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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 00:53 Uhr

Rückzug : Amtsleiter will nicht mehr leiten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Leitende Verwaltungsbeamte Stephan Schulz beantragt seine eigene Abberufung. Amtsausschuss Kellinghusen berät am 19. Januar

von
erstellt am 08.Jan.2016 | 17:38 Uhr

Vor einem Jahr trat Stephan Schulz seinen Posten als Leitender Verwaltungsbeamter im Amt Kellinghusen an – zuvor einstimmig gewählt. Mit der Harmonie ist es jetzt vorbei. Der 40-Jährige beantragte seine eigene Abberufung. Bleiben will er als einfacher Beamter, jedoch keine Leitungsfunktion mehr ausüben. Zu den Gründen wollte Schulz gegenüber unserer Zeitung nichts sagen. „Meine Beweggründe werde ich zuerst dem Amtsausschuss darlegen“, betonte der noch Leitende Verwaltungsbeamte. Amtsvorsteher Clemens Preine bedauert diesen Schritt. „Die Bereitschaft von unserer Seite ist da, mit ihm zusammenzuarbeiten. Es ist ja nicht so, dass wir ihn nicht wollen.“

Nach Informationen unserer Zeitung scheint es unterschiedliche Auffassung über die Führung der Amtsverwaltung zu geben. Schulz soll – als Leitender Verwaltungsbeamter – die alleinige Entscheidung in Sachen Personal für sich reklamiert zu haben. Diese Auffassung sollen nicht alle geteilt haben und mitentschieden haben.

Für Preine jedenfalls ist klar: Stephan Schulz habe sich beworben und ihm sei klar gewesen, was auf ihn zukommt. „Und ich glaube nicht, dass das Amt Kellinghusen anders geführt wird als andere Ämter.“

Wie geht es jetzt weiter? Die Abberufung – im Amtsdeutsch heißt dies Widerruf der Bestellung des Leitenden Verwaltungsbeamten – ist ein formeller Akt, den nur der Amtsausschuss vornehmen kann. Dazu heißt es in der Amtsordnung: „Der Amtsausschuss kann die Bestellung des Leitenden Verwaltungsbeamten jederzeit widerrufen. Der Beschluss bedarf der Mehrheit von zwei Dritteln der gesetzlichen Zahl der Mitglieder des Amtsausschusses.“ Doch damit nicht genug. Dies Prozedere muss nach vier Wochen noch einmal wiederholt werden. Erst wenn der Ausschuss zweimal für die Abberufung votiert hat, ist Schulz seine Führungsposition los.

Ob jedoch zwei Drittel der Amtsausschussmitglieder, die diesen Mann erst im November 2014 einstimmig gewählt hatten, auch zustimmen, scheint eher fraglich. Denn was passiert dann? Das Amt Kellinghusen hätte keinen Leitenden Verwaltungsbeamten mehr und müsste die Stelle nachbesetzen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wohin mit Stephan Schulz? Denn als Beamter kann er in der Kellinghusener Amtsverwaltung bleiben – doch die weiteren Leiterstellen in den vier Fachstellen sind alle besetzt. Auch die längere Zeit verwaiste Kämmerei hat seit der jüngsten Amtsausschusssitzung mit Frank Hartmann wieder einen Chef.

Bleibt als Option für Stephan Schulz und dem Amt noch ein freiwilliger Wechsel in eine andere Verwaltung. Probiert hat er es schon, er trat im November des vergangenen Jahres als Kandidat bei der Bürgermeisterwahl in seiner Heimatstadt Glückstadt an, unterlag dort als Bewerber der FDP jedoch.

Das Amt Kellinghusen, 2008 aus den Ämter Kellinghusen-Land und Hohenlockstedt sowie aus der Stadt Kellinghusen hervorgegangen, hat kein Glück mit seinen Leitenden Verwaltungsbeamten. Nachdem Erik Bornholdt, der die Fusion begleitet hatte, in Pension ging, wählte der Amtsausschuss Ende 2009 Sven Wilke in die Führungsposition. Dieser blieb bis Anfang 2014, dann gingen beide Seiten getrennte Wege. Grund: Es gab auch damals schon „unterschiedliche Dienstauffassungen“, wie es von beiden Seiten hieß. Wilke verließ Kellinghusen und bewarb sich als Fachbereichsleiter bei der Stadt Preetz, wo er immer noch arbeitet.

Die Suche nach einem neuen Leiter gestaltete sich nach Wilkes Abgang schwieriger als gedacht. Denn auf die erste Ausschreibung meldete sich aus Sicht des Amtes kein geeigneter Bewerber. Deshalb wurde die Stelle nach den Sommerferien 2014 erneut ausgeschrieben. Und Stephan Schulz bekam anschließend den Job. Zuvor war er als Kämmerer im Amt Marne-Land tätig gewesen.

Über den Antrag von Stephan Schulz auf Abberufung wird der Amtsausschuss Kellinghusen während seiner Sitzung am Dienstag, 19. Januar, beraten. Die Kommunalpolitiker treffen sich um 19 Uhr im Dörpshus in Quarnstedt. Vermutlich werden die Ausschussmitglieder allerdings unter sich bleiben und diesen Punkt unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutieren, da es um Personalfragen geht.

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