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Spielzeit-auftakt : Alte Schlager in neuer Frische

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das theater itzehoe feiert Spielzeit-Auftakt. Orchester und Solisten unterhalten mit 20er-Jahre-Revue und bekannten Melodien von Franz Grothe. Das Publikum reagiert sehr angetan.

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erstellt am 18.Sep.2013 | 17:04 Uhr

Auftakt zur neuen Saison im Theater, 2. Akt: populäre Musik des Komponisten Franz Grothe (1908-1982). Dessen Ohrwürmer fasste die 20er-Jahre-Revue unter dem eingängigen Titel „In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine“ zusammen.

Das Rezept des Conferenciers, Geigers und Sängers Paul Holzmann gilt als bewährt. Alte Schlager verpackte sein sechsköpfiges Salonorchester (Klavier, Bass, Schlagzeug, Geige, Saxophon und Trompete) in neuer Frische. Für die sorgte vor allem die Geigerin Lisa Hansen als Blickfang mit langen Beinen, Marilyn-Monroe-Stimm-Imitation („Ich bin frei“) und frivolen Sprüchlein. Das löste dann die unterschiedlichsten Reaktionen des Publikums in gut besetzten Haus aus: Schmunzeln, Schunkeln, Mitsingen und Mitmachen.

„Zum Ankuscheln schön“, urteilte eine Zuschauerin in der Pause über die Grothe-Show. Paul Holzmann und sein Ensemble gaben dieser Publikumserwartung kräftig Zucker mit den unvergessenen Evergreens, den Couplets, den Gassenhauern und der geschmäcklerischen Filmmusik Franz Grothes. Dass die Revue hier und dort ein bisschen aus dem Takt geriet – was machte das schon angesichts der Hits, deren schmeichelnde Melodien etwas einschläfernd Verführerisches hätten, wenn die Texte (die meisten von Willy Dehmel) nicht so von Pointen strotzten.

Kurz gesagt: Ein wenig mehr Salon-Swing hätte dem Ganzen auch nicht geschadet. Das Hindernis bildete die Pianistin, die sich so angestrengt auf Noten, Gesang und Choreographie konzentrieren musste, dass von ihr nun wirklich keine Revue-Aura ausging. Das machten aber die Songs wieder locker wett, von denen jeder als Höhepunkt eines Kurkonzerts durchgehen könnte: „Mit Marie möcht ich mal auf den Funkturm gehen“ oder „So schön wie heut’, so müsst es bleiben“ oder „Jede Frau hat ein süßes Geheimnis“. Hofmann und Hansen spielten sich da die Gags zu. Wenn die Selbstironie in den Verbal-Intermezzi schon mal auf der Strecke blieb – der nächste Grothe-Evergreen kam bestimmt, was letztlich zu viel Beifall und Begeisterung im gut besetzten Haus führte.

Apropos Auftakt zur neuen Saison: Die Obermaschinerie im Theater ist immer noch die alte, die Garderobe kostet jetzt keine Gebühr mehr, und im „Harlekin“, der Theatergastronomie unter der bewährten Leitung von Doro Kaczynski, sitzt man jetzt in Blau. Genauer: Marineblau, was dem Menschen wegen der Meeresreminiszenz gut tut, was ihn beruhigt und was ihn der Wahrheit durch Klarheit näher bringt. Angeblich. Und auch für diese Farbenlehre hätte Grothe etwas parat: „Auf den Flügeln bunter Träume.“ Wer da nicht ins Schwelgen kommt!


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