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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 04:59 Uhr

Wrist : Altes Pastorat - Mekka für Trauungen

vom

Bürgermeister Günther Biehl zunehmend als Standesbeamter gefragt / Seit 2005 ehrenamtlich im Hochzeits-Einsatz

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 09:00 Uhr

Wrist | "Ohne Navi hätte ich das nie gefunden", sagte ein Hochzeitsgast. Doch dann zeigte er sich begeistert von dem schönen Anblick des Alten Pastorats von 1706 und der im Jahr 1201 errichteten romanischen Feldsteinkirche in Wrist, Ortsteil Stellau. Dort finden immer mehr Trauungen statt - vorgenommen von Günther Biehl.

Der Bürgermeister und Eheschließungsstandesbeamte begrüßte zur standesamtlichen Trauung von Daniela Steffen (Itzehoe) und Martin Alpen (Kellinghusen) 50 Gäste. Er weiß um sein Juwel in der Gemeinde mit dem schönen Ambiente, in dem er an diesem Tag seine 63. Trauung vollzog. Seit dem Beschluss des Amtsausschusses im Jahr 2005 ist Günther Biehl "Eheschließungsstandesbeamter". Dafür musste er ein Einführungsseminar an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Bordesholm absolvieren und hat dort mittlerweile auch mehrere Fortbildungen besucht. "Im alten Amt Kellinghusen-Land war ich der erste und einzige Bürgermeister, der Trauungen vorgenommen hat", erinnert sich Biehl.

Nach erfolgter Renovierung und Einweihung des Alten Pastorats im Jahr 2006 schließt Biehl zunehmend Ehen in diesem Gebäude. Vorwiegend am Wochenende, sonnabends oder freitags und auch schon mal sonntags. Also zu Zeiten, in denen hauptamtliche Standesbeamte nicht immer zur Verfügung stehen. Und es sind Zeiten, die Paare gerne wählen, wenn sie vielleicht ausschließlich eine standesamtliche Trauung mit allen Gästen möchten. "Aber manchmal geht die ganze Gesellschaft auch vom Pastorat direkt rüber in die Feldsteinkirche für den kirchlichen Seegen", sagt Biehl. Auch an große Kaffeetafeln unter den Bäumen neben dem Pastorat erinnert er sich. Oder an eine festliche Gesellschaft, die sich bereits bei Kaffee und Kuchen amüsierte, während er selbst bei seiner Ankunft kurz ins Grübeln geriet, ob er zu spät sei. Aber: die Gäste hatten geplant, sich vor der Trauung mit Leckereien zu stärken.

Überhaupt sei die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten interessant: Es gibt Trauungen im kleinen Kreis mit den Trauzeugen und engsten Angehörigen, aber auch mit großen Hochzeitsgesellschaften mit bis zu 100 Personen. Und drinnen können alle den Blick durch das große Torfenster über die Wiesen schweifen lassen und den Worten von Günther Biehl lauschen, der mahnende und aufmunternde Worte für eine glückliche Zukunft findet. Und natürlich erzählt er auch etwas aus der Historie des alten Pastorats.

"Trauungen mit ausländischer Beteiligung und Dolmetschern bringen internationales Flair in das alte Gemäuer", freut sich Biehl. Auch wurden bereits gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften geschlossen. Vorgefahren wurde schon mit Oldtimer-Autos, Stretchlimousinen und Pferdekutschen. Auch Daniela und Martin Steffen schwärmten: "Ein tolles Ambiente!". Für beide war es wichtig, dass viele Gäste mit dabei sein konnten und der Raum für Rollstuhlfahrer erreichbar ist. Der Tipp für Stellau kam von Martin Alpens Schwester Bianca.

Die Anmeldungen für eine standesamtliche Trauung im alten Pastorat laufen über die hauptamtlichen Standesämter. Trauungen bis zur Kommunalwahl im Mai sind noch möglich, für spätere Termine muss Günther Biehl erst den Ausgang der Wahlen abwarten, weil er nur als Bürgermeister in der Funktion als Eheschließungsstandesbeamter agieren darf.

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