Itzehoer Schulen : Analoger Ärger um digitale Zukunft

Unterricht am Smartboard: Bert Beutner und die 5b der Klosterhofschule.
Unterricht am Smartboard: Bert Beutner und die 5b der Klosterhofschule.

Itzehoes Gemeinschaftsschulen sehen sich gegenüber den Gymnasien bei der digitalen Ausstattung benachteiligt.

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30. Mai 2018, 05:07 Uhr

Einmal wischen – und Bert Beutner hat neuen Stoff parat für die Klasse 5b der Gemeinschaftsschule Klosterhofschule. Er nutzt dabei eines von nur zwei Smartboards in der Schule. Fünf Tablet-PCs und 15 Notebooks gab es gerade neu, hinzu kommt ein Computerraum mit 16 Arbeitsplätzen. Alle teilten sich einen 16-Megabit-Anschluss, sagt Schulleiter Gerd Freiwald. „Wenn eine Klasse im Computerraum arbeitet, kann man kaum Mails verschicken.“ Es gibt viel zu tun bei der digitalen Ausstattung der Schulen – und viel soll getan werden. Die Verteilung der Mittel allerdings sorgt für Unmut an den Gemeinschaftsschulen.

Alle Schulen werden gleich behandelt, das hatten die Leiter bei einer großen Runde im Rathaus gehört. Jetzt stießen sie auf einen von CDU und SPD initiierten Beschluss aus den Haushaltsberatungen im Herbst: Der Ansatz für „Beschaffung von EDV für Schulpädagogik“ wurde auf 200 000 Euro verdoppelt, das zusätzliche Geld sollte für „Beamer oder vergleichbare Technik“ in den weiterführenden Schulen ausgegeben werden. Dann dieser Schlusssatz: „Der aufgrund der stärkeren digitalen Kompetenz älterer Schülerinnen und Schüler höhere pädagogische Nutzen einer solchen Ausstattung in den höheren Jahrgangsstufen, besonders in der Oberstufe, ist bei der Umsetzung zu berücksichtigen.“

Bessere Technik also vor allem für Oberstufen der Gymnasien, so verstehen es die Leiter der Gemeinschaftsschulen. Diese Argumentation sei „entgegen jeglicher Erkenntnis der Pädagogik und Didaktik“, sagt Hans-Joachim Sohrt von der Gemeinschaftsschule am Lehmwohld. Gerade in heterogenen Gruppen brauche es viele Lernzugänge, so hingegen fehle den Gemeinschaftsschülern der Anschluss, wenn sie in die gymnasiale Oberstufe wechselten. „Es ist elementarer Blödsinn, der da beschlossen worden ist.“

Zudem sei das Verfahren ohne Einbindung des Bildungsausschusses „völlig intransparent“ gewesen, sagt Sven-Eric Leisner, Leiter der Wolfgang-Borchert-Schule. Alle Anschaffungen für die WBS, immerhin Modellschule für digitales Lernen, müsse er aus dem Schuletat bestreiten und wisse nicht, wie er an das weitere Geld herankomme. Es sehe ein wenig nach Gemauschel aus, sagt Freiwald. „Die Gymnasien sind ohnehin besser ausgestattet“, die Itzehoer Gemeinschaftsschulen dagegen hätten im Vergleich mit denen im Umland die „unterste Ausstattung: „Meine Forderung ist nach wie vor, dass man einmal richtig Geld in die Hand nimmt.“ Der Etatbeschluss sei nur durch Zufall bekannt geworden, sagt Sohrt: „Das ist eine ganz massive Benachteiligung und politisch nicht in Ordnung.“

Die Ausführung ist Sache der Verwaltung. „Es gibt keinen definierten Verteilerschlüssel“, sagt Jens Inhoven von der IT-Abteilung. Ohnehin wäre es aus seiner Sicht ungünstig, jetzt Geld auszugeben. Denn die Stadt arbeitet mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen (IQSH) an einem Konzept für die digitale Zukunft; frühestens für den Haushalt 2019 werden erste konkrete Anforderungen erwartet. All das laufe über die Ausschüsse, betont Bürgermeister Andreas Koeppen: „Insofern ist noch alle Chance, dass wir da ins Gespräch kommen.“

Auch schon in diesem Jahr wird in die „digitale Lernumgebung“ an den weiterführenden Schulen investiert. 100 000 Euro waren eingeplant für eine Basis-Infrastruktur. Nach dem Willen des Bildungsausschusses, am Montag bestätigt vom Finanzausschuss, kommen außerplanmäßig 129 000 Euro hinzu. Das Ziel ist die baldige Glasfaser-Anbindung der Schulen über das Netz der Stadtwerke Itzehoe an das zentrale Rechenzentrum im Rathaus – „um keine wertvolle Zeit zu verlieren“.

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