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Tag des Denkmals : Alter Hof sucht neuen Liebhaber

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Erstmals gab es Einblicke in den in Neuenedorf bei Elmshorn stehenden Rehderhof. Die Bewohner lebten bis zuletzt fast ohne Strom und ohne Telefon. Über 100 Jahre hat sich fast nichts verändert.

Fast 400 Jahre alte Balken, 1000qm unter Reet, eine riesige Diele mit löchrigem Lehmboden, eine Döns (gute Stube), Küche mit offenem Feuer – der Rehderhof, eine altehrwürdige Wohnstätte. „Dieses Haus kauft nur jemand, der sieht, was drin steckt.“ ist Beate von Malottky, Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises Steinburg, überzeugt. Dr. Holger Reimers, Bau- und Kunsthistoriker aus Hohenfelde, ergänzt: „ Und es sollte im Dialog zwischen Nutzung und Substanz erfolgen.“ Beide Experten fanden sich zum Tag des offenen Denkmals im Rehderhof in Neuendorf bei Elmshorn ein, um Interessierte durch die Hofanlage zu führen und erläuterten voller Ehrfurcht die Besonderheiten dieser Anlage. Denn die Bewohner veränderten wenig und nutzten Wohnstatt und Wirtschaftsflächen in den letzten einhundert Jahren auf die gleiche Weise.

Zum Tag des offenen Denkmals waren auch Doris Schneider und Helke Petersen auf den Hof gekommen. Als 1999 im Rahmen der Dorfentwicklung in Neuendorf die alten Gebäude aufgenommen werden sollten, waren sie es, die sich nicht von den Bedenken im Dorf über die beiden alten Käuze entmutigen ließen und damals den Rehderhof besuchten. Und so öffneten Albert und Herbert Rehder nach langer Zeit erstmals ihren Hof.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Rehder-Zwillinge 72 Jahre alt. Ihre Mutter hatte bis zu ihrem Tod im Jahre 1971 mit ihnen zuletzt auf dem Hof gelebt. Und die Söhne hatten alles so belassen, wie es damals war. Im Wäscheschrank befanden sich noch die Matrosenanzüge, die Albert und Herbert 1933 zu ihrer Einschulung getragen hatten. Die Scheune und das Backhaus sowie alle anderen Räume im Haupthaus blieben bis heute ohne Strom.

Zu vielen Neuerungen hieß es immer: „Dat brug wi nich!“. Wie sehr das Alte geschätzt wurde, zeigt ein Übertopf im Hausrat, der unglaublich viele Male zu Bruch ging, der auch dem Rehderhof aber immer wieder zusammengeklebt wurde. Seit dem Tod der Mutter blieben sie stärker aufeinander fixiert, lebten und arbeiteten völlig autark. Für Reparaturen an den hölzernen Wagenrädern schulterten sie das kaputte Stück und radelten die elf Kilometer nach Siethwende. Als 1983 der Schmied aufhörte und ihre Kaltblüter nicht mehr beschlagen konnte, kauften sie sich zwangsläufig einen Trecker. Ein Auto brauchten sie nicht. Gegen ein eigenes Telefon sträubten sie sich über Jahre, nutzten im Notfall die Telefonzelle im Dorf.

Vor 13 Jahren erlitt Herbert einen Schlaganfall und lebt seitdem im Heim. Nur wenige Jahre bewirtschaftete Albert Rehder den Hof alleine, gab erst die Kühe, dann die Schafe weg und verstarb Ende 2007. Seine Arbeitskleidung hängt noch jetzt über dem Seil in der Diele, die Gummistiefel stehen daneben. Seitdem steht der Hof leer.

Der neue Besitzer des Rehderhofes, sollte, so der Expertenrat, bautechnisch und bei der Materialverwendung „im System bleiben“. Es gibt schöne Beispiele, wo mit vertretbarem Aufwand alte Bauernhäuser wieder neu genutzt werden.

Das Rehder-Grundstück mit ca. 6600qm steht für 170 000 Euro zum Verkauf, die Gebäude kämen mit einem symbolischen Euro hinzu.




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erstellt am 09.Sep.2013 | 17:00 Uhr

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