ umgewandelt.

In Wrist, das lange Zeit nur ein kleines Bauerndorf gewesen war, nahm die wirtschaftliche Entwicklung nach dem Bau der Bahnlinie einen starken Aufschwung. Auch die Einwohnerzahl verdoppelte sich in diesem Zeitraum nahezu. Während im Jahre 1856 nur 165 Menschen dort lebten, wurden 1895 bereits 320 Einwohner gezählt, die sich von der Bahnlinie einen wirtschaftlichen Aufschwung erhofften. Desweiteren wurde im Jahre 1844 eine Gesellschaft gegründet, die die Vorbereitungen für den Bau einer Bahnlinie zwischen Itzehoe, Wrist und Lübeck treffen sollte und auch entsprechende Pläne erstellte. Im Juli 1885 wurden die Pläne an den „Königlichen Staatsminister und Minister für öffentliche Arbeiten“ nach Berlin eingereicht, wo dann auch tatsächlich das preußische Abgeordnetenhaus den Plänen zustimmte. Aber es kam anders. Das Projekt unter der Einbeziehung der Hansestadt Lübeck kam nicht zustande, da die Stadt Lübeck nicht dem preußischen Staat angehörte.

Aber schon ein Jahr später, am 1. August 1886, wurde an der Trasse, die über Kellinghusen nach Wrist führte, mit den Bauarbeiten begonnen. Jedoch wurde der Betrieb dann etwa 90 Jahre später aufgrund des stark aufkommenden Straßenverkehrs und der Verlagerung des Güterverkehrs von der Schiene und damit fehlender Auslastung auf dieser Strecke am 27. September 1975 wieder eingestellt.

Zwischenzeitlich wurde die Strecke Hamburg-Kiel weiter ausgebaut, weil der Personen- und Güterverkehr ständig zunahm. So wurde im Jahre 1904 eine Wartehalle in Wrist errichtet. Am 2. Oktober 1907 wurde das heutige Bahnhofsgebäude eingeweiht. Im Jahre 1913 wurde dann die kombinierte Bahn- und Straßenbrücke über die Bramau fertiggestellt, denn mit dem Bau der Poststelle im selben Jahr wurden damals die Postzüge in Wrist be- und entladen, da in dieser Zeit die Pakete und die Briefpost zu großen Teilen mit der Bahn befördert wurden. Einige Jahre später kam ein Verladegleis für Vieh- und Schweinetransporte hinzu, die überwiegend von den Viehhändlern und Schlachtern aus der Umgebung für Transporte vor dem Zweiten Weltkrieg nach Hamburg und Ostdeutschland genutzt wurden.

Kurz vor Ende des Weltkrieges, am 16. April 1945, bombardierten alliierte Flugzeuge einen im Wrister Bahnhof stehenden Munitionszug. Dies hatte zur Folge, dass mehrere Häuser in der jetzigen Bahnhofsstraße in Flammen aufgingen oder durch den hohen Luftdruck völlig zerstört wurden.

Mit dem steigenden Aufkommen im Straßengüterverkehr in den 50er, 60er und 70er Jahren erlitt der Wrister Bahnhof Einbußen und die Bahn reagierte in den folgenden Jahren entsprechend mit starken Rationalisierungsmaßnahmen.

So wurden in Wrist im Jahre 1976 die Expressgut- und Gepäckabfertigung und Waggonverlademöglichkeiten eingestellt. Desweiteren fielen den Rationalisierungsmaßnahmen in den 80er Jahren die alten Stellwerke zum Opfer, da ein neues Spurplanstellwerk und automatische Halbschranken mit Blinklichtanlagen gebaut wurden.

Damit endete in der Gemeinde auch die Epoche der Schrankenwärter. In der Blütezeit des Wrister Bahnhofs waren teilweise über 50 Eisenbahner in und um den Bahnhof in Wrist tätig. Nach Installation des neuen Sperrwerkes übernahmen Computer und moderne Stellwerktechnik die Aufgaben der Schrankenwärter und Stellwerker. Auch die damals eingesetzten „Streckenläufer“, die den Zustand der Schienen und Weichen überprüften, fielen der modernen Technik zu Opfer.

Heute erfreut sich der Wrister Bahnhof wieder stetig steigender Beliebtheit.Nach neuesten Studien benutzen mehr als 1000 Fahrgäste die Möglichkeit, schnell und ohne Staus nach Hamburg, Kiel oder Neumünster zur Arbeit zu kommen oder vom Bahnhof Wrist eine Urlaubsreise anzutreten.

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