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Historisch : Als Wasser aus dem Land gehoben wurde

vom
Aus der Redaktion der Wilsterschen Zeitung

Hans-Peter Micheel blickt in die Geschichte der Schöpfmühlen in der Wilstermarsch.

Jedes Jahr am Pfingstmontag findet der Deutsche Mühlentag statt. Dann präsentieren sich in der Wilstermarsch die Schöpfmühle Honigfleth und die Rumflether Mühle Aurora der Öffentlichkeit im Rahmen eines bunten Programms. Dazu gehört aber auch immer die Information über die Arbeitsweise der Mühlen. An der Schöpfmühle Honigfleth wird dabei deren einstige Entwässerungsfunktion anschaulich gemacht. Der Wilsteraner Hans-Peter Micheel hat dazu recherchiert und dazu entsprechende Unterlagen von Peter Schütt erhalten. Sein Uropa Marx Schütt war einst Wetternhauptmann der Dwerfelder Wetternkommüne. Die noch erhaltenen Niederschriften gehen zurück in die Jahre 1714 und 1840/1850, als die Bewohner der Wilstermarsch noch unter der dänischen Herrschaft lebten. Nach dem gemeinsamen Krieg Österreich mit Preußen gegen Dänemark wurde Schleswig-Holstein von der Dänischen Herrschaft befreit.

Micheel: „Das Leben in diesen Zeiten war nicht einfach, denn die Bevölkerung musste nach den Gesetzen des dänischen Königs leben und die Landwirte mussten entsprechende Abgaben abliefern. Die Schleswig- Holsteiner hatten einen großen Freiheitsdrang und fühlten sich von den Dänen unterdrückt. Dennoch waren auch die Wilstermarschbewohner mit ihrem Land verwachsen.“ Die Berichte aus dem Wetternbuch machen es deutlich, wie die Bauern um ihre Rechte kämpften. Die schwere Arbeit mit dem Boden und die ständige Bedrohung durch das Wasser verlangten den Menschen viel ab.

Das Wetternbuch wurde vom Wetternhauptmann geführt, in diesem Fall Marx Schütt. „Dieses Buch habe ich sehr aufmerksam gelesen und kam zu der Erkenntnis, dass diese niedergeschriebenen Ereignisse unbedingt der Öffentlichkeit mitgeteilt werden müssen“, so Hans-Peter Micheel weiter. „Zumal unserer Generation nur spärliche Informationen über das Leben der Marschbewohner vorliegen.“ Die Wetternbuchaufzeichnungen sind Protokolle, die Micheel zusammengefasst hat. Vorweg sei erklärt, dass in den oben genannten Jahren die heutigen Sielverbände, früher die so genannten Duchten, wasserwirtschaftlich durch die Kommünen vertreten wurde, wie zum Beispiel die Dwerfelder-Wetternkommüne. Die heutige Dwerfelder Wettern hieß früher allerdings Kortenfelder-Wettern.

Nach den Gesetzen zur Unterhaltung und Pflege der Gewässer in den Holsteinischen Marschen, aus der dänischen und der preußischen Verwaltung, mussten darüber Protokolle, Wetternbücher, geführt werden. Die Wetternkommüne bestand aus ihren Mitgliedern, den eigenständigen Landwirten mit ihrem Stimmrecht. Der Vorsitzende war der Wetternhauptmann, dazu kamen noch zwei bis drei Geschworene. Die Amtszeit betrug immer ein Jahr lang. Der Vorsitz wechselte immer von Nachbar zu Nachbar. Durch die Einrichtung einer Wettern- Kommüne wurde festgelegt, welcher Landwirt was und wie an der Wettern und am Wetterndeich zu machen hatte. „Es gab hier die Regelungen, wie häufig die Wettern gekräutet werden musste und wer den Wetterndeich unterhalten musste. Am Deichkörper kennzeichneten Pfähle mit einem Namen des Landbesitzers, wie lang das Wetternstück ist, welches der Landwirt verantwortlich pflegen musste.“

Die Wetter ist übrigens ein künstlich gegrabener Kanal und kommt überall in Flachländereien wie der Wilstermarsch vor. Der Wetternkanal wurde also von den Landwirten der Wilstermarsch per Hand mit Spaten gegraben. Das Flussbett wurde höher angelegt als das Land, welches dahinter lag. Das war notwendig, damit das Wasser der Wettern bei Niedrigwasserstand der Wilster Au, Stör und Elbe entwässert werden konnte. Die Bockmühlen wurden auf den Wetterndeichen gebaut, sodass das Wasser über den Wetterndeich gehoben werden konnte.

In dem vorliegenden Wetternbuch sind Protokolle aus den Jahren 1774 bis 1890. Alle Landwirte der Wilstermarsch, die an so einer Wettern ihr Land hatten, mussten ihr Wasser aus dem Land in die Wettern pumpen. Jeder hatte seine eigene Windmühle und der Bauer war darauf bedacht, dass das Wasser aus dem Land gehoben wurde. Damit verbunden war die Unterhaltung seiner Mühle, der Wetterndeiche und des Wetternflusses. Alles musste in Ordnung sein, denn das Wasser musste aus dem Land.

Wörtlich heißt es dazu im Wetternbuch: „Anno 1771, den 24. August hat der Hauptmann der Kortenfelder Wettern, Namens Hans Lahs, die Interessenten in Claus Ruges Haus zusammen convorieren lassen. (...) Die Wettern ist 421 Ruthen lang (eine Wilstermarschruthe ist 4,6416 Meter). Nach dem Schleusenregister werden die Wetternschläge eingeteilt. (...) Die Wetternschauung soll alle Jahr geschehen zwischen neuen und alten Michaelis.Es muss ein jeder einen Pfahl mit seinem Namen auf seinem Schlag haben und auf gehöriges Ansagen die Wettern vor der Schauung reinigen. Sonst werden Diejenigen, welche hierin fehlen, auf 30 Pf. geschuldet, und zwar sowohl wegen des Nichtreinigens ihres Schlages Wetter. Wer nichts angetastet hat wird auf 60 Pf. geschuldet. Wenn jemand geschuldet worden, so soll es ihm förderamts kundgetan werden und am 8 ten Tage wieder geschauet werden. Dem Hauptmann wird die Macht eines Deichgräfen, die Ungehorsamen anzutreiben und die Strafgelder durch Pfändung beizutreiben, hiermit beigelegt.“

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erstellt am 15.Mai.2014 | 17:00 Uhr

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