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Norddeutsche Rundschau

22. August 2017 | 01:49 Uhr

Abriss : „Alt-Itzehoe geht verloren“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Abriss in der Breiten Straße löst viel Bedauern aus – Volksbank will Neubau bis Ende 2018 fertig stellen.

Gestern, 10.20 Uhr: Auftakt für die nächste große Veränderung in der Innenstadt. Die Schaufel des Abrissbaggers nimmt sich den Giebel des Hauses Breite Straße 17 vor. Das ehemalige Gebäude von Foto Albrecht fällt zuerst, schon nach kurzer Zeit drückt die Schaufel vorsichtig die Fassade im Obergeschoss ein. Viele Passanten bleiben stehen, schauen zu, filmen mit dem Handy. Das Bauprojekt der Volksbank Raiffeisenbank Itzehoe hat die nächste Stufe erreicht.

„Ganz schlimm“ findet Ilka Wassenberg (61) das Szenario. Sie verbindet das abgerissene Gebäude mit ihrer Kindheit. Auch wenn die Veränderung zum wirtschaftlichen Vorteil sei, es passiere einfach momentan zu viel in dieser Richtung. Ähnlich empfindet die 67-jährige Angelika Lohse. Es sei „komisch“, bei dem Abriss zuzusehen. Auch sie schwelgt in Kindheitserinnerungen. Ihre Begleiterin Katja Richter (40) stimmt zu: Alte Gebäude sollten erhalten bleiben, weil sie ein Teil der Geschichte seien.

Kritisch zeigt sich auch Timmy Gehlhaar (25) aus Neumünster. Er ist ein Freund alter Häuser und hält es für einen besseren Weg, diese zu erhalten und zu sanieren. „So viele schöne Häuser gibt es hier nicht mehr“, bedauert er. Geradezu empört schaut Christiane Schulz dem Bagger zu. Die Itzehoerin fordert mehr Wohnraum für Bedürftige an Stelle von beispielsweise Geschäften, die sie nicht interessieren. Itzehoe werde immer ärmer an Erlebnismöglichkeiten, sie denke mit ihrem Ehemann Hans-Jürgen darüber nach, die Stadt zu verlassen: „Es hält uns hier nichts mehr.“

Dieter Bartels (72) schaut ebenfalls unglücklich: „Alt-Itzehoe geht verloren.“ Er ist in der Stadt aufgewachsen und beurteilt den Abriss ebenso wie viele andere Passanten: „Schade.“ Dennoch zeigt er sich offen für die Veränderung: „Sonst ist Itzehoe bald ganz tot.“

Neues Leben, das ist das Ziel der Volksbank. Die drei Häuser Breite Straße 13 bis 17 werden abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Auf die Ladenfläche im Erdgeschoss zieht, wie berichtet, Flickenschild Whisky & Cigars vom Berliner Platz, oben entstehen Büro- und Veranstaltungsflächen sowie eine Cafeteria. „Wir sind im Plan mit Abriss und Neubau“, sagt Volksbank-Vorstand Stephan Schack. Bis März soll abgerissen werden, am Mittwoch, 15. Februar, wird die Breite Straße im Bereich oberhalb des Oelmühlengangs voll gesperrt. „Wir werden im Sommer mit dem Hochbau beginnen“, so Schack. Vorher laufen der „unterirdische Abriss“ sowie die Arbeiten an der Grube. Unter anderem müsse gebohrt werden: „Wir wollen mit Geothermie heizen, um ein energetisch sinnvolles Gebäude zu erstellen.“ Ende 2018 soll es bezugsfertig sein.

Im Blumenladen direkt gegenüber ist der Abriss das Topthema. Inhaberin Ilse Hansen (61) findet, dass das Gebäude bereits seit vielen Jahren seine Grenze erreicht habe. „Das Haus ist nur zu faul zum Umkippen“, habe sie bereits vor mehr als 40 Jahren gesagt, berichtet sie lachend. Aus ihrer Sicht wird es also Zeit für die Veränderung, und auch bei manchem Beobachter folgt auf den Kommentar „Schade“ schnell ein „Aber“. Eine Passantin hält den „alten Schinken“ schon lange für abrissreif und sieht das Projekt positiv: „Es kann nur schöner werden.“

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erstellt am 09.Feb.2017 | 05:00 Uhr

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