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verfahren eingestellt : Amsel getötet – keine Strafe für Soldaten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein gezielter Schuss mit dem Luftgewehr tötet eine Amsel. Das Gerichtsverfahren wird gegen Geldauflage eingestellt.

Hat er aus Mordlust getötet – oder wollte er nur ein Tier von seinem Leiden erlösen? Letzteres behauptete ein 20-jähriger Zeitsoldat gestern vor dem Itzehoer Amtsgericht gegenüber Strafrichter Andreas Wagner. Dort musste er sich wegen einer Straftat nach dem Tierschutzgesetz verantworten.

Ereignet hat sich der Vorfall am 29.April dieses Jahres in einem Hinterhof mitten in Itzehoe. „Mich wundert, dass ich deswegen hier bin, weil ich eigentlich ein tierlieber Mensch bin“, sagte der hochgewachsene Soldat gleich zu Beginn. „Ich hatte nie die Absicht, ein Tier zu quälen, ich wollte nur sein Leiden beenden.“ Der 20-Jährige schilderte, dass der Vogel wohl gegen eine Scheibe geflogen und dann auf dem Rasen liegen geblieben sei, die Flügel von sich gestreckt. „Ich habe dann die Katze der Frau gesehen, die mich auch angezeigt hat. Ich sah, wie sich die Katze dem Vogel näherte. Ich hab’ mir mein Luftgewehr geschnappt und aus dem Fenster dann den Vogel quasi erschossen“, erklärte der Mann. „Das war für mich die einfachste und schmerzfreieste Möglichkeit, das Leiden zu beenden. Der Vogel lag schon im Sterben – eindeutig.“

Nach der Anzeige durch die Nachbarin beschlagnahmte die Polizei das Luftgewehr und sicherte das bereits in der Mülltonne entsorgte „Corpus Delicti“, wie Wagner vorlas. Eine Tierärztin untersuchte die Amsel und stellte fest: „Todesursache Kopfschuss.“ Frakturen dagegen wies der kerngesunde Vogel nicht auf – das passte nicht zur Schilderung des Soldaten.

Warum er denn nicht einfach zu dem Vogel hingegangen sei, wollte der Richter wissen. Antwort: „Die Zeit hat nicht gereicht, die Katze wäre schneller gewesen.“ Sie schmeiße nach der Nachbarskatze auch immer ihre Schuhe, steuerte Oberstaatsanwältin Dr. Jonna Ziemer an dieser Stelle bei. Sie regte eine vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage an, zumal der Soldat der Einziehung der Tatwaffe zustimmte. Das Gewehr wird nun vernichtet.

Der junge Soldat hatte offenbar verstanden, dass sein Handeln falsch war. Eine Verurteilung hätte für ihn zudem mit hoher Sicherheit disziplinarische Folgen bei der Bundeswehr nach sich gezogen. Die Nachbarin habe ihn offenbar auf dem Kieker, mutmaßte der Angeklagte. „Die muss was gegen mich haben. Ich kann mir nicht erklären, warum die so einen Hass auf mich hat.“ Doch das nachbarschaftliche Verhältnis endet demnächst, der Soldat zieht in seine Kaserne nach Niedersachsen.

Gegen eine Geldauflage von 200 Euro wurde das Verfahren vor dem Amtsgericht vorläufig eingestellt – die Summe fließt an den Eulenschutz.

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