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Neuer Aufschub : Alsen-Gebäude: Kultur oder Schrott ?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Entscheidung über künftige Nutzung des Geländes ein Jahr aufgeschoben. Diskussion über Erhalt der Industrie-Ruinen.

von
erstellt am 05.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Wie geht es nach dem Scheitern des Treibhaus-Projekts auf dem Alsen-Gelände weiter? Eine Antwort auf diese Frage wird es wohl auch in den nächsten zwölf Monaten nicht geben. Denn auf gemeinsamen Antrag der CDU und SPD wurde die Entscheidung über die künftige Nutzung im Stadtentwicklungsausschuss für ein Jahr zurückgestellt.

Bis zu diesem Punkt waren sich alle weitestgehend einig. Gerade mit Blick auf die ausstehende Entscheidung über einen Kreishaus-Neubau, für den auch Alsen als Standort im Gespräch ist, schien der Mehrheit eine Festlegung auf eine der mit dem Innenministerium und der BIG Städtebau erarbeiteten Varianten – Bewegungspark, Festgelände, Gewerbegebiet oder Naturierung – zu früh.

Auf Widerstand stieß jedoch der zweite Teil des Antrags. Dieser sieht vor, dass die Verwaltung die Verkehrssicherheit auf dem Gelände sicherstellen soll. „Hierbei können die Bestandsgebäude Pumpwerk, Trafohaus, Treibhaus, Laborgebäude und Schornstein abgerissen werden, soweit keine weitere Nutzung sinnvoll erscheint.“

„Wenn wir nicht wissen, was wir später dort machen wollen, sollten wir nichts wegnehmen, was wir vielleicht noch nutzen können“, widersprach Joachim Leve (IBF). Auch im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) werde der Erhalt der dominanten Gebäude als Ziel genannt. Leves Fraktion hatte zudem den Antrag gestellt, die Öffentlichkeit bei der Entscheidung über die künftige Nutzung zu beteiligen.

Auf das Laborgebäude und die alte Schlosserei könne man verzichten, aber neben den vom Verein planet-alsen genutzten Gebäuden müssten vor allem der Schlämmbottich, der Schornstein und das Trafohaus als Industrie-Andenken erhalten werden, betonte auch Dr. Kirsten Lutz (DAF). Es sei doch beides möglich: Einen Teil als Gewerbefläche auszuweisen und dennoch ein Stück Geschichte zu erhalten.

Karl-Heinz Zander (Grüne) bedauerte, „dass in dieser Stadt Kultur, in diesem Fall Industriekultur, überhaupt nicht anerkannt wird und nichts kosten darf“. Auch Kultur sei ein Standortvorteil. Er appellierte dringend, „nicht alles platt zu machen“. Man habe in der Stadt schon genug Kulturgut verloren, ergänzte Günter Wolter (IBF). Die Entscheidung über den Abriss dürfe nicht nur vom Nutzwert abhängig gemacht werden.

Heinrich Kracht (CDU) widersprach vehement. Die Gebäude seien größtenteils „Schrott“ und kosteten nur Geld, das anderswo dringender benötigt werde. Eine Bürgerbeteiligung hielt er für fragwürdig: Die meisten Itzehoer seien nie vor Ort gewesen. „Die kennen den Krempel doch gar nicht.“

Ein Kompromiss brachte schließlich die Einigung. Die Verwaltung müsse ohnehin vor jedem möglichen Abriss das Thema noch einmal in den Ausschuss bringen, weil keine Mittel dafür vorhanden sind, betonte Vorsitzender Sönke Doll (SPD). „Wir müssen also sowieso noch einmal darüber beschließen.“

Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen bestätigte das und versprach zudem, dass er „keinen Sport daraus machen will, etwas abzureißen“. Der Schornstein sei inzwischen eingezäunt, um Gefahren zu vermeiden. Es gehe vor allem um das Treibhaus. „Das muss weg.“ Es sei nicht mehr sicher, außerdem „turnen dort zu viele rum“. Eine breit angelegte Bürgerbeteiligung habe es im Übrigen schon gegeben, erinnerte Koeppen. Die Wünsche flossen ins Treibhaus-Projekt ein. „Die Ergebnisse waren offenbar nicht mehrheitsfähig.“

Unter der Voraussetzung, dass die künftige Beteiligung des Ausschusses ausdrücklich im Protokoll erwähnt wird, konnte sich schließlich die Mehrheit mit dem Antrag der großen Koalition anfreunden. Einzig Joachim Leve enthielt sich.

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