zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 11:13 Uhr

Altes Handwerk zum Anfassen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein heimatgeschichtliches Kleinod: historische Schmiede und Stellmacherei locken Besucher an

shz.de von
erstellt am 25.Aug.2015 | 10:41 Uhr

Vor einigen Jahrzehnten waren sie noch in fast jedem größeren Dorf zu finden: Die Werkstätten der Schmiede und der Stellmacher. Ohne sie ging nichts in der Landwirtschaft, und oft arbeiteten sie eng zusammen. Während der Stellmacher für die Holzarbeiten an Fuhrwerken und Ackergeräten zuständig war und vor allem Wagenräder anfertigte, bearbeitete der Schmied das Eisen und stellte unter anderem Werkzeuge her.

Heute sind die meisten Arbeitsgänge längst industriell ersetzt. Die Stellmacherei beherrschen nur noch wenige alte Meister, und von den traditionellen Schmiedearbeiten wird lediglich der Hufbeschlag noch ausgeführt. Doch in Vergessenheit geraten soll das alte Handwerk nicht.

In Neuendorf-Sachsenbande können Interessierte hautnah erkunden, wie es in den Werkstätten zuging. Neben der Gaststätte „Zum Dückerstieg“ wurden in zwei kleinen Häuschen eine Schmiede eingerichtet sowie Geräte einer Stellmacherei aufgebaut. Mit Begeisterung führt Ernst-Otto Prüß Besucher durch die Ausstellung und erläutert die vielen verschiedenen Werkzeuge, von denen heute viele nur noch vom Hörensagen bekannt sind.

Mit Unterstützung von EU, Land, Kreis und Amt sei das Museum vor wenigen Jahren eingerichtet worden, erklärt der 68-Jährige. Denn alle seien sich einig gewesen: „Das muss der Nachwelt erhalten werden!“

Die Einrichtung der Schmiede stammt fast komplett aus der Werkstatt von Schmiedemeister Heinrich Joachim Schröder, der den 1877 gegründeten Betrieb in Sommerland-Dükermühle von seinem Vater übernommen und bis 1970 geführt hatte. Seine Schwester hat die Schmiedemeister-Schröder-Stiftung ins Leben gerufen und das komplette Inventar dem Heimatverband des Kreises Steinburg vermacht. Einige Teile stammen auch aus der Oldendorfer Schmiede.

Wer das kleine Backsteinhäuschen in Neuendorf-Sachsenbande betritt, vergisst schnell die moderne Hülle. Denn der Schritt durch die Tür bedeutet eine Reise in die Vergangenheit: Amboss und Richthorn, Lochplatte, Stauchmaschine, Hammer, Zangen, Meißel, Schraubzwingen, sogar eine Nasenbremse – alles ist noch da. „So historisch wie hier gibt es das sonst kaum noch“, sagt Ernst-Otto Prüß. Auf Schautafeln wird alles beschrieben. Auch Pferdeskelett-Zeichnungen sind vorhanden. Schließlich musste der Schmied die Stellung des Hufs richtig hinbekommen – „sonst kriegen die Pferde es in den Gelenken“, sagt Prüß.

Manchmal erwacht die alte Schmiede sogar zu neuem Leben. „Astrid Geruhn aus Aebtissinwisch bietet hin und wieder Vorführungen an. „Es ist schön, dass das Ganze auch mal zum Einsatz kommt und hier Leben drin ist“, freut sich Prüß. Das, was er Besuchern über die Schmiede erzählt, musste er sich selbst anlesen.

Gegenüber in der Stellmacherei dagegen fühlt er sich wie zuhause: Prüß hat Zimmermann gelernt, viele der Werkzeuge sind ihm vertraut. Und so erklärt er geduldig, wie ein Wagenrad aufgenabt wird, zeigt Drehbank und Schleifzug und führt die Fliehkraftbohrmaschine vor. Die Utensilien stammen größtenteils von der Karosseriemeister-Saß-Stiftung, die den Nachlass der Stellmacherei Saß in Dükermühle verwaltet. Auch das Meisterstück von Heinrich Saß von 1938 ist zu sehen: Ein hölzernes VW-Sportwagenmodell im Maßstab 2:1.

„Es macht Spaß“, sagt Ernst-Otto Prüß über die Führungen durch das kleine Handwerksmuseum. In den ersten Jahren sei der Besucherzustrom stark gewesen, inzwischen hat er nachgelassen. „Wenn man es einmal besucht hat, muss man ja nicht noch einmal hin.“ Vor allem Besucher, die in der Gaststätte feiern, nutzen gerne die Gelegenheit für einen Rundgang. „Meistens sind es ältere Interessierte, die das auf dem Dorf noch ähnlich kennen gelernt haben“, sagt der 68-Jährige. Manchmal bringt jemand sogar ein Teil für die Ausstellung mit.

Auch Schulklassen nutzen die Besichtigungsmöglichkeit. „Die Kinder kennen sowas ja gar nicht mehr.“ Deshalb ist es für Ernst-Otto Prüß auch selbstverständlich, dass alles ordentlich gepflegt und erhalten wird. „Wenn man sich einmal die Mühe gemacht hat, das einzurichten, muss man sich auch fortlaufend kümmern“, sagt er. Und damit das alte Eisen mal wieder neu erstrahlt, soll es nächstes Jahr vielleicht wieder einmal einen Aktionstag geben – „mit allem drum und dran“.

> Eintritt frei, Führung nach Vereinbarung unter 04823/92929.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen