zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

23. September 2017 | 13:15 Uhr

Südspange : Angst vor Lärm und Kosten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Entwurf der Stadtverwaltung stößt bei Anwohnern auf Widerstand / Baubeginn vermutlich im Herbst

von
erstellt am 20.Jun.2015 | 16:14 Uhr

Ohnmacht, nichts als Ohnmacht empfindet Gunda Schanze. Für die Itzehoerin ist der Bau der Südspange „ein Drama“. „Ich habe alles getan, was ich konnte, um das zu verhindern, aber mein Bemühen wurde nur lächelnd zur Kenntnis genommen. Ich habe alles versucht, mein kleines grünes Refugium zu verteidigen.“ Ihr kleines grünes Refugium ist seit Generationen im Familienbesitz, schon ihre Großeltern lebten in dem Haus mit Garten in der Dorfstraße, doch nun überlegt sie wegzuziehen. Denn dass die Südspange kommt, daran ist nicht mehr zu rütteln. Das betonte auch Bodo Schmedtje, Leiter der Tiefbauabteilung der Stadt noch einmal während der Informationsveranstaltung, auf der der Entwurf vorgestellt wurde. Dabei wurde auch deutlich: Auch die anderen Anrainer wollen die Südspange nicht. Sie lehnen die Kosten ab, die sie schultern müssen, zum anderen befürchten sie deutlich mehr Verkehr und Lärm.

„So eine Abwägung für einen Bau gehört zum demokratischen Prozess, es gibt immer Gegner“, erklärte Schmedtje. Der Dialog mit den Anrainern ist trotzdem gewünscht. „Die Anwohner weisen uns manchmal noch auf planerische Sachen hin, die wir dann noch mit in den Entwurf einfließen lassen.“

Die Südspange soll Linden-, Bahnhof- und Brückenstraße entlasten. Der Verkehr soll über den Voßbarg und die Gasstraße über eine abknickende Vorfahrt in die Störfischerstraße geleitet werden. Dann sollen Pkw und Lkw über die Verlängerung der Störfischerstraße, an der Dorfstraße vorbei zur Potthoffstraße geleitet werden. Die Straßen sollen ausgebaut werden, zwischen dem Ende der Störfischerstraße und der Dorfstraße entsteht eine neue 780 Meter lange Trasse. Das soll die Innenstadt entlasten.

Dass dann aber künftig mehr Verkehr durch die betroffenen Straßen rollt, ist den Anwohnern ein Dorn im Auge. Sie forderten, dass die Dorfstraße Sackgasse wird. Schmedtje hielt das nicht für sinnvoll. „Wir erwarten in der oberen Dorfstraße kein großes Verkehrsaufkommen.“ Man sollte die Verkehrsströme erst einmal abwarten und könne dann immer noch reagieren. „Eine Möglichkeit wäre dann, eine unechte Einbahnstraße: Der Verkehr darf nicht von unten in die Straße einbiegen, innerhalb der Straße kann aber in beide Richtungen gefahren werden.“ Denkbar sei auch, die Straße für Lkw zu sperren.

Auch die Kosten waren Thema: „Ich sehe den Ausbau als Fernverkehrausbau, ich als Anlieger habe davon keinen nutzen. Wieso soll ich dann zahlen?“, monierte ein Anrainer. „Es komme nicht darauf an, ob Anwohner wirklich einen Vorteil haben“, betonte Schmedtje. „Wenn die Stadt beschließt, eine Straße zu bauen, sind wir gezwungen die Kosten umzulegen.“ Der Stadthaushalt sei nunmal nicht ausgeglichen, daher müsse man sich an Vorgaben des Landes halten. Im Fall der Südspange bedeutet das für die Anwohner eine Beteiligung von etwa 35 bis 55 Prozent. Zahlen könne man erst nach den Ausschreibungen nennen, so Schmedtje, der aber schon erwartete Zahlen hören ließ: Zahlen müssen die Anlieger an den betroffenen durchgehenden Straßenzügen: Dorfstraße/Potthofstraße sowie Gasstraße/Störfischerstraße. Auf sie werden 35 bis 55 Prozent der Kosten umgelegt. Der Ausbau der Potthofstraße schlug mit 850 000 Euro zu buche. „Im Mittel musste jeder Anwohner sechs Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche zahlen.“ Mit einem Viertel der Kosten, weil nur ein Viertel der Strecke, rechnet er für den unteren Abschnitt der Dorfstraße: etwa 260 000 Euro. Für den Ausbau der Gasstraße und Störfischerstraße werden vermutlich 600 000 Euro fällig. Die Anlieger zahlen jeweils nur für den Straßenzug, an dem sie wohnen. Für die neue Trasse kommt allein die Stadt auf.

Wann der Startschuss zum Bau der Südspange fällt, steht noch nicht fest. „Start soll im Oktober sein. Unsere Idee ist es, mit der Trasse auf dem Bahndamm anzufangen und uns dann in die Dorfstraße reinzuarbeiten. Letzter Part wird die Störfischerstraße sein“, erklärte Schmedtje. „Dann sind wir bei Ende 2016, wenn es der sportliche Zeitplan erlaubt.“ Doch es gebe Hindernisse. „Wir haben eine Förderung beantragt. Es gibt zwar Signale, dass diese wohl genehmigt wird, durch ist das aber noch nicht.“ Ohne die Genehmigung dürfe man möglicherweise nicht beginnen. „Wir haben einen vorzeitigen Maßnahmenbeginn für August beantragt, müssen nun aber abwarten.“

Die Südspange wird im Stadtentwicklungsausschuss am 23. Juni Thema sein. Außerdem ist noch eine Informationsveranstaltung für die direkt betroffenen Anlieger geplant.



Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen