40 Jahre Schneekatastrophe : „Als Sibirien nach Schleswig-Holstein kam“: Erinnerungen an den Jahrhundertwinter

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Schneewinter 1978/79 in Nordfriesland.

Schneewinter 1978/79 in Nordfriesland.

In Itzehoe eröffnet das Kreismuseum Prinzeßhof am Sonntag die Sonderausstellung zur Schneekatastrophe 1978/79.

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08. November 2018, 17:29 Uhr

Itzehoe | Zur Schneekatastrophe hat Museumsleiterin Miriam Hoffmann ein ganz persönliches Verhältnis. „Mir wird jedes Jahr zu meinem Geburtstag ausführlich davon erzählt.“ Denn Hoffmann kam zur Welt als Schleswig-Holstein zum Jahreswechsel 1978/79 im Schnee versank. Grund genug, dem Ereignis anlässlich des 40. Jahrestags mit einer Sonderausstellung im Kreismuseum Prinzeßhof auf den Grund zu gehen, sagt Hoffmann augenzwinkernd.

Da sie aber keine eigenen Erinnerungen an den Jahrhundertwinter beisteuern könne, hatte Hoffmann zum Pressetermin vor der offiziellen Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 11. November, um 11 Uhr, gleich mehrere Zeitzeugen eingeladen.

Austausch im Museum: Herbert Matys (l.) filmte das Winterchaos in Glückstadt. Dieter Roeder flog vom Hungrigen Wolf aus Hilfseinsätze für Menschen, die vom Schnee eingeschlossen waren.
Michael Ruff
Austausch im Museum: Herbert Matys (l.) filmte das Winterchaos in Glückstadt. Dieter Roeder flog vom Hungrigen Wolf aus Hilfseinsätze für Menschen, die vom Schnee eingeschlossen waren.

Herbert Matys hat die Schneekatastrophe nicht nur miterlebt. Der Glückstädter hat sie auch auf Film festgehalten. „Eigentlich nur für meine Kinder und Enkelkinder“, sagt der 84-Jährige. Nun ist sein 30-minütiger Film aber auch im Rahmen der Sonderausstellung zu sehen. Dass es sich um ein besonderes Ereignis handelte, sei ihm schnell klar geworden, als er am 28. Dezember 1978 nach der Arbeit sein Auto nur mit Hilfe eines benachbarten Bauunternehmens aus einer Schneewehe befreien konnte. „So viel Schnee kannten wir ja nicht.“

Und es wurde noch viel mehr. Matys hielt auf Film fest, wie Schneefall, Eisregen und Wind dafür sorgten, dass Glückstadt bald von der Außenwelt abgeschnitten war. „Die Räumarbeiten an den Straßen Richtung Elmshorn und Krempe gingen dann aber zügig voran.“ Auch Dank der Hilfe der damals noch zahlreich im Kreis vertretenen Bundeswehr.

Zeitung an der Litfaßsäule: Neben privaten Film- und Fotoaufnahmen zeigt die Ausstellung auch Presseberichte von 1979.
Michael Ruff
Zeitung an der Litfaßsäule: Neben privaten Film- und Fotoaufnahmen zeigt die Ausstellung auch Presseberichte von 1979.
 

Die Soldaten halfen nicht nur am Boden, sondern auch aus der Luft, berichtet Dieter Roeder, seinerzeit Heeresflieger am Hungrigen Wolf. „Wir flogen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang“, sagt Roeder. Der Hohenasper versorgte mit seiner Hubschraubercrew die Bevölkerung auf Fehmarn mit Lebensmitteln und flog Erkrankte zum Kieler Uniklinikum.

Zunächst mussten aber die Besatzungen erstmal ihre Hubschrauber erreichen. Weil einige Piloten nicht mehr über die verschneiten Straßen zum Flugplatz an der B77 gelangen konnten, wurden sie kurzerhand von ihren Kameraden mit dem Hubschrauber zu Hause abgeholt, berichtet der heute 70-Jährige.

Die Vogelperspektive auf die Schneekatastrophe spielt auch in der Dauerausstellung eine prominente Rolle: Hoffmann zeigt zur Illustration mehrere großformatige Aufnahmen des Pressefotografs Kai Greiser, der während der Schneekatastrophe für das Magazin Stern aus dem Hubschrauber fotografierte.

Im kollektiven Gedächtnis der Menschen blieb die Schneekatastrophe aber nicht nur wegen der spektakulären Bilder, sondern auch wegen der großen Hilfsbereitschaft unter den Menschen, sagt Hoffmann. Auch daran solle die Ausstellung erinnern.

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