Als Zahnbürste dienen borstige Zweige

Patienten, die herkommen, haben oft einen langen Fußmarsch hinter sich: Sabine Kelch  bei der Prophylaxe-Behandlung. Foto: SH:Z (2)
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Patienten, die herkommen, haben oft einen langen Fußmarsch hinter sich: Sabine Kelch bei der Prophylaxe-Behandlung. Foto: SH:Z (2)

Karge Lebensbedingungen, gut ausgerüstetes Hospital: Glückstädter Zahnärztin und Assistentin drei Wochen lang in Ghana

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14. Juni 2013, 03:59 Uhr

Glückstadt | Drei Wochen lang waren Zahnärztin Dr. Friederike Nölke und Prophylaxe-Assistentin Sabine Kelch in Ghana im Einsatz. Sie halfen in einer Zahnstation in Dodi Papase - mitten im Urwald. "Ganz ehrlich? Ich behandle hier in Deutschland mehr Menschen mit schlechten Zähnen als dort im Dschungel", sagt Nölke nach ihrer Rückkehr. Das habe einen einfachen Grund: Im Dschungel gäbe es so gut wie keinen Zucker. Da ist es dann auch nicht schlimm, dass Zahnpasta und Zahnbürsten fehlen. Während der Deutsche im Supermarkt ratlos vor einer Vielzahl verschiedener Bürsten mit Schwingkopf, Federung oder doppeltem Kopf stehe, würden die Ghanaer einfache Hölzer aus borstigen Zweigen zur Zahnpflege verwenden.

Etwa 70 000 Ghanaer leben im Einzugsgebiet des "Mary Theresa Hospital", das im Norden der Voltaregion liegt. "Man versucht zwar, durch grobe Terminvergaben den Betrieb ein bisschen zu steuern, aber wenn einer nach vier Stunden Anfahrt oder Fußmarsch hier ankommt, schickt man ihn natürlich nicht weg", erklärt Dr. Friederike Nölke. Am faszinierendsten sei, dass bei Regen quasi das gesamte Land still stehe. "Bei Regen bewegt sich hier nichts. Die Kinder gehen nicht in die Schule, es kommen keine Patienten und die Straßen sind leer."

Dafür sei die Klinik sehr gut ausgerüstet und organisiert. Auch das Personal sei bestens ausgebildet und wissbegierig. So ließen sich alle gern ein paar Tricks und Feinheiten von den Profis aus Deutschland zeigen. "Beeindruckend fand ich, dass hier im Jahr über 1000 Geburten begleitet werden. Zum Vergleich: Im UKE sind es etwa 2000. Und das Mary Theresa ist ein kleines Buschhospital" erzählt die 32-jährige Zahnmedizinerin.

Besonders angetan waren die beiden Glückstädterinnen von der Herzlichkeit und Offenheit, mit der ihnen alle begegneten. "Als Dankeschön haben wir viele kleine Geschenke bekommen: Papayas, selbst gemachten Schmuck ...sogar einen Heiratsantrag habe ich bekommen", sagt Friederike Nölke und lacht. "Wir würden es jederzeit wieder machen", resümiert die Prophylaxe-Spezialistin. Sabine Kelch: "Nur auf die kalten Duschen und das landestypische Essen könnte ich gern verzichten."

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