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„An der Westküste macht man das Licht mit dem Hammer aus“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Während unsere Zeitung bei Gewaltverbrechen der vergangenen Jahrzehnte vor allem aktuell berichtete und auch vielfach die oft langwierigen Gerichtsprozesse begleitete, ist die Sicht aus einer überregionalen Perspektive auf die Westküste durchaus bemerkenswert. Der langjährige Leiter der Itzehoer Mordkommission, Siegfried Lindhorst, hat immer auch das Medien-Echo mit großem Interesse verfolgt – und dabei einen nicht genau datierten Bericht aus dem Nachrichten-Magazin Der Spiegel ausgegraben, der ein interessantes Licht auf die Region und ihre Bewohner wirft. Hier ein Auszug:

...Die Machart der Dithmarscher Bauern-Bluttat verblüffte weder Strafverfolgungsbehörden noch Psychiater. Als „Menschen, die schon bei kleinen Konflikten versagen und losschlagen“, charakterisiert die ermittelnde Staatsanwaltschaft Itzehoe die Bevölkerung jener Westküste genannten Landstriche Schleswig-Holsteins, zu denen die Kreise Steinburg, Süder- und Norderdithmarschen und einige Dörfer des Kreises Rendsburg gehören. Der Itzehoer Kriminaloberkommissar Ewald Werner, Leiter der für die Westküste zuständigen Mordkommission (und einer der Vorgänger von Siegfried Lindhorst-d.Red.), weiß: „Da macht man das Licht mit dem Hammer aus.“ Und von einer spezifischen „Westküsten-Mentalität“ spricht der Schleswiger Nervenarzt und Psychologe Dr. med. Manfred In der Beck, 47: „Die Leute sind dort so.“

Westküste - das sind die nahezu baumlosen, tristen, aber fettbödigen Nordsee- und Unterelbe-Marschen zwischen der Eider im Norden und der Krückau im Süden sowie die bewaldeten, anmutigen, aber kargen Geesthügel weiter landeinwärts. In dieser Landschaft, wo die Nebel öfter wallen als in anderen deutschen Landstrichen und noch jetzt der Blut- und-Boden-Mythos spukt, trägt auch das ländliche Gewaltverbrechen Züge, die an germanische Ursitten gemahnen.

Makaber klingt die Weise von Leben und Tod der Leute an der Westküste insbesondere dann, wenn ländliche Liebe im Spiele ist: Im Westküstendorf Thaden beispielsweise spaltete vor neun Jahren die Bäuerin Margarethe H., 60, ihrem gerade Buttermilchkartoffeln verspeisenden Ehemann Willy, 58, mit einem Beil den Schädel. Dem herbeigerufenen Arzt sagte sie über den Sterbenden: „He wer'n Swien“ (Er war ein Schwein).

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1959 wurde die Witwe Johanna S., 53, aus Lägerdorf zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, weil sie ihren aus Ungarn gebürtigen Liebhaber Franz F. im Bett mit dem Bügeleisen erschlagen, die Leiche in Teile zerlegt und dann im Küchenherd verbrannt hatte. Die Tat war ruchbar geworden, als Witwe Johanna Anzüge des gemetzelten Liebhabers verschenkte. Sie hatte es nicht übers Herz bringen können, „die guten Sachen“ ebenfalls in den Ofen zu stecken. Ein Jahr lang hatte die Bäuerin Gitta M., 33, aus Wetterndorf in der Wilstermarsch ihrem zuckerkranken Ehemann das Insulin verdünnt, bevor sie im Herbst dieses Jahres „wegen versuchter vorsätzlicher Tötung in Tateinheit mit der Beibringung von Gift“ festgesetzt wurde. Die ehemalige Krankenschwester und zweifache Mutter bestreitet, daß sie ihren Ehemann durch Verabreichung des gepanschten Insulins habe unter die Erde bringen wollen. Wie sie aussagte, sollte der sieche Bauer nur ab und zu einmal „aus dem Hause“ und ins Krankenhaus, damit er ihr Beisammensein mit dem gesunden Knecht nicht störe.

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erstellt am 18.Apr.2017 | 14:40 Uhr

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