Alte Technik, mehr Arbeit: Polizei am Limit

Im Dialog über die Zukunft der Polizei: (v.l.) Frank Hesse, Torsten Gronau, Sönke Behrmann, Gerrit Koch, Hauke Hanßen und Uwe Kleinig. Foto: röhrs
Im Dialog über die Zukunft der Polizei: (v.l.) Frank Hesse, Torsten Gronau, Sönke Behrmann, Gerrit Koch, Hauke Hanßen und Uwe Kleinig. Foto: röhrs

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17. März 2011, 07:00 Uhr

Kreis steinburg/ Dithmarschen | Arbeitsverdichtung, veraltete Technik und Beförderungen nach Kassenlage des Landes: Rund 60 Polizisten kamen in den Landgasthof "Zur Post" in Wacken, um Politikern zu sagen, wo ihnen der Schuh drückt. Die Kreisverbände Steinburg und Dithmarschen der Deutschen Polizeigewerkschaft im Deutschen Beamtenbund (DPolG) hatten FDP-Landesvorsitzenden Wolfgang Kubicki und den CDU-Landtagsabgeordneten Hans-Jörn Arp zu einem Dialog mit der Polizei gebeten - darunter auch der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion Itzehoe, Uwe Kleinig, und DPolG-Landesvorsitzender Torsten Gronau. Kubicki sagte aus persönlichen Gründen ab, stattdessen stellte sich neben Arp der innen- und rechtspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Gerrit Koch, der Kritik - zur Enttäuschung der Anwesenden. Denn die haben mit Kubicki noch eine Rechnung offen. "Er hat vor der letzten Wahl versprochen, dass es mit der FDP in der Landesregierung keine Lebensarbeitszeitverlängerung gibt", so Frank Hesse, DPolG-Kreisverbandsvorsitzender. "Jetzt müssen wir doch zwei Jahre länger arbeiten." Den Vorschlag der Gewerkschaft, die Entscheidung für einen späteren Ruhestand auf freiwilliger Basis laufen zu lassen, sei damals abgelehnt worden - ist nun aber als zusätzliche Option im Gespräch. "Damit haben Sie eine Chance verpasst", wandte sich Gronau an die Politiker.

Gronau warnte zudem vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft der Polizei: einem Qualitätsgefälle des Personals zwischen den armen und den reichen Bundesländern. Denn im armen Schleswig-Holstein müssen Kollegen zu schlechteren Konditionen arbeiten. Die Folge: Die Flucht in andere Länder. "Und bei uns werden nur noch die eingestellt, die durchs Raster fallen." Arp verteidigte die Sparpläne der Landesregierung: "Wenn wir künftig qualifizierte Leute haben wollen, müssen wir jetzt anfangen zu sparen, damit wir sie später auch bezahlen können."

Auch der Wunsch nach einem Laufbahnverlaufsmodell kam zur Sprache. "Ohne das Modell haben die Kollegen keine Perspektive, können nicht planen. Befördert wird nach Haushaltslage der Landesregierung", kritisierte Hesse. Zur Sprache kamen außerdem Befürchtungen über die drohenden Schließungen und Zusammenlegungen von Polizeistationen sowie die veraltete Technik. "Im Notfall können wir per Funk manchmal keine Hilfe holen, weil die Technik so alt ist", so Hesse. Außerdem forderten die Kollegen eine zweite Hundertschaft "on top", damit, wenn Kollegen bei Großeinsätzen zusätzlich aus Dienststellen abgezogen werden, die Arbeitsverdichtung nicht noch größer wird. Arp lenkte ein. "Früher wurde zuviel gestrichen, deshalb ist die Polizei bisher von Personalstreichungen ausgenommen ausgenommen. Ich kann aber nicht versprechen, dass wir Personal aufstocken."

"Ich wünsche mir, dass Sie das Stimmungsbild von der Westküste mit an die Ostküste nehmen, daraus etwas aufgreifen und in unserem Sinne umsetzen," gab Hauke Hanßen, Vorsitzender des DPolG Kreisverbandes Dithmarschen, den Politikern mit auf den Weg.

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