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Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 08:06 Uhr

Jakobsweg : Als Pilger zu Gast in Itzehoe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Alexander Franz und Josefine Bernstein sind zu Fuß auf dem Weg nach Santiago de Compostela / Kirchen beherbergen regelmäßig Wallfahrer

von
erstellt am 04.Apr.2016 | 11:15 Uhr

Eigentlich wollten sie zu Fuß zum Nordkap laufen. Weil es ihnen aber in der vergangenen Woche bereits in Schweden zu kalt wurde, sind sie nun auf dem Weg in wärmere Gefilde. Auf ihrer Pilgerschaft nach Santiago de Compostela, im Westen Spaniens, machten der Kieler Alexander Franz (26) und die Eckernförderin Josefine Bernstein (21) an diesem Wochenende Rast in Itzehoe und fanden Unterkunft in der katholischen Kirchengemeinde St. Ansgar.

Die beiden Freunde waren am Montag vergangener Woche in Kiel gestartet. Die ersten Nächte verbrachten sie im Zelt. „Das war ziemlich kalt“, sagt Franz. Außerdem hätten ihnen die ersten 65 Kilometer von der Landeshauptstadt bis Itzehoe bereits ziemlich zu schaffen gemacht, erzählt er und zeigt seinen Fuß, an dem eine dicke Blase sitzt. „Wir sind froh, erstmal ein warmes Zimmer zu haben.“

Die jungen Leute sind nicht die einzigen Pilger, die in Itzehoe zu Gast sind. „Wir beherbergen jedes Jahr sechs bis sieben Pilger im Gästezimmer“, sagt der katholische Pfarrer Ulrich Krause. In der evangelischen Innenstadtgemeinde sind es um die zehn im Jahr. „Momentan ist unsere Pilger-Wohnung jedoch an Flüchtlinge vermietet“, teilt Pastor Björn Schneidereit mit. Meist seien die Wanderer auf dem Mönchsweg unterwegs, ein alter Pilgerweg, der von Bremen über Stade und Itzehoe bis zur Ostseeinsel Fehmarn führt. „Dass aber jemand in einem Stück von Schleswig-Holstein bis nach Santiago laufen will, habe ich noch nicht erlebt“, sagt Ulrich Krause.

Bis Ende August geben sich der Kieler und die Eckernförderin Zeit, um an dem Wallfahrtsort in Spanien anzukommen. Dass das eng wird, ist ihnen bewusst: Rund 2300 Kilometer liegen noch vor ihnen. Liefen sie in ihrem aktuellen Tempo weiter, würden sie nicht vor Ende September ihr Ziel erreichen. „Aber darum geht es ja nicht“, sagt Alexander Franz. „Anzukommen ist uns nicht wichtig. Es geht uns eher darum, aus unserem Alltag herauszukommen und uns selbst besser kennenzulernen.“

Der Spielflm „Into the Wild“ über einen Abenteurer-Studenten brachte den Industrie-Mechaniker auf die Idee, sich auf den Weg zu machen. Er ließ seinen Arbeitsvertrag auslaufen, suchte per Facebook Gleichgesinnte – und fand Josefine Bernstein. „Ich habe gerade eine Suchttherapie hinter mir und wollte ohnehin mein Leben umkrempeln. Da kam mir die Gelegenheit gerade recht“, sagt sie. Gemeinsam planten die beiden eine Wandertour von Stockholm zum Nordkap und machten sich Ende März auf den Weg. „Allerdings mussten wir feststellen, dass wir uns gründlich verschätzt hatten“, so Franz. Die Nächte bei minus zehn Grad im Zelt seien unerträglich gewesen. „Da haben wir spontan entschlossen, lieber in Richtung Süden zu gehen, wo es wärmer ist.“

Mit einem zehn Kilo leichteren Rucksack soll im zweiten Anlauf alles besser klappen. Erste Erfahrungen stimmen die beiden zuversichtlich: Ein Radfahrer, den sie am Abend zuvor im Wald getroffen hatten, brachte ihnen nach der Übernachtung in Aukrug spontan ein Frühstück ans Zelt. „Das war echt eine gelungene Überraschung. Davon wünschen wir uns noch mehr.“

Viele Wege Führen nach Spanien


Jakobswege führen aus ganz Europa sternenförmig in das spanische Santiago de Compostela, wo sich das Grab des biblischen Apostels Jakobus befinden soll. Schon im 9. Jahrhundert entwickelte es sich zum Wallfahrtsort. Die Hauptroute des Jakobswegs in Schleswig-Holstein wird auch Via Jutlandica genannt und führt unter anderem von Harrislee an der dänischen Grenze über Schleswig, Rendsburg, Itzehoe, Glückstadt und Stade weiter zum westfälischen Jakobsweg.

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